Ja, sie erhalte oft ungläubige Rückfragen und ernte komische Blicke, wenn sie von ihrem Hobby, dem Rope Skipping, erzählt. «Viele Leute können sich nichts darunter vorstellen.» Für Lena Münger aus Niedergösgen ist Rope Skipping, was auf Deutsch Seilspringen heisst, aber das normalste der Welt: Seit der zweiten Klasse ist sie Mitglied des Rope-Skipping-Vereins Gösger Speedys. Die 21-Jährige ist seit einem Jahr ausserdem im Leiterteam und vertritt die Equipe im Vorstand des Turnvereins.

Vor 20 Jahren wurden die Gösger Speedys gegründet. Damals machten einige Mitglieder des Turnvereins bei einem Rope-Skipping-Workshop mit und hatten im Anschluss die Idee, in Niedergösgen einen solchen Verein auf die Beine zu stellen. Noch heute sind die Speedys eine Untersektion des Turnvereins Fides. Mittlerweile gibt es fünf Gruppen: Bei den «Flöhen» springen Einsteiger ab sechs Jahren, bei den «Fröschli» Einsteiger ab acht Jahren. Die Gruppe «Kängurus» umfasst die Fortgeschrittenen ab zehn Jahren und «Springmüüs» heisst das Team mit den Profis ab 14 Jahren.

20 Jahre Gösger Speedys Rope Skipping Niedergösgen

20 Jahre Gösger Speedys Rope Skipping Niedergösgen

1999 wurden die Gösger Speedys von Mitgliedern des Niedergösger Turnvereins Fides gegründet. 

«Mädchen und Jungs sind bei uns eigentlich in der gleichen Gruppe, aber weil wir nur drei Buben im Verein haben, fällt das weitgehend weg», erzählt Münger bei einem Training in der Niedergösger Mehrzweckhalle. Sie ist Mitglied der Profi-Gruppe. «Viele denken, Rope Skipping sei ein Mädchensport. Aber Jungs bringen es viel weiter, da sie kräftiger sind und so schneller springen können.» Seit diesem Monat gibt es auch ein Erwachsenen-Team, das sich immer einmal im Monat zum gemeinsamen Hüpfen trifft.

Keine Nachwuchsprobleme

Bei 45 aktiven Mitgliedern scheinen die «Speedys» keine Nachwuchsprobleme zu haben. Dies bestätigt Münger. Voll und ganz erklären kann sie sich die Tatsache aber nicht: «Wir haben in den letzten Jahren viele Ferienpässe durchgeführt, auch in den Nachbardörfern. Vielleicht kommt der Boom daher.» Die meisten Mitglieder stammen aus Niedergösgen, manche auch aus Obergösgen, Erlinsbach oder Suhr.

Das Training bei den «Springmüüs» ist meist gleich aufgebaut: Nach verschiedenen Gruppenübungen folgen einzelne Variationen. Zuerst ist ein Telefonspiel angesagt, bei dem immer ein Teammitglied einen Trick vorzeigt, die Nächste im Kreis macht ihn nach und präsentiert im Anschluss einen eigenen. Leiterin Gina Eichenberger schlägt die gemeinsamen Übungen vor, dafür werden die grossen Seile zur Hand genommen. Anschliessend geht es um gleichzeitiges Hüpfen in einem grossen Kreis. Auf Kommando wechseln die Hüpferinnen das Seil, die Schwingerinnen schwingen weiter. Das dauert so lange, bis alle aufgewärmt sind.

«Bald nehmen die meisten von uns an den Schweizermeisterschaften im Einzel teil, deshalb liegt der Fokus im Moment auf den Einzeltricks», erklärt Münger. Geprobt werden Figuren mit Namen wie «Wheels», «Doubledodge» oder «Frog». Der Frosch zählt bereits zu den schwierigeren Tricks, nur etwa drei der anwesenden elf Springmäuse sind seines mächtig. Oriana Fröhlich und Ramona Schär gehören zu ihnen und zeigen den Frosch vor: ein paar Umdrehungen springen, eine Liegestütze machen und zurück in die Ausgangsposition mit dem Seil wechseln.

Vier Disziplinen

In der Schweiz gibt es zwölf anerkannte Rope-Skipping-Vereine, die an Wettkämpfen teilnehmen. Im Frühling findet jeweils die Schweizermeisterschaft im Einzel statt, im Herbst jene im Team. An jedem Wettkampf gibt es vier Disziplinen: Beginners, Intermediate, Advanced, Erso. Je nach Niveau wird mehr oder weniger von den Teilnehmenden verlangt. Während es in der Disziplin Beginners darum geht, eine vorgegebene Routine bei vorgeschriebener Musik zu hüpfen, wählen die Athleten in der zweithöchsten Disziplin sowohl die Sprungabfolge als auch die Musik selbst. Die Disziplinen sind weiter in verschiedene Alterskategorien unterteilt. Bei den Wettkämpfen wird jeder Trick bewertet: Schwierigkeitsgrad, Ausführung und Kreativität sind dabei unter anderem massgebend.

Lena Münger schätzt an ihrem Sport vor allem die Abwechslung: «Jeder Trick ist anders und individuell veränderbar. Daher wird einem nie langweilig, wie im Fussball, wo es immer nur das Ziel ist, ein Tor zu erzielen.» Gina Eichenberger, die 19-jährige «Springmüüs»-Leiterin pflichtet ihr bei: «Wir sind wie eine grosse Familie.»