Amtsgericht

Heroin, Marihuana, Crystal Meth, Speed: Angeklagter ist «ein wandelnder Drogenkiosk»

Der Angeklagte hatte unter anderem Crystal Meth bei sich getragen. (Symbolbild)

Der Angeklagte hatte unter anderem Crystal Meth bei sich getragen. (Symbolbild)

Ein 30-jähriger Schweizer musste sich wegen Drogenhandels und mehrfachen Diebstahls verantworten – die Liste der Anschuldigungen ist aber noch länger.

«Es tut mir leid, dass ich während der Verhandlung am Morgen laut wurde», erklärte Armin I.* am Ende der Verhandlung. Tatsächlich erhob der Beschuldigte seine Stimme vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen von gestern Donnerstag zwischenzeitlich ziemlich deutlich.

Die die Liste der Punkte, für welche sich der Angeklagte vor Gericht verantworten muss, ist lang: mehrfache Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz, gewerbsmässiger Diebstahl, mehrfacher Diebstahl, mehrfache Sachbeschädigung, mehrfacher Hausfriedensbruch, Ungehorsam gegen die Polizei, das Wegwerfen von Kleinabfällen, das unberechtigte Verwenden eines Töfflis, zudem ohne Ausweis und der Verstoss gegen das Chemikalien-Gesetz, der Angeklagte hatte unerlaubterweise eine Flasche Chloroform bestellt.

Armin I. erschien mit Fussfesseln, Handschellen und Polizeischutz. Er trug schwarze Hosen, dazu ein schwarz-grünes T-Shirt und Turnschuhe. Für den 30-jährigen Schweizer ist es nicht der erste Gang vors Amtsgericht Olten-Gösgen. Bereits 2013 wurde er wegen Drogenhandels verurteilt.

Um das gleiche Delikt ging es auch gestern: Armin I. soll wiederholt grosse Mengen an Marihuana, Haschisch, Crystal Meth und Speed bei sich getragen haben. Aufgeflogen ist er durch mehrere Razzien am Oltner Ländiweg, die Durchsuchungen bei ihm zu Hause nach sich zogen. Der Angeklagte gab den Besitz und den Konsum von Heroin, Marihuana, Haschisch, Crystal Meth und Speed denn auch zu.

Während der gesamten Verhandlung bestritt er jedoch den Handel der Drogen vehement. «Der ganze Stoff war nur für den Eigenkonsum gedacht», wiederholte er mehrfach. Amtsgerichtspräsident Pierino Orfei schenkte den Aussagen von Armin I. jedoch keinen Glauben: «Können Sie mir sagen, warum Sie wie ein Drogenkiosk herumlaufen, wenn Sie nur Drogen für sich selbst brauchen», hakt er nach. «Ich habe den Stoff manchmal weitergegeben, aber nie verkauft», beteuert der Beschuldigte.

Orfei nimmt ihm die Aussage noch immer nicht ab. Der Grund dafür sind mehrere Hausdurchsuchungen, bei welchen die Polizei grosse Mengen an Abpackmaterial, konkret 700 Minigrip-Säckli, fand, zudem eine Feinwaage. «Die Säckli sind billiger, wenn man sie in grossen Mengen kauft und die Waage brauchte ich zum Überprüfen der gekauften Ware.»

Staatsanwältin Ursina Stocker bestärkte die kritischen Fragen des Amtsgerichtspräsidenten in ihrem Plädoyer: «Die Menge lässt Zweifel an der Richtigkeit der Aussagen des Angeklagten aufkommen.» Oliver Wächter, der amtliche Verteidiger von Armin I. sah den Sachverhalt ganz anders: «Nur weil er seine Ware sauber abpackt, heisst das nicht, dass er sie verkauft.»
8 oder 30 Monate?

Zu den Drogendelikten gesellen sich mehrere Diebstähle. So soll der aus Dulliken stammende Angeklagte in Gretzenbach ein Portemonnaie aus einer Handtasche geklaut haben. Diesen Vorhalt bestreitet Armin I. Alle Anderen, die ihm zu Last gelegt werden, gesteht er ein: Da wäre ein Einbruchdiebstahl in den Aufenthaltsraum der SBB in Olten, ein Einschleichdiebstahl in eine Einstellhalle in Olten, ein Diebstahl im Oltner Aldi und zwei Einbrüche in den Bahnhof-Laden in Hägendorf. Die Frage bleibt: Waren diese Vergehen gewerbsmässig oder nicht?

Staatsanwältin Stocker sagt Ja, weil «es das Ziel des Angeklagten war, möglichst viel an lukrativen Wertsachen wie Zigarette oder Alkohol und Bargeld mitzunehmen». Verteidiger Wächter sagt Nein: «Alle Diebstähle waren spontane Aktionen, die mein Mandant in seiner Dummheit oder im Drogenwahn durchgeführt hat.» Armin I. agierte nicht alleine, sein Mittäter wird jedoch separat beurteilt.

Ursina Stocker verlangte in ihrem Plädoyer eine Verurteilung in allen Punkten. Sie spricht von einer «beachtlichten kriminellen Energie», welche vom Beschuldigten ausgeht. Zudem weist sie darauf hin, dass er keine Reue zeige, dafür widersprüchliche Aussagen von sich gebe. Sie forderte eine Haftstrafe von 30 Monaten.

Oliver Wächter plädierte auf Freispruch in den Punkten des gewerbsmässigen Diebstahls und des Drogenhandels. Für die weiteren Punkte sei sein Mandant schuldig zu sprechen. Zu beachten sei allerdings seine Unzurechnungsfähigkeit, die durch den Drogenkonsum vorhanden sei und die Dauer des bisherigen Verfahrens.

Der Angeklagte sitzt seit 17 Monaten in Untersuchungs, bzw. Sicherheitshaft. Er forderte eine Geldstrafe von 240 Tagessätzen à 30 Franken, was einer Freiheitsstrafe von 8 Monaten auf Bewährung, entspricht.

Während den beiden Plädoyers wirkte der Beschuldigte derart abwesend, dass ihn Pierino Orfei am Schluss fragte, ob er kurz eingenickt sei. Der Angeklagte verneinte und meinte, er sei nachdenklich geworden. Das Urteil wird am 10. August mündlich verkündet.

* Name der Redaktion bekannt.

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