«Im Pendeluhreland — mer schaukle nebenang», hallt es im gemütlichen Dreivierteltakt aus den Lautsprechern durch die Turnhalle im Dulliker Schulhaus Langmatt. Rund 20 Schüler bewegen sich synchron zur gemächlichen Musik von Christian Schenker: Sie schlagen Räder und Purzelbäume, schwingen auf einem überdimensionalen Pendel hin und her, immer wieder, unermüdlich.

Währenddessen sitzt auf einer hohen Leiter ein Junge, vor dem sich langsam ein Publikum bildet. Er ist der Witze-Erzähler und trägt seinen Zuhörern eine Liste mit Witzen vor. Diese sollten lachen, doch verpassen ihren Einsatz. «Ihr müsst lachen, das ist jetzt eure Rolle», erinnert Theaterpädagogin Simone Wyss die Schüler und übt mit den vier Kindern, theatergerecht zu lachen.

Nach zehn Jahren wieder ein Musical

Das ganze Schulhaus Langmatt ist an diesem Tag auf den Beinen. Seit vergangenem Herbst investierte die Schule acht volle Tage in die Vorbereitungen und Proben für ihr Musical «D’Zyt louft», das Ende Mai vor Publikum aufgeführt wird: Alle leisten auch an diesem Morgen vollen Einsatz. Die Werk- und Musikzimmer sind ebenso wie die Turnhallen voll besetzt. Es wird gebastelt, gemalt, gesungen und getanzt.

«Zehn Jahre ist es her seit unserem letzten Musical — jetzt ist es wieder an der Zeit», sagt Reto Kaser, Lehrer und Mitorganisator des Musicals zum Beweggrund des riesigen Projekts. Insgesamt seien rund 90 Schüler, elf Lehrer sowie die Oltner Theaterpädagogin Simone Wyss und der Komponist Christian Schenker mit ins Projekt eingespannt worden. Letzterer hat bereits die Lieder für die vergangenen zwei Musicals komponiert. «Christian war eigentlich von Anfang an gesetzt», ergänzt die Projektleiterin Béatrice Bonjour lachend. Auch selbstverständlich war das Mitwirken von Daniel Hellbach, Musiklehrer an der Schule. Er habe die Lieder von Schenker für das Musical und die Chöre umgeschrieben.

Schüler wählten ihre Rolle selbst

Das Thema «Zeit» habe die Theaterpädagogin Simone Wyss vorgeschlagen. «Wir sind zusammengesessen und haben uns überlegt, welche Themen wir in die Geschichte einbauen möchten», erklärt Bonjour die Vorgehensweise im Projekt. Die Themen würden stets passend für das Schulhaus und die Schüler gewählt sowie das Stück gemeinsam mit ihnen geschrieben und entwickelt.

Ihre Rollen beispielsweise durften die Kinder selber aussuchen, wie der 11-jährige Iven Lorenz, der eine der Hauptrollen hat, verrät: «Ich spiele einen normalen Jungen, der mit ein paar anderen Kindern zusammen eine Zeitreise macht und die anderen immer wieder korrigiert, wie ein Schlaumeier.» Auch persönliche Wünsche durften die Schüler anbringen. So gehört die 13-jährige Aida Okoth zu denjenigen, die sich zusätzlich zum Chor im Sologesang üben. «Singen ist sehr wichtig für mich. Als wir vom Musical erfuhren, hat mich das sehr gefreut», erzählt sie.

Ein Ausflug ins Sanduhrenland

Das Musical handelt von der individuellen Zeitwahrnehmung. Es geht der Frage nach, warum die Zeit beim Fussballspielen beispielsweise schneller vergeht als im Schulunterricht. Eine Gruppe von sechs Schülern möchte ebendies umkehren und besorgt sich kurzerhand Zugang zu einer Zeitmaschine. Es handelt sich dabei allerdings um keine gewöhnliche Zeitmaschine, die Zeitreisen im herkömmlichen Sinne ermöglicht.

Die Schüler reisen damit in Länder mit anderer «Zeitwahrnehmung», wie zum Beispiel in das Sanduhrenland, wo alles in Zeitlupe geschieht und Hektik ein Fremdwort ist. Im Weckerland bestimmen getaktete Bewegungen, genaue Arbeitsabläufe und Marschmusik den Alltag.

Moral des Musicals ist die Balance

«Es sind nie immer alle sechs Kinder an einem Ort zufrieden. Sie entdecken während ihrer Reise die Vor- und Nachteile jedes Landes», erklärt Kaser. Schenker fügt hinzu: «Die Kinder haben ein Problem und betrachten es von aussen. Wie jemand, der ins Ausland reist, weil er hier nicht zufrieden ist und dort merken muss, dass es hier gar nicht so schlecht gewesen ist.» Die Moral des Musicals sei, eine gesunde Mischung zwischen allen Ländern und eine Balance im eigenen Leben zu finden.

Das Projekt stellt besonders für die Theaterpädagogin Simone Wyss, die zum ersten Mal an einem Musical arbeitet, eine neue Herausforderung dar. «Die Challenge ist es, eine Geschichte oder Handlung zu erfinden, in die möglichst viele Kinder mit unterschiedlichen Fähigkeiten miteingebunden werden können», sagt sie. Die Szenen mit rund 20 Schülern seien recht komplex und die Aufgabe gestalte sich daher nicht ganz so einfach.

«Das Grundkonstrukt steht bereits»

Seit dem Herbst werden daher regelmässig Probetage organisiert. Laut Wyss befindet sich das Projekt allerdings im Moment noch in einer Zwischenphase. «Das Grundkonstrukt steht bereits. Aber wir müssen Vieles noch zusammenfügen, repetieren und festigen. Heute beispielsweise funktionierte manches schon sehr gut. Anderes jedoch war noch das totale Chaos», gibt die Theaterpädagogin lachend zu.

Im Rahmen einer Projektwoche ab dem 20. Mai legt die Schule nochmals einen Endspurt ein, um am 24. und 25. Mai vor Familie und Freunden auftreten zu können. «Ich glaube, wir sind im Plan», sagt Lehrer Reto Kaser zum Organisationsstatus, «vieles ringsherum ist bereits erledigt.» Auch für Simone Wyss ist die aktuelle Zwischenphase unbedenklich: «Diese Dynamik muss bis am Schluss bleiben. Man darf nicht vor dem Schluss bereits alles perfekt proben, sonst geht der Schwung verloren.»