Obergösgen
Hochwasserschutz hilft auch der Natur an der Aare

Nach Abschluss des Hochwasserschutzprojekts gab es am Waldgang im Schachen viel Neues zu sehen. Rund 80 Interessierte informierten sich über die getätigten Bauarbeiten und die vielfältigere Ufergestaltung.

Christian von Arx
Drucken
Teilen
Waldgang Bürgergemeinde Obergösgen 17.06.17
6 Bilder
Christoph Diestschi vom Amt für Umwelt erklärt die Bauweise und Funktion der neuen Seitengerinne im Rahmen des Hochwasserschutzes im Obergösger Schachen.
Esther Schweizer, kantonale Amphibienbeauftragte, zeigt lebende Exemplare des Kammmolchs in verschiedenen Stadien.
Die wenigsten Besucher hatten schon lebende Kammmolche in der Natur gesehen, wie sie Esther Schweizer (rechts) am Waldgang zeigen konnte.
Die neugestaltete Mündung des Stegbachs in die Aare soll den Fischaufstieg ermöglichen.
Die neugestaltete Mündung des Stegbachs in die Aare soll den Fischaufstieg ermöglichen.

Waldgang Bürgergemeinde Obergösgen 17.06.17

Christian von Arx

Im Obergösger Schachen gab es, neben dem Bally-Areal in Schönenwerd, die grössten Schäden bei der Hochwasserkatastrophe im Niederamt vom August 2007. Die markante Aareschleife zwischen Obergösgen und Däniken ist denn auch ein zentraler Abschnitt des Hochwasserschutz- und Revitalisierungsprojekts Olten–Aarau. Während in Niedergösgen/Schönenwerd noch intensiv gearbeitet wird, sind die Eingriffe in Obergösgen abgeschlossen.

An ihrem Waldgang liess die Bürgergemeinde Obergösgen den Bürgerinnen und Bürgern die neue Gestaltung durch Fachleute des Kantons erklären. Rund 80 Personen konnte Bürgergemeindepräsident Rolf Spielmann am Start beim Kleinkaliber-Schützenhaus begrüssen, darunter viele Gäste aus Nachbargemeinden und von den Betrieben an der Industriestrasse.

«Wenn Neues geschaffen wird, muss Altes weichen», sagte Christoph Dietschi, stellvertretender Abteilungsleiter Wasserbau im Solothurner Amt für Umwelt. Mehrere neue Seitengerinne sind entstanden, in denen dauernd Wasser fliesst. Einige der neuen Inseln sind auf Dauer angelegt und mit schweren Steinen, fixierten Baumstämmen und Bepflanzung gesichert, andere sind nur Depots von ausgehobenem Sand und werden mit der Zeit vom Fluss abgeschwemmt. «Den Härtetest wird das nächste Hochwasser bringen», so Dietschi. Abteilungsleiter Gabriel Zenklusen erklärte die weitgehend mit vor Ort entnommenem Material gestaltete natürliche Ufersicherung: Totholz, Lebendholz mit Wurzeln und Gebüsch schaffen Kleinstrukturen im Fluss und sorgen für unterschiedliche Strömungsgeschwindigkeiten und Wassertiefen: «Das Ufer soll vielfältig sein, um den Bedürfnissen der verschiedenen Fischarten zu entsprechen.»

Das Bauchfleckenmuster ist bei jedem Kammmolch individuell.

Das Bauchfleckenmuster ist bei jedem Kammmolch individuell.

Christian von Arx

Nur indirekt mit dem Hochwasserschutz zu tun hat die Erneuerung des verlandeten Amphibienlaichgebiets durch den Aushub von zwei Weihern in der Alten Aare (wir berichteten). Im Herbst werden hier die ersten etwa 5 cm grossen Larven des Kammmolchs ausgesetzt, die Esther Schweizer (Erlinsbach SO) aus der Nachkommenschaft von Tieren aus Wolfwil aufgezogen hat. Die kantonale Amphibienbeauftragte zeigte verschiedene Larvenstadien, aber auch je ein ausgewachsenes männliches und weibliches Exemplar von etwa 12 cm Länge. Die Wiederansiedlung des im Schachen einst heimischen Tieres muss über fünf bis sieben Jahre überwacht und begleitet werden, bis sich die Molchpopulation selbst erhalten kann.

Dem Erhalt der Lebensgeister der Waldgänger diente die üppige Bewirtung durch die Bürgergemeinde im neuen Werkhof der Strabag Obergösgen.

Aktuelle Nachrichten