Walterswil

«Halbschatten» über der Sonne – Unentschieden bei der Abstimmung über Kauf oder Nichtkauf

Die «Sonne» kaufen? Die Walterswiler Gemeindeversammlung konnte sich nicht klar entscheiden.

Die «Sonne» kaufen? Die Walterswiler Gemeindeversammlung konnte sich nicht klar entscheiden.

Die Konsultativabstimmung zum Kauf des Restaurants Sonne endet an der Gemeindeversammlung von Walterswil mit 16:16 Stimmen ausgerechnet unentschieden. Damit gibt der Souverän keine klare Meinung ab und der Ball ist zurück beim Gemeinderat.

Eines zeigte sich am Donnerstagabend im Walterswiler Gemeindesaal ganz deutlich: Die Meinungen im Dorf ennet dem Engelberg sind gespalten. Exakt 16 Stimmberechtigte sprachen sich für weitere Abklärungen bezüglich eines möglichen Kaufs der Sonne-Bar aus. Und exakt 16 dagegen. Drei Personen enthielten sich ihrer Stimme.

Damit wurde das absolute Mehr von 18 Stimmen verpasst und das weitere Vorgehen bleibt vorerst unklar. Konkret ging es bei der Abstimmung nicht um einen Kauf des Objekts, sondern lediglich darum, das weitere Vorgehen in diesem Fall zu bestimmen. Hätte das Walterswiler Stimmvolk Nein gesagt, wäre der Kauf endgültig vom Tisch.

Von der Beichte ins Puff

Von der Beichte ins Puff

Damit sich die Einwohnerschaft ein Bild der Situation machen kann, legte Gemeindepräsidentin Marie-Louise Wilhelm-Merz «die Zahlen und Fakten auf den Tisch»: Die Liegenschaft an der Rothackerstrasse wird zurzeit für einen Preis von 700 000 Franken zum Kauf angeboten.

Ein unabhängiger Gutachter attestierte dem Objekt nach einer Begehung im Februar jedoch bloss einen Wert von 459 000 Franken im schlechtesten, 518 000 Franken im besten Fall. Er begründete seine Entscheidung unter anderem mit «der suboptimalen Raumaufteilung und fehlenden sanitären Anlagen». Die Liegenschaft beinhaltet eine Bar und zwei Wohnungen, verteilt auf eine Fläche von 1495 Quadratmetern. Dazu gehört auch ein Anteil am angrenzenden Sonnenweg.

Dorfkern versus Finanzen

«Für einen Kauf spricht die Erhaltung des Dorfkerns», erklärte die Gemeindepräsidentin den anwesenden Stimmberechtigten und lieferte sogleich auch die Argumente der Gegenseite: «Dagegen spricht unsere derzeitige finanzielle Situation. Mit dem Kredit für einen neuen Zonenplan und dem Ausbau des Alterszentrums in Safenwil kommen in den nächsten Jahren grosse finanzielle Verpflichtungen auf uns zu.»

Ideen, wie die ehemalige Sonne-Bar bei einem Kauf dereinst genutzt werden könnte, sind vorhanden: Eine Nutzung als Unterkunft für asylsuchende Familien oder als Werkhof sei denkbar. Aufgrund der im Frühling verhängten Planungszone kann jedoch in den nächsten drei Jahren baulich nichts verändert werden.

Intensive Diskussionen

«Unsere derzeitige finanzielle Situation lässt einen Kauf im Moment nicht zu», mit diesen Worten schloss die Gemeindepräsidentin ihre Ausführungen ab und überliess den Stimmberechtigten das Wort. «Bei unserer schlechten Rechnung vom vergangenen Jahr erscheint mir diese Diskussion absolut unverständlich», meinte eine Anwesende. Eine andere pflichtete ihr bei: «Ein Kauf macht keinen Sinn.» Eine weitere Stimmberechtigte fand die Idee mit der Unterbringung einer asylsuchenden Familie zwar gut, wies aber darauf hin, dass die Gemeinde bei einer neuerlichen Flüchtlingswelle nicht wählen könne, ob sie eine Familie oder alleinstehende Männer unterbringen muss.

Es meldeten sich auch Stimmen, die sich für einen möglichen Kauf aussprachen: «Wir überleben den Betrag, die Zinsen sind tief», hiess es. Oder: «Für einen Investor ist die Summe nicht so gross, das Bankgeld ist günstig, das Bauland schön.» Ein weiterer Anwesender wies auf die intakte Dorfkernzone hin, die es unbedingt zu erhalten gelte.

Nach der intensiven Diskussion kam das Abstimmungsresultat von 16 gegen 16 Stimmen bei drei Enthaltungen zustande. Das heisst: 16 Stimmberechtigte möchten die Liegenschaft definitiv nicht kaufen, und 16 Stimmberechtigte möchten den Kauf zumindest weiterverfolgen – allerdings nicht zu diesem Preis, wie der allgemeine Tenor nach der Abstimmung lautete. Vor einem möglichen Kauf müsse auch erst die Verwendung geklärt werden, bemerkten mehrere Anwesende.

Rechnung nur Nebenschauplatz

Die Rechnung 2016 geriet ob der Diskussion um die Sonne-Bar in den Hintergrund. Und dies obwohl die Gemeinde die Rechnung 2016, einige Stimmberechtigte hatten es in der Diskussion um die Sonne-Bar erwähnt, mit einem saftigen Minus von 709 623 Franken abschliesst (Zahlen siehe Tabelle). Budgetiert war ein Minus von lediglich 60 730 Franken. Finanzverwalter Bernhard Hänni begründete die Differenz zwischen Budget und Rechnung mit nachträglichen Steuerbereinigungen von juristischen Personen aus den Jahren 2011 bis 2015.

Rechnung Walterswil SO

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