Schönenwerd
Hier lebt die Brauereikultur auf

Urs Richner zeigt im Zündholzmuseum in Schönenwerd Bier-Artikel aus 50 Jahren Sammelarbeit.

Christian von Arx
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Blick in den Ausstellungsraum von Urs Richners Gastausstellung «Rund ums Bier» im Zündholzmuseum Schönenwerd
18 Bilder
Die erste Bierflasche seiner Sammlung, eine 1-Liter-Bügelflasche der Brauerei Karbacher, Schönenwerd, erhielt Urs Richner als Maurerlehrling bei einem Garagenumbau
Steingut-Humpen verschiedener Schweizer Brauereien – die meisten davon existieren nicht mehr, wie etwa die Brauerei Schlör, Menziken
Mehrere Vitrinen gelten einzelnen Brauerien wie Karbacher (Schönenwerd), Baumberger (Langenthal), Klosterbrauerei (Zofingen), Müllerbräu (Baden) oder Ziegelhof (Liestal)
Rechnung der Zofinger Klosterbrauerei von 1911 für eine Bierlieferung an die alte Post in Brittnau
Zufallsfund von Urs Richners Bruder in einem Tessiner Wald – eines von nur vier italienisch beschrifteten Schildern eines Depots der Basler Actien-Brauerei
Ausstellung Rund ums Bier im Zündholzmuseum Schönenwerd
Lieferschein der Bierbrauerei Joseph Trog in Olten vom 10. März 1845 an den Pintenwirt Lack in Kappel
Hölzernes Bierfass der ehemaligen Brauerei Wädenswil
Handgeschriebene Rechnung und alte Flaschen der Klosterbrauerei Zofingen
Humpen und Reklamebild in der Vitrine der Brauerei Salmen, Rheinfelden
«Fräulein, noch eins!» – sehr gut erhaltene Bügelflaschen und Bierdeckel der ehemaligen Klosterbrauerei Zofingen
Flaschenöffner und Kronkorken verschiedener Brauereien, hinten rechts Zündholzschachteln als Werbeträger
Handgeschriebene Korrespondenz und alte Flaschen der Klosterbrauerei Zofingen
Diese Flaschen sind Zeugen ehemaliger Brauereien, wie der Brauerei Cardinal, Solothurn
Diese Bierflaschen sind teils über 100-jährig. Die ersten Bierflaschen waren nicht aus Glas, sondern aus Ton (Nr. 8, links)
2-Liter-Zwickelbier-Flaschen (links Karbachers Kellerperle) und Aschenbecher der Brauerei Wädenswil
Die Ausstellung «Rund ums Bier» ist im Schweizerischen Zündholzmuseum an der Oltnerstrasse 80 in Schönenwerd zu Gast

Blick in den Ausstellungsraum von Urs Richners Gastausstellung «Rund ums Bier» im Zündholzmuseum Schönenwerd

Bruno Kissling

«Du kannst nicht alles haben», sagt Urs Richner. Wenn der 60-jährige Werkmeister vom Bauamt der Gemeinde Gränichen den Mund auftut, bekommt man erdige Wynentaler Mundart zu hören. Er ist aufgewachsen in Teufenthal, lernte beim Götti in Oberkulm mit den Pferden pflügen, wohnt in Unterkulm und ist Bürger von Gränichen. Präsident der Wanderfreunde Leutwil-Teufenthal-Unterkulm – «Lüüpu, Töifetu, Onderchoum».

Den Blick in die Welt öffnete ihm ein Nachbar. Als Chauffeur bei Möbel-Pfister brachte dieser dem Wynentaler Schulbub Bierdeckel aus der ganzen Schweiz mit. Seither sammelt Urs Richner Bierdeckel. 11'500 Bierdeckel von Schweizer Brauereien hat er in bald 50 Jahren zusammengetragen. Längst ist es Urs Richner, der das von Walter Wenger (Chur) begonnene «Biertellerverzeichnis Schweiz» weiterführt. 13'500 Bierdeckel (oder Bierteller) sind darin abgebildet.

