Um neun Uhr treffen sich zehn Freiwillige beim Mühlemattsaal in Trimbach. Der Plan ist, zwei Gruppen zu bilden. Die einen starten bei der Einmündung in die Aare auf der Südseite des Dorfes, die anderen bei der Fischerzucht. Am Schluss wollen sie sich in der Mitte treffen. Kaum halten sie die Abfallzangen in den Händen, suchen die eifrigen Helfer bereits nach herumliegendem Müll. Thomas Rutschi, Vater von drei Teilnehmenden, schafft es nicht genug schnell, die Abfallsäcke rechtzeitig aus seinem Rucksack zu nehmen. Die motivierten Bachputzer müssen sich zuerst einmal in Geduld üben.

Fünf Minuten später nahe der Fischerzucht angekommen, begibt sich die eine Gruppe ins Bachbett, verlassen es aber gleich wieder. Zu hoch ist der Wasserstand. Der Elan wird aber nicht gebremst, im Gegenteil: Auf einer Bank direkt neben dem dunkelblau schimmernden Wasser des Biotops kauern sie über dem feuchten Gras und fingern aufwendig silbrig glänzendes Konfetti heraus. Die Stimmung ist trotz der mühsamen Arbeit fröhlich. Die Helfer können sich das Lachen nicht verkneifen, als sie den Fotografen erblicken: Er kniet am steilen Hang im hohen Gras, als ob er gerade Wildtiere auf einer Safari ablichten würde.

Darum steigen die Helfer in den Dorfbach

Der Grund für die Aktion Dorfbachputzete entstand in der Familie Rutschi. Rebecca Rutschi hatte die Idee, die ihr Vater als Familientätigkeit durchführen wollte. Daneben fragte Rebecca die Klimastreik-Organisation von Olten, worin sie ebenfalls aktiv ist, an. Obwohl diese Aktion keine direkte Verbindung zum Klimastreik besitze, bestehe in der Organisation grosses Interesse für Umweltschutz, sagt sie und ergänzt: «Der Dorfbach in Trimbach hat zudem mit seinen vier Kilometern eine überschaubare Länge.» Ihre Mutter habe sie so erzogen, dass es sich gehöre, herumliegenden Abfall mitzunehmen und korrekt zu entsorgen. «Ein Bach hat den Nachteil, dass man schmutzig und nass wird. Viele umweltbewusste Leute begeben sich also weniger freiwillig in ein solches Gelände, weshalb wir es tun», führt sie aus.

Für Till Bégue, ein 15 Jahre alter Klimastreik-Aktivist, ist die «Bachputzete» nur eine von vielen Aktionen, an welcher er der Umwelt zu Liebe teilnimmt. «Ich habe sogar meine Familie davon abhalten können, mit dem Flugzeug in die Ferien zu fliegen. Stattdessen reisten wir ins Tessin.» Daneben versuche er, bewusster und seltener Fleisch zu konsumieren oder den Kauf von Überseeprodukten zu vermeiden.

Nachdem die zehn Freiwilligen stückweise immer kuriosere Gegenstände aus dem Bachbett zogen – Liegestuhl, Portemonnaie, Golfbälle, Hängematte, Rasenmäherklingen – streckt eine Helferin unter der Brücke auf der Höhe des Coops den Arm aus, um eine Prix-Garantie-Bierdose zwischen Brennnesseln herauszuziehen. Dabei kann sie den feinen wissen Härchen der Pflanze nicht ausweichen. Den brennenden Schmerz nimmt sie locker in Kauf: «Wir müssen zur Umwelt schauen.»

Gegen zwei Uhr nachmittags treffen sich die beiden Gruppen auf Höhe der Bushaltestelle Baselbieter. Sie deponieren sämtliches Sammelgut – 30 prall gefüllte Abfallsäcke sowie Sperrgut – auf dem Vorplatz der Firma Rippstein Transport AG. Während die Umweltaktivisten zum Grillieren bei der Fischerzucht treffen, holen die Werkhofmitarbeiter den Abfall ab. Die Gemeinde stellte den Helfern die Abfallzangen zur Verfügung und sorgte kostenlos für die korrekte Entsorgung des Mülls.

Rebecca ist froh, diese Aktion durchgeführt zu haben. «Umweltschutz hört nicht mit dem Klimastreik auf.» Ausserdem sei das Engagement wichtig. Es steigere die Kredibilität der Organisation, da ihr auf politischer Ebene vorgeworfen würde, nur Forderungen zu stellen, selbst aber nicht anzupacken. «Wir haben jetzt gezeigt, dass es nicht so ist», sagt sie.