Niedergösgen

Hochwasser und Grundwasser sind jetzt gebannt

Michael Studer (links) und Silvan Büttler (rechts) in einer Wohnung auf der Baustelle.

Michael Studer (links) und Silvan Büttler (rechts) in einer Wohnung auf der Baustelle.

Die Wohnüberbauung «Aareblick» in Niedergösgen hat sich gegen steigende Pegel gewappnet.

Wo heute Spriess an Spriess steht, um die Betondecke bis zur Aushärtung zu stützen, werden in etwas mehr als einem Jahr Autos parkiert sein. Um die 25 Bauarbeiter sind mit der Fertigstellung der Überbauung «Aareblick» beschäftigt. Vier Einheiten mit Eigentums- und Mietwohnungen entstehen auf der Parzelle an der Schachenstrasse.

Die meisten der Eigentumswohnungen haben bereits einen Käufer, bestätigt Michael Studer, Geschäftsleiter der Studer Immobilien Treuhand aus Olten: «80 Prozent der Wohnungen sind verkauft.» Der Bezug soll ab November 2020 möglich sein. Die Mietwohnungen will Studer Anfang nächsten Jahres auf den Markt bringen. «Unser Ziel ist es, dass bis Weihnachten dieses Jahres alle vier Gebäude im Rohbau fertig sind.»

Zwar spürt auch Studer die Veränderungen im Immobiliensektor, sagt aber, man müsse zwischen Kaufen und Mieten unterscheiden. «Kaufen läuft sehr gut, Vermieten wird tendenziell schwieriger.» Seinen Vorteil sieht er, selber in Lostorf aufgewachsen, in der Verwurzelung: «Wir bauen sehr lokal. Wir sind nicht anonyme Investoren, sondern von hier und mit der Region verbunden.»

Grundwasser als bauliche Herausforderung

Im «Aareblick», entworfen von Gautschi Lenzin Schenker Architekten aus Aarau, werden dereinst etwa 70 Personen leben. «Wir haben auf eine gute Durchmischung geachtet, es werden sowohl ältere Ehepaare wie auch junge Familien hier wohnen», sagt Studer.

Eine bauliche Herausforderung ist die Lage direkt an der Aare. Der Bauleiter Silvan Büttler von C2M Architekten und Generalplaner aus Olten zeigt auf Metallrohre, die von der Baustelle zur Aare führen. Aus den Metallrohren fliesst Wasser in den Fluss. Da die Baugrube im Grundwasserbereich liegt, sorgen acht Filterbrunnen mit Pumpen dafür, dass kein Wasser in die Baustelle eindringt. Sechs Meter unter der Aushubsole sind die Pumpen angebracht. Je nach Grundwasserspiegel leiten sie viel oder wenig Wasser in die Aare. Bei Volllast können die Pumpen bis 11'000 Liter Wasser pro Stunde aus der Baugrube schaffen. Über ein Sedimentbecken, wo sich Erdstoffe absenken, gelangt das Wasser anschliessend über Metallrohre zum Aareufer. «Das ist eigentlich Trinkwasser, beste Qualität», erklärt Studer.

Der Baugrund war sehr gut, so das der Aushub schneller voranging als angenommen. Fels kam keiner zum Vorschein, nur Flusskies von der Aare, den man wiederverwenden konnte. Die Bauarbeiten verliefen plangemäss. «Das ‹Worst case-Szenario› wäre gewesen, wenn wir die Baugrube wegen einem starken Unwetter hätten fluten müssen», erklärt Büttler «Dann hätten wir zwar grössere Aufräumungsarbeiten erledigen müssen, Schäden am Gebäude wären aber keine entstanden.»

Um die Gebäude vor Wasser zu schützen, wird das Untergeschoss als eine sogenannte weisse Wanne erstellt. «Die Betonbodenplatten und -wände werden nach Angaben einer Spezialfirma erstellt und müssen mindestens 25 Zentimeter dicke aufweisen, damit die Dichtigkeit gewährleistet bleibt», erklärt Bauleiter Büttler. «Das Treppenhaus wird zusätzlich mit einer Betonverbundfolie ausgeführt, um eine noch höhere Sicherheit zu gewährleisten», erklärt Büttler. Um ein Aare-Hochwasser abzuwehren, wie es in hundert Jahren einmal vorkommen könnte, sichern Spundwände die Westecke der Baugrube während der Bauzeit ab.

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