Am vorletzten Wochenende wurden in Starrkirch-Wil Sachbeschädigungen auf dem Friedhof festgestellt. Diverse Blumenstöcke, Blumen und Blumenschalen wurden umgeworfen oder zum Teil ganz woanders hingeworfen.

Die Schäden entstanden hauptsächlich in der Nacht von Sonntag auf Montag und von Montag auf Dienstag. Im Lauf der vergangenen Woche ging es weiter: In der Nacht auf Freitag kam es erneut zu Sachbeschädigungen.

«Poké-Stop» bei der Kirche

Laut Gemeindeverwalter Beat Gradwohl könnten die Vorkommnisse in Zusammenhang mit dem Spiel «Pokémon Go» stehen, um welches in den letzten Wochen ein Hype ausgebrochen ist. «Jemand hat mir den Hinweis gegeben, dass auf dem Friedhof Starrkirch-Wil ein ‹Poké-Stop› eingerichtet ist», so Gradwohl.

Ein «Poké-Stop» ist eine Art Aufladestation im Handy-Game, wo die Spieler verschiedene virtuelle Gegenstände erhalten, darunter Poké-Bälle, mit denen sich neue Pokémon-Monster fangen lassen. Deshalb ziehen solche Punkte die Spieler an. Solche «Poké-Stops» befinden sich oft an zentralen Orten. Das Spiel orientiert sich bei der Platzierung an Google Maps und somit an besonderen Gebäuden und Merkmalen in der Umgebung.

Tatsächlich zeigt ein Augenschein vor Ort bei der Kirche in Starrkirch-Wil einen «Poké-Stop» an. Die «Poké-Stops» alleine reichen aber nicht, um die Spieler zum Bleiben zu bewegen. Vielmehr werden dann auch sogenannte Lockmodule platziert, welche die Monster anlocken.

Wie die Sachbeschädigungen mit dem Spiel direkt zusammenhängen könnten, weiss Gradwohl nicht. Es liege wohl eher daran, dass sich die Spieler deswegen lange an diesem Ort aufhielten und dann vielleicht auf dumme Ideen kämen.

«Bei Friedhöfen ist unpassend»

Der Oltner Jan Häfliger, selbst passionierter Spieler und Gründer der Facebook-Gruppe «Pokémon Go Olten», ist darüber erstaunt, dass die Sachbeschädigungen mit dem Spiel in Verbindung gebracht werden. «Ich erlebe die Spieler als sehr friedliche Menschen und habe noch von keinen Vorfällen dieser Art im Zusammenhang mit dem Spiel gehört.»

Höchstens Littering könne vorkommen. In der schweizweiten Facebook-Gruppe von «Pokémon Go» hätten mehrere Leute gepostet, dass sie es unpassend fänden, bei Friedhöfen zu spielen. «Aber es gibt wohl immer ein paar Trottel.»

Doch das sind im Fall Starrkirch-Wil bloss Mutmassungen. Häfliger stört sich daran, dass sich zurzeit bei vielen Vorkommnissen die Aufmerksamkeit auf das beliebte Smartphone-Spiel richtet: «Wegen des grossen Hypes um das Spiel wird manchmal auch einfach alle Schuld ihm zugeschoben.» Nur weil beim Friedhof ein «Poké-Stop» eingerichtet sei, heisse das nicht, dass hinter den Sachbeschädigungen Spieler stecken.

Er spricht auch Verkehrsunfälle und andere Vorkommnisse an, die passieren, wenn Leute nicht auf ihre Umgebung achten – seiner Meinung nach ein allgemeines Problem. «Ob jetzt Pokémon Go oder Facebook: Viele haben doch heute das Smartphone sowieso immer vor den Augen.»

Polizeikontrollen am Wochenende

Für die Gemeinde sind die Vorfälle störend. Gradwohl zeigt wenig Verständnis für «Poké-Stops» auf dem Friedhof. Über die Website der Entwicklerfirma Niantic sendete er eine Anfrage, den «Poké-Stop» vom Friedhof in Starrkirch-Wil zu entfernen. Zudem richtete die Gemeinde eine Anfrage an die Polizei, das Areal des Friedhofs übers Wochenende gelegentlich zu kontrollieren.