Trimbach
Herz, Bauch und offene Ohren – zu Besuch beim öffentlichen Blasmusik-Workshop

Am Montag fand in Trimbach ein unterhaltsamer öffentlicher Blasmusik-Workshop mit Thomas Gansch statt mit 50 Rekruten 70 Hobbymusikantinnen und -musikanten tauschte der Österreicher Anekdoten, Erfahrungen und Wissen aus.

Karin Schmid
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Humorvoll, leidenschaftlich und volksnah: In der Pause und nach dem Workshop nahm sich Thomas Gansch Zeit für Selfies.

Humorvoll, leidenschaftlich und volksnah: In der Pause und nach dem Workshop nahm sich Thomas Gansch Zeit für Selfies.

Bruno Kissling

Neben dem Rekrutenspiel 16-3/2016 kamen am Montag im Trimbacher Mühlemattsaal auch private Blasmusikliebhaber/-innen aus der ganzen Schweiz in einen besonderen Workshopgenuss: Der österreichische Trompeter und Mitbegründer von Mnozil Brass, Thomas Gansch, tauschte am Vormittag mit 50 Rekruten und am Nachmittag mit 70 Hobbymusikantinnen und -musikanten Anekdoten, Erfahrungen und Wissen aus.

In angeregte Gespräche vertieft, merkten die rund 70 Frauen und Männer jeden Alters erst im zweiten Moment, dass der Gaststar bereits unauffällig und leise in den Raum geschlendert war und sich neugierig umgeschaut hatte. Dann brandete begeisterter Applaus auf. «Was mach’ ich mit so vielen Leuten?», scherzte Thomas Gansch. «Wer hat heute schon gespielt? Spielen wir einfach mal ein.»

Die meisten Gäste hatten ihr eigenes Instrument mitgebracht. Vor allem Trompeten und Hörner waren vertreten. «Ihr habt Tuben da?», bemerkte der Österreicher. «Seid ihr falsch?» Egal. Die einzelnen Tuba-Spieler verliehen den Tonleiterübungen eine würzig-tiefe Note. Humorvoll beantwortete Gansch dabei spielend via Instrument und mit Worten die gestellten Fragen. Zum Beispiel zum leichteren Erreichen von tiefen Pedaltönen. «Sie müssen nicht stimmen.

Es ist wichtig, dass die Lippe beginnt zu kribbeln.» Grummelig, dezent schief, vorsichtig klang es von den Plätzen. «Das Einspielen ist das Wichtigste am Ganzen», kommentierte Gansch. «Erst einmal ein Gespür bekommen. Alle müssen sich einspielen – und immer auf sich selbst schauen.» Welches Mundstück soll man verwenden? «Das Mundstück, mit dem man sich wohl fühlt. Ich spiele ein relativ grosses Mundstück, weil ich möglichst viele Klangfarben will. Üben muss ich blöderweise trotzdem.»

Üben, üben, üben ...

Wie lernt man die Musikstücke am besten auswendig? «Es gibt nichts Einfacheres, als auswendig zu spielen: Man muss einfach die Notenblätter wegnehmen, dann macht man’s automatisch», erwiderte Gansch. «Das Wichtigste dabei sind offene Ohren, Herz und Bauch.» Aber: «Jeder hat sein eigenes Konzept. Das Ergebnis muss passen.»

Diese Antwort gab Thomas Gansch auf viele der gestellten Fragen, ob es dabei um Instrumentenzubehör, schwache Auftrittstage oder Lampenfieber ging. «Es hilft, wenn man genug übt. So kann man sich an einem schlechten Tag darauf verlassen, dass man genug Reserven hat.»

Gansch erklärte den Hobby-Musikantinnen und -Musikanten die Eigenheiten, Bedienung und Vorteile der eigens für ihn kreierten Blechblasinstrumente: das Gansch-Horn und die grössere «Killer Queen»-Trompete. Die im Österreicher Musikhaus Schagerl produzierten Instrumente werden von der Berner Musikfirma Zurkinden importiert, die die Schweizer Armee mit Klarinetten beliefert.

Laut Gründer Beat Zurkinden war das Engagement von Thomas Gansch für den Workshop ein Wunsch von Rekrutenspiel-Kommandant Roger Hasler. «Er wollte den Jungen mit diesem Weltstar etwas Besonderes bieten», sagte Zurkinden. Er bezeichnete den gelungenen Workshop als einzigartiges Projekt.

Die Rekruten kamen am Vormittag in den Genuss ihres Workshops. Dessen Verlauf ging laut Gansch «deutlich gebremster» vonstatten. «Es gab stimmungsmässig schon einen Unterschied zwischen Militär und Privatpublikum.»

Der Österreicher zeigte sich am Nachmittag erstaunt über den grossen Publikumsaufmarsch. Er leite selten, «vielleicht zwei Mal pro Jahr», einen solchen Workshop. «Beat Zurkinden hat ihn eingefädelt. Es passte genau.»

Der Oltner Dirigent, Trompeter, Komponist und Musikschulleiter Heinz Schoenenberger zeigte sich beeindruckt und «sehr gerührt» über Ganschs volksnahe Art der Begegnung mit den Teilnehmenden. «Ich bin froh, dass ich gekommen bin.»

Der Dulliker Röbi Wyss, Präsident des Solothurner Blasmusikverbandes, sah eine mit der Erfahrung wachsende Überzeugung bestätigt: «Beim Musizieren hilft nur eines: Üben, üben, üben.»

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