Niederamt

«Ich liefere, was mir selbst gefällt» — Daniela Stirnemann über ihre Backstube Zuhause

«Homeoffice» der besonderen Art: Daniela Stirnemann an ihrem Arbeitsplatz, der sich bei ihr daheim befindet.

«Homeoffice» der besonderen Art: Daniela Stirnemann an ihrem Arbeitsplatz, der sich bei ihr daheim befindet.

Die Confiseurin Daniela Stirnemann aus Niedergösgen betreibt ihre Backstube von Zuhause aus.

Ihre Werkstatt ist nicht sonderlich gross, aber wirkt dennoch sehr professionell. An der Wand hängen nebst ein paar Backutensilien auch Vitrinen, in denen ein paar ihrer Kreationen darauf warten, gegessen zu werden. Hier verrichtet Daniela Stirnemann ihre Arbeit mit einem Arbeitspensum von etwa 20-40 Prozent jede Woche. Im Normalfall erledigt sie dabei Aufträge von Kundinnen und Kunden. Manchmal benutzt sie die Backstube aber auch, um ein bisschen zu experimentieren und neue Sachen auszuprobieren. Die Herstellung von selbst entworfenen Giessformen und der letztjährigen Produktion von 800 Stück kundenspezifischer Schokoladentafeln zählt zu den bisherigen Highlights. Ihre neusten Kreationen veröffentlicht sie dabei gerne auf Instagram.

Die 38-Jährige hat ursprünglich das Handwerk des Konditor-Confiseurs gelernt. Danach hat sie sich zur Diplomierten Wirtschaftsfachfrau umschulen lassen und ist 15 Jahre lang als technische Sachbearbeiterin tätig gewesen. In ihrer Freizeit hat sich die Niedergösgerin das Backen jedoch stets bewahrt und manchmal beispielsweise eine Torte für einen Geburtstag gemacht oder auch fachspezifische Kurse besucht. Als sie schliesslich ein Kind erwartete, fand sie zurück zu ihren Wurzeln in der Backstube. «Unsere Tochter hat für mich oberste Priorität. Ich wollte genug Zeit für sie haben. Deshalb bin ich dankbar um die freien Arbeitszeiten, die mir diese Arbeit bietet.»

Im eigenen Haus hat sie genügend Platz für ihre Arbeit und die Möglichkeit, den vorgegebenen Hygienestandards nachzukommen. Es komme ausserdem jedes Jahr ein Lebensmittelkontrolleur vorbei, der ihre Backstube überprüft. «Das mache ich nicht nur für mich. Ich weiss, dass ich sauber arbeite. Aber ich möchte, dass meine Arbeit auch amtlich abgesegnet ist. Ich will behandelt werden, wie ein normales Geschäft.»

Lockdown hat Lust auf Schokolade nicht tangiert

Die herausfordernde Situation der letzten Monate hat Stirnemann nur wenig gebremst. «Ich habe natürlich einige Aufträge wieder verloren, weil Feste nicht stattfinden konnten. Ein wirklicher Verlust habe ich dadurch aber nicht erlitten.» Zudem habe sie im vergangenen Frühling eine Kollaboration mit der Bäckerei Janz in Niedergösgen sowie mit der Bäckerei Bebler in Füllinsdorf aufbauen können. Für Ostern habe sie die Bäckerei Janz schliesslich mit selbst gemachten Osterhasen und weiteren Confiserieartikeln wie Stirnemann-Schlosskugeln und Niedergösger Schokoladentafeln beliefern dürfen.

Nachwirkungen von dem Lockdown spüre sie überhaupt nicht. Ihr Geschäft floriert und sie ist bereits jetzt ausgebucht bis Ende Oktober und ab November beginne bereits das strenge Wintergeschäft, was auch viel Zeit in Anspruch nehme. Sie habe sogar ein paar Aufträge ablehnen müssen, weil die Arbeit sonst zu viel geworden wäre. «In der Regel erledige ich einen bis drei Aufträge pro Woche. So habe ich genug Zeit, die Dekoration zu machen und das Endprodukt auch sorgfältig herzustellen. Die Zuckermasse oder Marzipan ist dabei oft der anspruchsvollste Teil. Ich liefere keine Produkte ab, die mir selbst nicht gefallen.» Ausserdem nimmt sie im hiesigen Dorfleben aktiv teil, ist Mitglied der Feuerwehr und Samariterlehrerin in Niedergösgen.

Auf die Frage ob sie irgendwann wieder zurück zum Bürojob möchte, wenn ihre Tochter grösser und unabhängiger wird, meint Stirnemann, sie könne es sich momentan nicht vorstellen, es sei aber nicht ausgeschlossen. «Mein Ziel ist es, meine Confiserie auszubauen und grösser zu werden. Vielleicht kann ich in Zukunft auch vermehrt mit Geschäften in der Region zusammenarbeiten.»

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