Niederamt
Hausbesuche und Andachten per Telefon: Wie Kirchen versuchen mit Mitgliedern in Kontakt zu bleiben

Die Niederämter Kirchgemeinden suchen nach Wegen, um mit ihren Mitgliedern über die Wintermonate in Kontakt zu bleiben. auf der Suche nach Alternativen

Noël Binetti
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Sivia Meier zu Besuch bei Alvin Berger aus Schönenwerd. Er ist Mitglied der Kirchgemeinde und wurde kürzlich 89 Jahre alt.

Sivia Meier zu Besuch bei Alvin Berger aus Schönenwerd. Er ist Mitglied der Kirchgemeinde und wurde kürzlich 89 Jahre alt.

Bruno Kissling

Gespräche führen, sich um das seelische Wohl der Menschen kümmern oder Anlässe mit Musik und Begegnung organisieren: Damit die Kirche ihre Aufgaben trotz der geltenden Schutzmassnahmen und Einschränkungen wahrnehmen kann, muss sie sich Alternativen einfallen lassen.

Weil die Besucherzahlen von regulären Gottesdiensten in den letzten Jahren ständig zurückgingen, werden diese unter Einhaltung der Abstände weiterhin in den Kirchen durchgeführt. Wie die Anfrage bei verschiedenen Kirchgemeinden zeigt, findet sich auch für einige andere Angebote eine Lösung. Weil zwei Drittel der Kirchgängerinnen und Kirchgänger im fortgeschrittenen Alter sind, gestaltet sich ein mögliches Ausweichen auf digitale Kanäle aber schwierig.

Christkatholische Kirche mit «Telefonkette»

«Wir haben bereits bei der ersten Welle im Frühling eine Telefonkette aufgebaut. Mehrere Personen von der Kirchgemeinde sind so für die Mitglieder erreichbar.» Das sagt Silvia Meier, sie ist Präsidentin der Christkatholischen Kirchgemeinde Schönenwerd-Niedergösgen. «Dieses Angebot funktioniert gut und in beide Richtungen.» So würden Menschen erreicht, die alleinstehend, verwitwet oder krank zu Hause seien. «Wir können so fragen, wie es ihnen ergeht und ob sie weitere Unterstützung benötigen.» Die angerufenen Personen würden sich darüber freuen. «Oft entwickelt sich ein Vertrauensverhältnis.»

In der christkatholischen Kirche werden weiterhin Gottesdienste durchgeführt. Antje Kirchhofer, neue Pfarrerin in der christkatholischen Kirche Schönenwerd Christkatholiken

In der christkatholischen Kirche werden weiterhin Gottesdienste durchgeführt. Antje Kirchhofer, neue Pfarrerin in der christkatholischen Kirche Schönenwerd Christkatholiken

Bruno Kissling

Die Pfarrerin und andere Helferinnen und Helfer der Kirchgemeinde machen auf Wunsch hin und bei Geburtstagen oder Jubiläen Hausbesuche. Die Kirchgemeinde hat rund 150 Mitglieder. Die Gottesdienste werden nach wie vor durchgeführt. «Dafür ist in der Stiftskirche genügend Platz vorhanden, nur jede zweite Bankreihe wird besetzt», sagt Meier.

Für die Sonntagsgottesdienste im Advent besteht bereits eine Idee: «Wir möchten die Besucherinnen und Besucher jeweils mit einem kleinen Konzert nach der Predigt erfreuen.» Da es aktuell wegen der Einschränkungen kein Kirchen-Café gibt, hätten die Leute da die Möglichkeit, noch länger sitzen zu bleiben, um die Musik zu geniessen.

Bisher war aufgrund der Besucherzahlen keine Anmeldung nötig. Doch im Hinblick auf Weihnachten müsse man sich etwas überlegen, sagt Meier. «Wir können uns zwei Gruppen vorstellen, eine Feier um 17 und eine um 19Uhr.» Man müsse jetzt abwarten und zusehen, wie sich die Lage weiter entwickle.

