Niedergösgen

«Ich bin ein Tüpflischisser»: Jiri Chribek feiert 1. August mit Nati-Shirt und neuem Pass

Glückliche Schweizer: Jiri und Cindy Chribek mit ihren beiden Töchtern Anja und Ella auf der Veranda ihres Einfamilienhauses in Niedergösgen.

Glückliche Schweizer: Jiri und Cindy Chribek mit ihren beiden Töchtern Anja und Ella auf der Veranda ihres Einfamilienhauses in Niedergösgen.

Weil er sein Herz an die Schweiz verlor, liess sich der gebürtige Tscheche im März einbürgern.

Es ist das Jahr 2006. Der damals 22-jährige Jiri Chribek plant eine Weltreise. Weg von seinem Heimatdorf in der Nähe vom tschechischen Prag und ab nach Irland, Australien, die grosse, weite Welt. Weit kommt er aber nicht. Denn bereits in Dublin, von wo aus die Reise starten soll, lernt er seine heutige Frau Cindy kennen und lieben. Mit ihr kommt er ein paar Jahre später in die Schweiz. Da verliebt er sich zum zweiten Mal. Und zwar in die schönen Schweizer Berge, die Ruhe auf dem Land und dessen Bewohner. Seit acht Jahren wohnt die mittlerweile vierköpfige Familie in Niedergösgen. Und auch wenn ein Teil seines Herzens immer nach Tschechien gehören wird, würde Chribek die Schweiz nie wieder verlassen.

Familie von Weltenbummlern

Bevor er zum sesshaften Familienvater mutierte, sei Chribek ein richtiges «Reisefüdle» gewesen und schon viel in der Welt herumgekommen. Das wird er wohl auch in Zukunft nicht ablegen, denn weitere Reisen nach Australien und zurück nach Prag seien bereits geplant. So wachsen auch die Kinder zu richtigen Weltenbummlern heran. Drei Sprachen verstehen Ella und Anja schon: Tschechisch, Deutsch und Englisch. Schliesslich sollen sie sich auch mit ihrer Grossmutter unterhalten können, welche noch immer in Tschechien lebt. Und ausserdem sei es sowieso gut, mehrere Sprachen zu beherrschen, meinen die Eltern.

Von Dublin aus kamen Jiri und Cindy zum ersten Mal nach Niedergösgen, wo Cindy, die selbst ungarische Wurzeln hat, aufgewachsen ist. Damals hat sein Schwiegervater gewarnt: «Prag wird nicht mehr so sein, wie es einmal war.» Jiri und seine Frau wollten jedoch nicht hören: «Wir sind dann für immer nach Prag ausgewandert. Nach einem Jahr war «für immer» aber bereits wieder vorbei», erzählen die beiden lachend. Cindys Vater hat recht behalten. Der endgültige Entscheid fiel aufgrund des Familienwunsches der beiden. Prag sei einfach zu gross und zu unsicher gewesen. Selbst Jiri konnte sich das Leben dort nicht mehr vorstellen. Deshalb kamen sie in die Schweiz, genauer gesagt ins Mühledorf in Niedergösgen, wo sie sich ihren Familienwunsch erfüllten.

Schnell in der Schweiz integriert

Obwohl Chribek, der schon weit in der Welt herumgekommen ist, viele Sprachen spricht, ist Schweizerdeutsch keine davon gewesen. Er habe jedoch nie Angst gehabt auf fremde Leute zuzugehen und sich mit Händen und Füssen immer zu verständigen gewusst. Das bestätigt auch seine Frau: «Jiri kann hingehen, wo er will, am Ende des Abends kennt ihn einfach jeder.» Wegen seiner Aufgeschlossenheit hat er auch in der Schweiz nie Probleme gehabt, Freunde zu finden. Bereits eine Woche nach dem Umzug nach Niedergösgen ging er zum hiesigen Fussballverein und schloss die ersten Freundschaften. Bei einem Bier, versteht sich, wie es richtige Tschechen eben tun. Glücklicherweise sprachen ein paar Mannschaftsmitglieder Englisch und konnten sich mit ihm unterhalten. Dank ihnen, seinem Beruf als Plättlileger und seinen Freunden lernte er die Sprache schnell, obwohl er mit Hochdeutsch noch immer nicht richtig klarkomme, meint Chribek schmunzelnd.

Wegen seines Berufs und seinen beiden Hobbies, Fussball und Eishockey, war Jiri auch schnell in der Region integriert. Das habe bestimmt auch bei der Einbürgerung geholfen, vermutet seine Frau. Diese ist absolut problemlos verlaufen.

Da Cindy Schweizerin ist, konnte Jiri schon nach fünf Jahren in der Schweiz die vereinfachte Einbürgerung beantragen. Nach der amtlichen Befragung, wo er auf Herz und Nieren geprüft wurde, erhielt er im März 2017 dann die Bestätigung. «Da bin ich natürlich feiern gegangen», erzählt Chribek lachend. Er hätte sich nie vorstellen können, irgendwann eine andere Nationalität anzunehmen. Und nun sei er einfach nur sehr glücklich darüber, Schweizer zu sein. Vor allem wegen seinen beiden Töchtern. «Ich wollte unbedingt abstimmen gehen, um ihre Zukunft mitgestalten zu können», erklärt der gebürtige Tscheche.

Denn Ella und Anja sollen in der Schweiz grosswerden. Und da will er so viel wie möglich mitbestimmen. Ausserdem bedeute ihm das Land unglaublich viel. Alles sei so anders als in seinem Heimatdorf, und genau das schätze er an der Schweiz.

Was denn richtig schweizerisch an ihnen sei? Frau Cindy lacht und antwortet sofort: «Ich bin ein Tüpflischisser.» Jiri stimmt nach einigem Nachdenken zu. Er müsse auch immer alles genau haben. Ausserdem würden ihn seine Liebe zu den Bergen und zum Eishockey auszeichnen. Vom Schweizer System sei er begeistert. Dieses Land biete einfach jedem so viele Perspektiven. «Hier ist alles möglich», findet der eingebürgerte Schweizer. Er ist froh, durfte er sich hier niederlassen und all diese Möglichkeiten erfahren. Es gäbe kein besseres und sichereres Land für eine Familie. Wieder schwärmt er von der schönen Landschaft in der Schweiz und wirkt dabei wirklich beinahe ein wenig verliebt.

Die Heimat immer im Herzen

Chribek ist es aber auch wichtig, nie zu vergessen, wo er seine Wurzeln hat. In Tschechien geboren und aufgewachsen, hätte das Land in Osteuropa immer den ersten Platz in seinem Herzen. «Die Schweiz steht direkt dahinter!», versichert er. Leider habe der Kommunismus jedoch sehr viel in Tschechien kaputtgemacht. Er sehe seine Heimat jetzt mit etwas anderen Augen. Vieles sei sehr anders hier in der Schweiz. Vor allem die Regeln. «Alles ist so strikt und geradlinig», beschreibt Chribek den ersten Eindruck der Schweiz. Aber trotz, oder vielleicht gerade wegen, den vielen Richtlinien funktioniert in der Schweiz alles einwandfrei.

Den 1. August feiert die Familie selbstverständlich mit den Nachbarn, einem ausgiebigen Grillfest und viel Feuerwerk. Und mit Stolz wird Chribek dabei sein Schweizer «Nati-Liibli» tragen. Eigentlich wollte er sich zur Einbürgerung noch ein Edelweiss-Hemd kaufen. Das hat er aber noch nicht geschafft. Stehen würde es ihm bestimmt gut.

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