Im Frühjahr erfolgt in der Wöschnau und in Gretzenbach der Beginn der sogenannten Tagbaustrecken. Es sind Bestandteile des Eppenbergtunnels, welche aber in offener Bauweise, das heisst in Baugruben erstellt werden, erklärt Hansjörg Merz, Kontaktstellenleiter der involvierten Gemeinden Gretzenbach und Schönenwerd. «Erst nach Fertigstellung des Tagbautunnels in der Wöschnau kann die Tunnelbohrmaschine installiert werden und ihre Arbeit aufnehmen.»

Zuvor aber werden in Gretzenbach noch Werkleitungen sowie der Gretzenbach verlegt. Der Hang in Gretzenbach unterhalb der Kirche, wo der Tunnel einst hinausführen soll, ist Anfang Jahr bereits gerodet worden, und derzeit sind die Arbeiten zum Verlegen des Gretzenbachs in vollem Gang. Die Tagbaustrecken unterqueren sowohl in der Wöschnau wie auch in Gretzenbach die stark befahrene Hauptstrasse T5. Deshalb muss der Tagbautunnel bei der Querung der T5 in Etappen gebaut werden, denn der Verkehr muss in jeder Bauphase zweispurig fliessen können», führt Merz aus. Die T5 wird phasenweise verlegt, je nach Bauzustand des Tagbautunnels.

«In Gretzenbach beispielsweise wird der Tagbautunnel bis über den Platz gebaut, auf dem sich bis vor Kurzem noch Occasionsautos befanden. Dann wird der Verkehr der T5 über den Platz umgeleitet, bis auch die T5 selbst untertunnelt ist, und danach wird die Strasse wieder an ihren jetzigen Standort zurückgeführt», erklärt Merz. Und die Tagbaustrecke in der Wöschnau soll fast 300 Meter lang werden.

Wenn diese Baute in der Wöschnau abgeschlossen ist, kann die Tunnelbohrmaschine ihr Werk in der Wöschnau beginnen. Dort arbeitet sie sich unter dem Eppenberg und Schönenwerd bis nach Gretzenbach durch. Für die ersten 2,4 Kilometer reinen Fels rechnet der Kontaktstellenleiter mit zehn bis zwölf Metern Vortrieb pro Tag, also mit einer rund einjährigen Bohrzeit.

Für die letzten 800 Meter im Lockergestein, bestehend aus Niederterrassenschotter (eine Art Kies), muss der Bohrer auf das sogenannte Hydroschild-Verfahren umgebaut werden. Nun übernimmt eine Bentonitsuspension die notwendige Stützkraft im Bohrkopfbereich. Für diese letzten 800 Meter wird die Tunnelbohrmaschine ständig in Bewegung sein. «Nur so kann mit diesem Verfahren und der relativ geringen Überdeckung, im Extremfall zirka 15 Meter, ein sicherer Tunnelvortrieb garantiert werden», so der Kontaktstellenleiter. Merz rechnet für diesen Abschnitt des Eppenbergtunnels mit zirka sechs bis acht Monaten Bauzeit.

Wohl ohne Erschütterungen

«Es ist nicht ganz ausgeschlossen, dass ein Teil des Aushubs nach Kölliken in die Sondermülldeponie gebracht werden soll», bemerkt Merz. Die ersten Wiederauffüllarbeiten sind ebenfalls auf Herbst 2016 geplant. Im Bereich der Gretzenbacher Kirche – der Tunnel wird östlich des Römersaals zum Westportal vorangetrieben – glaubt der Kontaktstellenleiter nicht, dass mit Erschütterungen zu rechnen sei. «So etwas ist ohne Zwischenfälle schon an vielen Orten ausgeführt worden», hält Hansjörg Merz fest.

Auch Franz Xaver Schenker, Präsident der römisch-katholischen Kirchgemeinde Gretzenbach-Däniken, glaubt nicht daran, dass die Kirche in Mitleidenschaft gezogen werden könnte, auch der Römersaal nicht. «Die Bohrarbeiten verlaufen ja nicht direkt unter dem Römersaal, sondern östlich davon in einer Tiefe von 20 Metern». Einsprache habe die Kirchgemeinde keine gemacht deswegen. Dafür habe man den SBB das Stück Land unterhalb des abgeholzten Hangs gegen Entschädigung überlassen.

Und wie reagiert die Bevölkerung in Gretzenbach auf das Projekt? «Während der Auflagefrist sind einige Einsprachen eingegangen. Die SBB und Kontaktstellenleiter Hansjörg Merz haben diese offenbar zur Zufriedenheit der Einsprecher lösen können, denn seither ist es ruhig geblieben, auf der Gemeindeverwaltung wurden wir nicht mehr mit Anfragen oder allfälligen Problemen konfrontiert», führt Gemeindeschreiberin Andrea Walder-Flury aus.