Jahresrückblick Niederamt
Hier machten ein Gerichtsurteil und ein Spatenstich Schlagzeilen

Bis Ende 2020 ist das Solothurner Niederamt Schauplatz eines Ausbaus der Infrastruktur für den nationalen Ost-West-Bahnverkehr. Ein alter Mordfall in Dulliken und radioaktive Abfälle sorgen für Aufruhr. Diese Geschichten prägten das Jahr 2015.

Christian von Arx
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«Grosser Bahnhof» für den Spatenstich vom 2. Mai in der Wöschnau (v.l.): Regierungsrat Roland Fürst (SO),Gesamtprojektleiter Thomas Schweizer, SBB-Chef Andreas Meyer, Regierungsrat Stephan Attiger (AG).

«Grosser Bahnhof» für den Spatenstich vom 2. Mai in der Wöschnau (v.l.): Regierungsrat Roland Fürst (SO),Gesamtprojektleiter Thomas Schweizer, SBB-Chef Andreas Meyer, Regierungsrat Stephan Attiger (AG).

BRUNO KISSLING
Blick auf den Bauplatz in Wöschnau.

Blick auf den Bauplatz in Wöschnau.

Hansruedi Aeschbacher

Seit der Eröffnung der Bahnlinie Aarau–Olten 1856 gab es nur zwei Bauten, die das Niederamt noch stärker verändert haben: 1913 bis 1917 das Wasserkraftwerk Gösgen mit Stauwehr und Kanal von Winznau bis Niedergösgen, 1975 bis 1979 das Kernkraftwerk Gösgen mit Kühlturm in der Aareschleife zwischen Däniken und Obergösgen.

Endgültiges Urteil 22 Jahre nach der Tat

In der Nacht vom 31. Juli auf den 1. August 1993 wurde ein 80-jähriger Mann in seiner Wohnung nahe dem Bahnhof in Dulliken von Einbrechern mit einer brutalen Knebelung erstickt. Die Täter hatten (vergeblich) gehofft, ein Geldversteck zu finden. 18 Jahre lang lebten sie unerkannt in der Region Olten-Aarau.

Dann veranlassten neue Hinweise die Solothurner Staatsanwaltschaft, das Delikt mit neuen prozessualen Mitteln wie Telefonüberwachung, verdeckte Ermittler, DNA-Proben mit aller Konsequenz aufzuklären. Mit dem Ergebnis, dass im November 2012 ein zum Tatzeitpunkt 30-jähriger Serbe verhaftet wurde.

Das Amtsgericht Olten-Gösgen verurteilte ihn im Mai 2014 wegen Mordes zu acht Jahren Freiheitsstrafe, das Solothurner Obergericht im Januar 2015 und am 15. Oktober das Bundesgericht bestätigten dieses Urteil.

Der Mittäter, der sich 2013 nach Serbien abgesetzt hatte, wurde dort 2014 auf Verlangen der Solothurner Behörden verhaftet und im Juni 2015 wegen Mordes zu fünf Jahren verurteilt; dieses Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Anders auf dem Abschnitt von Däniken bis in die Wöschnau, wo sich täglich 550 Züge auf zwei Gleisen durchzwängen: «Ein Zwischenfall hier – und der Schweizer Bahnverkehr steht still», sagte Verkehrsministerin Doris Leuthard am Spatenstich vom 2. Mai.

Das Nadelöhr wird nun durch den Eppenbergtunnel beseitigt, der die Stammlinie durch Schönenwerd um zwei neue Gleise verdoppelt. Im Vorfeld der Tunnelportale Gretzenbach und Wöschnau braucht es dazu grosse Verzweigungswerke, die zusätzliches Land benötigen.

Klar ist: Der Vierspurausbau wird nicht für das Niederamt realisiert, sondern für den Fernverkehr zwischen Zürich, Bern, Biel und Basel. Dennoch kann die hiesige Bevölkerung nicht nur Nachteile durch den Bau, sondern auch Nutzen durch den Betrieb erwarten: Ab Ende 2020 soll – endlich – ein «anständiger» Halbstundentakt im Regionalverkehr zwischen Olten und Aarau Tatsache werden, wie er in andern Landesteilen längst Standard ist.

In Aarau wird es mehr Verbindungen nach Zürich geben. Für Schönenwerd ist die Umfahrung die Wunschlösung, mit der Hoffnung: Auch die Güterzüge sollen in den Tunnel.

Die Schönenwerder Volleyballer in Fribourg

Die Schönenwerder Volleyballer in Fribourg

Hansruedi Aeschbacher

Konsternation bei den Schönenwerder Volleyballern und ihren zahlreich mitgereisten Fans am 28. März in der St.-Leonhard-Halle in Fribourg. Der erste Titelgewinn in der Vereinsgeschichte war zum Greifen nah, «Schöni» wuchs über sich hinaus und brachte den Favoriten Lausanne an den Rand einer Niederlage.

Im entscheidenden Moment flatterten bei den Schönenwerdern aber die Nerven. Sie konnten drei Matchbälle nicht verwerten und verloren schliesslich bitter im Tiebreak.

Die Einweihung des Gurdwara-Sahib-Tempels

Die Einweihung des Gurdwara-Sahib-Tempels

Hansruedi Aeschbacher

In Anwesenheit des Solothurner Regierungsrats Remo Ankli weihte die Sikh-Gemeinde Schweiz am 19. April ihren neu erbauten Gurdwara-Sahib-Tempel an der Schachenstrasse in Däniken ein.

Mit dem Buddhistischen Zentrum in Gretzenbach, dem Khmer-Kulturzentrum in Walterswil und dem Hindu-Tempel der Tamilen in Trimbach ist das Solothurner Niederamt Standort von vier landesweit bedeutsamen Kultstätten asiatischer Religionen.

Wohl kein Endlager im Niederamt

Aufatmen im Niederamt: Am 30. Januar gab die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) bekannt, dass sie bei der weiteren Standortsuche für geologische Tiefenlager nur noch die zwei Gebiete Jura Ost (Bözberg, Kanton Aargau) und Zürich Nordost (Zürcher Weinland) vertieft untersuchen will.

Damit scheidet das Gebiet Jura-Südfuss (Region Olten–Aarau, mit möglichen Oberflächenanlagen in Däniken) aus der Standortsuche aus. Bis dahin war diese Region von der Nagra als möglicher Standort eines Tiefenlagers für schwach- und mittelaktive Abfälle bezeichnet worden. Aus dem Rennen fallen auch die Regionen Nördlich Lägern (Kantone AG, ZH), Südranden (SH) und Wellenberg (NW, OW).

Bei der Einengung auf die zwei Standorte Jura Ost und Zürich Nordost handelt es sich vorerst um einen Antrag der Nagra, zu dem bis im Frühling 2017 das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) Stellung nehmen muss. Voraussichtlich Ende 2018 wird der Bundesrat über den Antrag der Nagra entscheiden.

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