Das heisst: Es gibt immer noch 2000, die Urs Richner nicht hat, obwohl er nach seiner eigenen Einschätzung eine der drei grössten Sammlungen der Schweiz beisammen hat. Man erinnert sich: «Du kannst nicht alles haben.»

Nach den Deckeln die Flaschen

Seine 11'500 Schweizer Bierdeckel sind ohnehin nicht alles. Dazu kommen 65'000 deutsche, 11'000 holländische, 11'000 österreichische, 2000 italienische. Und noch 4000 bis 5000 französische. Waren es in der Schulzeit erst Bierdeckel, kamen in der Lehrzeit die Flaschen hinzu. Davon hat Richner etwa 800. «Alles andere kam später», sagt er noch. Alles andere, das heisst 1000 Biergläser (Stangen und Tulpen), 500 Humpen, 5000 Email-Schilder von Brauereien, Kronkorken, Dosen, Flaschenöffner, und, und, und. «Also, das sind etwa 200 000 Objekte», wirft beim Gespräch Beat Wasser ein, der Direktor des Zündholzmuseums. Richner nickt.

Wie kann ein Mensch in seinem Leben solche Mengen sammeln? Mit der Hilfe eines Beziehungsnetzes. «Mein Hoflieferant war mein verstorbener Onkel Edgar Säuberli», verrät Richner. Der ledige Onkel arbeitete als Mechaniker in der SBB-Werkstätte Chur, kam mit dem Zug in der Schweiz herum und beschaffte dem Neffen ganz gezielt gewünschte Stücke. «Auch viele Kollegen vom Wandern bringen mir Sachen. Wir tauschen aus.»

«Rund ums Bier»

Gastausstellung «Rund ums Bier» von Urs Richner im Schweizerischen Zündholzmuseum in Schönenwerd, Oltnerstrasse 80. Ausstellungsobjekte rund ums Bier von 1850 bis zur Gegenwart.

Öffnungszeiten: Jeweils am 1. und 3. Sonntag im Monat von 10 bis 17 Uhr, Eintritt frei. Bis Ende März, somit noch am 19. Februar, am 5.März und am 19. März. Urs Richner ist jeweils anwesend.

www.zuendholzmuseum.ch

Richner selbst kennt die Sammlerszene, besucht Flohmärkte von Aarberg bis Lugano, nutzt das Internet. Mit Bedauern stellt er fest: «Ricardo stellt heute die Flohmärkte in den Schatten. Die Flohmärkte bedeuteten auch Begegnung, das war schön.»

Urs Richners Gastausstellung im Zündholzmuseum Schönenwerd zeigt einen kleinen Teil seiner Bier-Sammlung. Die Auswahl hat er auf die Region abgestimmt. Neben der Schönenwerder Brauerei Karbacher gelten Vitrinen dem Langenthaler Baumberger Bier, der Klosterbrauerei Zofingen, dem Badener Müller Bräu, Ziegelhof (Liestal) oder Salmen (Rheinfelden).

Richners erste Bierflasche ist zu sehen: Eine 1-Liter-Flasche von Karbacher, ein sehr seltenes Stück. Gefunden hat er sie als Maurerlehrling bei einem Garagenumbau. Eines von nur vier Depot-Schildern «Basler Actien-Bräu» auf Italienisch, ein Glücksfund seines Bruders in einem Wald im Tessin. Einen Bierdeckel «Fräulein, noch eins» der Klosterbrauerei Zofingen, der bisher gar nicht bekannt war, hat Richner während der Ausstellung von Ernst Glanzmann geschenkt bekommen, dem Vizedirektor des Zündholzmuseums. Sammlerglück.

Bei einem Besuch am Sonntag lohnt sich der Gang durch die eigene Dauerausstellung des Museums zur Geschichte des Zündholzes. Bereits ab April folgt für ein Jahr der nächste Gast: «Kässelibeat» Walmer aus Thürnen BL besitzt 1000 der einst von Schweizer Kindern brav gefüllten Bank-Sparkässeli. Sammler sind halt verrückt.

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