Evangelisch-reformierte Gottesdienste finden statt

Therese Grütter ist Kirchgemeindeschreiberin im Evangelisch-reformierten Pfarramt Däniken-Gretzenbach. Sie sagt: Gottesdienste, bei denen die Auflagen eingehalten werden könnten, würden durchgeführt. «Es besteht aber kein Spielraum mehr, andere Angebote leiden unter den Massnahmen.» Darum sei man auf der Suche nach Alternativen, um die Angehörigen der Kirchgemeinde zu erreichen. «Für spezielle Anlässe – wie beispielsweise die Weihnachtsfeier – suchen wir noch nach der geeigneten Form.»

Der alljährliche Chor darf nicht auftreten und auch das Krippenspiel wird anders ausfallen als sonst. «Wir überlegen uns, dieses aufzuzeichnen und an mehreren Terminen als Video abzuspielen.» Im Moment sei aber noch nichts entschieden und man tüftle noch am Konzept. Was sicher ist: In der Kirche soll es einen grossen Weihnachtsbaum mit Kerzenlicht geben. Allenfalls werde man Musik abspielen. So könnten die Leute für einen Moment der Ruhe gestaffelt in die Kirche eintreten. Soweit möglich wolle man auf Anmeldungen verzichten. «Wir hoffen ganz fest, dass Gottesdienste in der Weihnachtszeit nicht komplett untersagt werden.»

Die Erwachsenenbildung wurde auf nächstes Jahr verschoben, andere Anlässe wurden abgesagt. Auch die geplanten Kinderaktivitäten sind betroffen: «Wir überlegen uns, ob wir für sie eine Weihnacht im Freien organisieren können.» Grütter erlebte bereits erste Rückmeldungen auf die Absagen: «Wenn ich Leute aus der Kirchgemeinde auf der Strasse treffe, bedauern sie die Einschränkungen.» Für viele von ihnen, vor allem für ältere Menschen, zählten die Begegnungen in der Kirchgemeinde zu den wichtigsten sozialen Kontakten.

Katholisches Krippenspiel soll aufgeführt werden

Auch die Römisch-katholischen Kirchgemeinden Gretzenbach-Däniken, Schönenwerd und Walterswil, die in einem Zweckverband den Pastoralraum Niederamt bilden, sind von den geltenden Massnahmen betroffen. Eva Wegmüller ist Leitungsassistentin des Pastoralraums. Sie sagt: «Bei uns ist der kreative Prozess noch im Gang.» Die Krippenspiele in gewohnter Form könnten dieses Jahr nicht durchgeführt werden. Es sei aber noch zu früh für Entscheidungen. «Es ist der Wunsch des Pastoralraums, ein Weihnächtliches Programm auf die Beine zu stellen – wenn die Regelung mit 30 erlaubten Besuchern bestehen bleibt.»

An Allerheiligen – einem wichtigen katholischen Feiertag – wurde das Programm annulliert. Die Zeit reichte nicht für eine Umsetzung der Massnahmen. «Aktuell müssen sich die Besucher bei uns anmelden», sagt Wegmüller. Wenn wir bemerken, dass in einer der Kirchen die erlaubten 30 Plätze belegt sind, können wir die Leute an einen noch weniger besuchten Ort verweisen.» Die in der Seelsorge tätigen Personen seien, wie auch vor der Krise, stets erreichbar. «Wenn jemand das wünscht, besuchen wir die Leute auch zu Hause.»

Es gibt Überlegungen im Pastoralraum, eine Telefonandacht auf Tonband aufzunehmen, ähnlich dem Wetterdienst. Diese wäre dann per Telefon abrufbar. «Wir schauen, wie wir das realisieren können.» Weiterlaufen würden unter Einhaltung der Verordnungen bisher auch die Angebote für Jugendliche. Die Räume der Kirchgemeinde werden aktuell nicht vermietet. Davon sind auch die eigenen Vereine betroffen. Auch geplante Termine zum Kerzenziehen fallen wahrscheinlich ins Wasser.