Paare in der Coronakrise

Hürden für binationale Partner: «Die Situation ist nicht mehr tragbar»

Rosmarie Wyss und ihr Partner Martin Pfister sind ein sogenanntes binationales Paar.

Rosmarie Wyss und ihr Partner Martin Pfister sind ein sogenanntes binationales Paar.

Aufgrund der Coronakrise wurden die Grenzen geschlossen. Rosmarie Wyss aus Starrkirch-Wil setzt sich dafür ein, dass die Hürden für binationale Paare gelockert werden.

Familien, Paare und Freunde durch einen Zaun voneinander getrennt. Solche Bilder sieht man in den letzten Tagen und Wochen oft. Aufgrund der Coronakrise hat der Bundesrat am 16. März den landesweiten Lockdown bekannt gegeben. Damit einher ging die Schliessung der Grenzen. Seither kann nur noch ein- und ausreisen, wer einen triftigen Grund hat. Besonders von dieser Massnahme betroffen ist das Dreiländereck. Hier, wo die Grenzen zwischen der Schweiz, Deutschland und Frankreich für gewöhnlich unsichtbar sind, sorgen nun Zäune und Absper­rungen für die nötige Distanz. Hier, wo die Städte aber auch die Menschen zusammengewachsen sind, trennt nun die Landesgrenze Familienmitglieder und Liebespaare voneinander.

Davon betroffen ist auch Rosmarie Wyss aus Starrkirch-Wil. Ihr langjähriger Partner Martin Pfister wohnt im deutschen Schopfheim, eine gute Autostunde von Starrkirch-Wil entfernt. Die beiden haben sich kennen gelernt, als sie bereits über 50 Jahre alt waren. Da sei man weniger bereit, sein so­ziales Umfeld und Eigenheim aufzugeben, um zum Partner zu ziehen, erklärt Wyss. «Seit siebeneinhalb Jahren pendle ich regelmässig zu meinem Partner nach Schopfheim. Wir haben so für uns eine gute Form gefunden», erzählt Wyss. Doch mit der aktuellen Situation ist dies nicht mehr möglich. Wyss, die sich zur Zeit der Grenzschliessung bei ihrem Partner in Deutschland aufhielt, beschloss daher, dortzubleiben. «Wir haben uns schon vorher Szenarien überlegt, was wir tun würden, falls sich die Situation verschärfen würde. So war für uns auch klar, dass wir zusammenbleiben wollen und das gemeinsam durchstehen. Also bin ich in Deutschland geblieben.»

Das ist nun über einen Monat her. «Als ich gemerkt habe, dass sich das so lange hinzieht, bin ich nervös geworden. Das hat keiner von uns erwartet», erzählt die Starrkirch-Wilerin. Sie müsse aber nächstens nach Hause, um dringende administrative, geschäftliche und persönliche Angelegenheiten zu regeln. «Rechnungen sind zu zahlen. Letztes Jahr habe ich mich selbstständig gemacht, habe also auch ein Geschäft, zu dem geschaut werden muss. Mein Vater ist im Altersheim. Ich kümmere mich um seine Rechnungen», zählt Wyss auf. Es gäbe so einiges, das erledigt werden müsste. Die Einreise sollte für sie als Schweizerin kein Problem darstellen. Allerdings, so ist sich Wyss bewusst, könnte sie unter den jetzigen Umständen nicht nach Schopfheim zurückkehren, ihr Partner nicht in die Schweiz reisen. Ein Wiedersehen also nicht möglich. «Anfangs hatten wir durchaus Verständnis für die Massnahme. Doch mittlerweile ist die Situation nicht mehr tragbar. Es gibt unzählige Familien und Paare, die sich nicht mehr treffen können. Das geht dabei völlig vergessen», schildert Wyss die Situation.

Petition fordert Regelung für binationale Paare

Aus diesem Grund setzt sich Wyss, ihr Partner Martin Pfister und Tausende weitere Betroffene dafür ein, dass die Hürden für sogenannte binationale Paare und Angehörige des 1. Grades gelockert werden. Zu diesem Zweck wurde eine Petition im Internet gestartet, die sich an die Regierungen von Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz richtet. Die Unterstützer der Petition fordern eine Sonderregelung für enge Familienangehörige und Paare, denn «diese groben Einschnitte in die Persönlichkeitsrechte sind nicht zumutbar und nicht hinnehmbar», wie es in der Petition heisst. Innert wenigen Tagen haben über zehntausend Per­sonen die Petition unterschrieben. Momentan zählt sie über 23'800 Unterstützende (Stand Dienstag Abend 17 Uhr).

Mittlerweile tut sich auch etwas an den Grenzen. Das deutsche Bundesinnenministerium hat Lockerungen zugesagt. So soll der Grenzübertritt zum Besuch der Kernfamilie oder des Partners sowie zum Beistand älterer Familienangehöriger ermöglicht werden. Aus Schweizer Sicht sind solche Zugeständnisse noch ausstehend. Zwar hat der Bundesrat laut der «NZZ am Sonntag» auf den 11. Mai hin auch mögliche Lockerungen beraten, diese betreffen aber vorerst Fachkräfte. Wie der Covid-­19-Verordnung 2 zu entnehmen ist, gelten Ausnahmen bezüglich des Grenzübertritts derzeit in erster Linie nur für den Warenverkehr und Pendler.

Doch Wyss zeigt sich optimistisch. Es gebe ihr Hoffnung, dass einzelne Länder wie beispielsweise Dänemark an ihren Grenzen bereits gewisse Lockerungen eingeführt hätten. Wyss sagt dazu: «Die Grenzen halten das Virus nicht auf.»

Meistgesehen

Artboard 1