Trimbach/Malters

Hug setzt auf pinke Schoggi und Malters statt Trimbach

Noch werden die Wernli-Biskuits in Trimbach produziert. Ab Mitte 2020 ziehen die Produktionsstätten um ins luzernische Malters.

Firmenareal in Trimbach

Noch werden die Wernli-Biskuits in Trimbach produziert. Ab Mitte 2020 ziehen die Produktionsstätten um ins luzernische Malters.

Der Backwarenhersteller Hug konnte den Umsatz 2018 dank gutem Exportgeschäft steigern. Ab 2021 werden dann auch die Wernli-Guetzli im luzernischen Malters statt in Trimbach produziert.

Das Familienunternehmen Hug sei gleich doppelt risikofreudig, sagte Verwaltungsratspräsident Werner Hug an der gestrigen Bilanzmedienkonferenz. Zum einen investiere es 60 Millionen Franken — und damit mehr als die Hälfte des jährlichen Umsatzes — in den Ausbau der Produktionsstätte in Malters LU.

Mit dem Projekt «Backhaus» wird die Herstellung der eigenen Marken Hug, Dar-Vida (heute bereits in Malters) und Wernli (heute in Trimbach) unter einem Dach vereint. Die Bauarbeiten dafür sind seit vergangenem November in Gang, der Umzug soll Mitte 2020 etappiert über die Bühne gehen. Schon 2021 sollen die Produktionen zusammengeführt sein.

«Wir können alle Leute hier brauchen»

Mit dem Ausbau der Produktionsstätte in Malters bekennt sich Hug zum Standort Schweiz. Andreas Hug ist sich der Risiken bewusst, die diese Haltung mit sich bringt: «Wir müssen die landwirtschaftlichen Rohstoffe in der Schweiz zu doppelten Kosten beschaffen, wie unsere Mitbewerber im Ausland.» Dank rationeller Produktion und Know-how solle dieser Nachteil wettgemacht werden.

Aus diesem Grund hofft das Unternehmen, dass 2020 möglichst viele Mitarbeiter von Trimbach nach Malters mitkommen werden. «Wir können praktisch alle Leute hier gebrauchen», sagt Andreas Hug. Von den heute 370 Vollzeitstellen entfallen nach dem Umzug deren 15. Das Unternehmen geht davon aus, dass dies über die natürliche Fluktuation geschieht und keine Entlassungen nötig sein werden. Von der Zusammenlegung verspricht sich Hug massive Vorteile. Beispielsweise können so Energiekosten und Tausende von Fahrkilometern zwischen den beiden Standorten eingespart werden.

Besondere Kakaobohne für neues Biskuit

Der zweite Grund zur Freude ist für den Backwarenhersteller die Lancierung eines neuen Produkts Ende Februar, das nicht auf dem hiesigen Markt getestet werden konnte: Das Schokoladenbiskuit «Ruby» trumpft mit einer auffälligen, rosaroten Farbe auf, die nicht von Fruchtaromen oder Farbstoffen stammt, sondern direkt von der Ruby-Kakaobohne (Englisch für Rubin).

Diese Bohne wächst in traditionellen Kakao-Anbaugebieten wie Brasilien und Ecuador und wurde vor ein paar Jahren vom Schokoladenproduzenten Barry Callebaut entdeckt. Neben weisser, schwarzer und Milchschokolade wird Ruby als vierte Schokoladensorte gehandelt. In der Schweiz gibt es sie beispielsweise schon bei Confiserien wie Bachmann zu kaufen.

Umsatz steigt um 1,8 Prozent

«Auf diese pinke Schoggi sind wir schon stolz», ergänzte Andreas Hug, Geschäftsleiter und Bruder von Werner Hug. Um «Ruby» ins Sortiment aufnehmen zu können, habe man sich bei Barry Callebaut sogar darum bewerben müssen. Aufgrund des schwierigen Marktumfelds will das Familienunternehmen aus Malters vermehrt durch Innovationen wachsen. Mit neuen Produkten soll dem stagnierenden Konsum von Backwaren und der insgesamt rückläufigen Schweizer Produktion entgegenhalten werden.

Trotz des steigenden Drucks aus dem Ausland zeigt sich Hug mit dem Geschäftsjahr 2018 zufrieden. Das Unternehmen konnte den Umsatz um 1,8 Prozent auf 118,8 Millionen Franken steigern. Grund dafür sei vor allem die Erhöhung des Produktionsvolumens von 9242 auf 9354 Tonnen. Gegenüber dem Vorjahr wurden somit 122 Tonnen mehr Wernli-Biskuits, Dar-Vidas oder Willisauer-Ringli hergestellt. Ebenfalls ein wichtiger Grund für den höheren Umsatz sei das stark wachsende Exportgeschäft. Insbesondere mit den dünnwandigen Tortenböden (Tartelettes Filigrano) für Bäckereien und Gastronomie seien einige neue Märkte erschlossen worden.

Sortiment erweitern mit Tiefkühlgebäcken

Zu kämpfen habe Hug jedoch mit dem allgemeinen Preisdruck im Detailhandel sowie mit dem zunehmenden Import von Back- und Tiefkühlbackwaren. Diesem Trend begegne das Unternehmen mit neuen Tiefkühlgebäcken im Gastromarkt: Im vergangenen Herbst hat es sein Sortiment um Brötchen und Süssgebäck zum Aufbacken sowie um tischfertige Snacks erweitert.

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