Däniken/Dulliken

Hat der Munitionshersteller die finanzielle Krise überwunden?

Der Munitionshersteller Saltech AG hat seinen Sitz in Däniken. Seit einigen Jahren ist die Firma auf Wachstumskurs.

Trotz finanzieller Probleme schreibt die Saltech AG mit Sitz in Däniken derzeit mehrere Stellen aus. Das Unternehmen befindet sich momentan in der definitiven Nachlassstundung. Doch was bedeutet das?

Sie produziert Panzer-Sprengpatronen für Maschinengewehre und liefert diese der Schweizer Armee. Es handelt sich um einen Auftrag im Wert von über 100 Millionen Franken. Ihre Produktionshallen in Däniken sind von einem hohen mit Stacheldraht bestücktem Zaun umgeben. Dahinter spuckt das Kernkraftwerk Gösgen seinen Wasserdampf in die Luft.

Die Ruhe rings um den Firmenstandort trügt jedoch: Bei der Saltech AG mit ihrem Hauptsitz in Däniken und weiteren Liegenschaften in Dulliken kriselt es. Die Munitionsfabrik hat finanzielle Probleme.

Amtsgericht bewilligt Nachlassstundung

Seit Anfang Dezember 2018 befindet sich das Schweizer Unternehmen in der provisorischen Nachlassstundung. Anfang April 2019 hat das Amtsgericht Olten-Gösgen nun die definitive Nachlassstundung bewilligt.

Fritz Rothenbühler, der als Sachwalter eingesetzt wurde, erklärt auf Anfrage dieser Zeitung, dass die Firma im vergangenen Jahr vor allem aus zwei Gründen in finanzielle Schieflage geraten sei: «Erstens traten bei der Abnahme eines wichtigen Produktes aufgrund technischer Probleme Verzögerungen auf. Zweitens geriet ein französisches Unternehmen, bei dem die Saltech AG verschiedene Produktionsmaschinen bestellt hatte, in Insolvenz», so Rothenbühler, er ist Anwalt bei Wenger Plattner in Bern.

Dadurch hätten diese Maschinen nicht geliefert werden können, «obwohl erhebliche Anzahlungen geleistet worden waren». Diese beiden Ereignisse seien gleichzeitig aufgetreten und hätten sich dadurch umso stärker ausgewirkt. Rothenbühler: «Sie führten zu einer akuten Liquiditätskrise.»

Laufende Kosten seien gedeckt

Der Saltech AG ist es laut dem Sachwalter nun während der provisorischen Nachlassstundung gelungen, «die Produkteabnahmen vorzunehmen und regelmässige Auslieferungen an wichtige Kunden zu machen». Dadurch habe die Situation der Firma stabilisiert werden können. Die laufenden Kosten seien gedeckt.

Aufgrund des erheblichen Auftragsvolumens habe das Amtsgericht schliesslich Anfang April entschieden, die definitive Stundung von sechs Monaten zu gewähren. «Damit können der Betrieb weitergeführt und die Sanierungs- und Restrukturierungsbemühungen geprüft werden», so Rothenbühler.

Kein Abbau der Belegschaft nötig

Ein Blick auf die Website der Saltech AG zeigt: Das Unternehmen blickt bereits in die Zukunft. Gleich acht Jobs sind ausgeschrieben — vom Betriebsmechaniker über Produktionsmitarbeitende bis hin zu Mitarbeitenden im Reinigungsdienst. Verliessen etwa mehrere Angestellte die Saltech AG aufgrund der finanziellen Schwierigkeiten? Sachwalter Rothenbühler verneint: «Da es eine normale Fluktuation gab, sind derzeit einige Stellen ausgeschrieben. Denn da der Betrieb voll ausgelastet ist, braucht es Verstärkung, um den Lieferrhythmus beibehalten zu können.»

Ausserdem betont der Anwalt, der bereits mehrmals als Sachwalter in Erscheinung getreten ist, dass keine Angestellten hätten entlassen werden müssen. «Im Gegenteil: Die Mitarbeitenden sind alle vollkommen ausgelastet. Ein Abbau der Belegschaft ist nicht nötig», so Rothenbühler. Der Betrieb der Saltech AG sei also gut unterwegs, wie der Sachwalter betont.

Armasuisse steht hinter Saltech AG

Die Däniker Firma machte in den vergangenen Jahren öfters Schlagzeilen: Seit fast zehn Jahren befindet sich das Unternehmen auf Wachstumskurs. Damals kaufte die Saltech AG von der Gemeinde Däniken ein über 23'000 Quadratmetern grosses Grundstück. Darauf befindet sich der Neubau.

Die Schweizer Armee ist seit längerer Zeit Hauptkundin des Unternehmens. Ausserdem liefert die Saltech AG Munition an Polizeikorps in der Schweiz und an Armeen europäischer Staaten. 2017 erhielt die Niederämter Firma dann den Grossauftrag von Armasuisse, dem Rüstungsbeschaffer der Schweizer Armee. Das sorgte für Diskussionen: Schliesslich arbeitete Saltech-Präsident Andreas Stauffer früher für Armasuisse. Ausserdem soll er mit dem jetzigen Chef des Rüstungsbeschaffers, Martin Sonderegger, befreundet sein.

Ein Sprecher von Armasuisse sagte Ende Januar zu dieser Zeitung: Es sei kein Thema, der Saltech AG den Auftrag über 100 Millionen Franken zu entziehen. Die Ablieferungen würden in der geforderten Qualität erfolgen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1