Gemeindefusion Rohr/Stüsslingen
Gutes Finale mit hoher Beteiligung: Rohrs letzte Gemeindeversammlung

Am Montag fand in Rohr die letzte Gemeindeversammlung statt – unter rekordverdächtiger Beteiligung.

Fabio Baranzini
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Aufgeräumte Stimmung an der letzten Gemeindeversammlung in Rohr; rechts Gemeindepräsident André Wyss.

Aufgeräumte Stimmung an der letzten Gemeindeversammlung in Rohr; rechts Gemeindepräsident André Wyss.

Fabio Baranzini

Von den knapp 100 Bewohnerinnen und Bewohnern der Gemeinde Rohr fanden am Montagabend deren 18 den Weg ins Schulhaus. Dort, im ersten Stock des Gebäudes, ging an jenem Abend die Gemeindeversammlung über die Bühne. Und zwar die letzte in der Dorfgeschichte. Oder wie es Gemeindepräsident André Wyss sagte, «die wahrscheinlich letzte». Denn: «Theoretisch könnte es ja noch eine ausserordentliche Gemeindeversammlung geben.»

Ab dem 1. Januar gehört Rohr zu Stüsslingen. Die Rohrerinnen und Rohrer hatten der Gemeindefusion zu Beginn dieses Jahres zugestimmt. Und das mehr als deutlich. Alle, die an jenem Tag ihre Stimme abgegeben hatten, legten ein «Ja» in die Urne. Damit war auch klar, dass am Montag die letzte offizielle Gemeindeversammlung von Rohr stattfand. Trotz Corona war der Raum mit den 18 Stimmberechtigten, sowie Gemeindepräsident André Wyss und Gemeindeschreiberin Daniela Eugster gut gefüllt. «Es hat mehr Leute als sonst», fand denn auch eine Rohrerin in der ersten Reihe. «Das ist ja auch gut so, schliesslich ist es das letzte Mal», so ihre Nachbarin.

Zum Finale ein gutes Ergebnis

So spektakulär die Anzahl der anwesenden Stimmbürgerinnen und Stimmbürger für Rohrer Verhältnisse auch war – in den vergangenen Jahren waren jeweils nur etwa halb so viele Personen anwesend – so ruhig und geordnet verlief die letzte Versammlung. André Wyss führte durch die Rechnung. Geduldig erläuterte er die einzelnen Punkte. Von den Spesen des Gemeinderates über die Druckkosten der Verwaltung bis hin zum Seniorenessen und der Sanierung der Kapellen-Treppe.

Dank des Verkaufs der Eniwa-Aktien (knapp 54'000 Franken Gewinn) und weiterer Einsparungen konnte André Wyss einen Ertragsüberschuss von 88'661 Franken präsentieren. Jeweils die Hälfte des Gewinns aus dem Aktienverkauf geht in den Kapellenfonds und in den Kulturfonds. «Die Stüsslinger können sich auf uns freuen. Wir haben sehr positive Zahlen», kommentierte Wyss mit einem Augenzwinkern. Die Rechnung wie auch die Investitionsrechnung und die Bilanz wurden einstimmig durchgewinkt.

Auch bei den anderen Traktanden gab es kaum Diskussionen. Die Rechnung der Forstbetriebsgemeinschaft Niederamt wurde gutgeheissen, der Auftrag zur Erstellung einer Gefahrenkarte wurde erteilt und die Installation eines automatischen Glockengeläuts in der Kapelle wurden ebenfalls bewilligt. In den letzten Jahren schwiegen die Glocken dort, was den Bewohnern missfiel. Dank des automatischen Geläuts sollen die Glocken nun schon bald wieder zwei Mal am Tag erklingen.

Zum Schluss informierte Wyss noch über den Stand der Fusion mit Stüsslingen. «Wir sind auf Kurs. Alles, was wir vorbereiten konnten, haben wir erledigt. Nun gilt es noch die Reglemente anzupassen und das gemeinsame Budget zu erarbeiten, das am 12. Dezember präsentiert wird.»

Nach etwas mehr als einer Stunde endete die letzte Gemeindeversammlung von Rohr unter Applaus. Die Anwesenden gingen zum Apéro über. Zopf, Chips, Cola, Bier, Wasser und Wein gabs zur Feier des Tages. «Es war schon eine spezielle Versammlung. Aber dass es die letzte war, habe ich noch nicht richtig realisiert», sagt Wyss, der – sollte er die Wiederwahl in den Kantonsrat schaffen – auch nach der Fusion als Gemeinderat tätig bleiben möchte. Dann aber in Stüsslingen und nicht mehr in Rohr.