Standort
«Grosser Verlust für den Kanton»: Auszug von Wernli aus Trimbach kommt unerwartet

Niemand in der Region Olten hat vorausgesehen, dass Hug den Standort von Wernli in Trimbach aufgeben würde. Auch für den Kanton kommt der Entscheid überraschend.

Christian von Arx
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Wernli produziert bis in vier Jahren nicht mehr in Trimbach.

Wernli produziert bis in vier Jahren nicht mehr in Trimbach.

Bruno Kissling

Die Wernli-Fabrik in Trimbach soll bis 2020/21 nach Malters verlegt werden. Dort will Eigentümerin Hug AG eines der modernsten Backwaren-Produktionszentren der Schweiz schaffen.

«Es ist schade, sehr schade, dass Wernli von Trimbach wegzieht», bedauert der Ende September abtretende Gemeindepräsident Karl Tanner, «denn Wernli und Trimbach sind eng verbunden.» Der Entscheid komme unerwartet, weil Hug am Standort Trimbach in den letzten Jahren erhebliche Investitionen tätigte. Dennoch sei der Entscheid nicht unverständlich: «Die Wernli-Fabrik ist umgeben von einem Wohngebiet. Hug konnte hier nicht ausbauen, weil sie über keine Landreserven verfügten. Und sie hatten in Trimbach keine Lagerkapazitäten, was einen grossen Logistikaufwand nach sich zog.»

Der Sozialdemokrat Tanner hält Hug zugute, dass sich die Firma auch mit der Konzentration in Malters zum Produktionsstandort Schweiz bekenne und nicht aus Kostengründen ins Ausland ziehe. Nach Tanners Informationen beabsichtigt Hug, das Wernli-Areal zu verkaufen. «Trimbach beginnt gerade mit der Ortsplanungsrevision, da wird dieses Areal ein Thema sein.» Dabei sollten auch andere Nutzungen als die bisherige ermöglicht werden, beispielsweise Wohnungen. Und: «Immer wenn ich Wernli-Guetzli esse, werde ich daran denken, dass sie aus Trimbach stammen.»

«Sehr überraschend» kommt der Entscheid von Hug auch für Urs Blaser, den Leiter der Wirtschaftsförderung Region Olten. Obwohl die Firma sehr gut ins regionale Beziehungsnetz eingebettet gewesen sei, habe er keinerlei Anzeichen für eine Aufgabe des Standorts erkennen können. «Ich bin erstaunt, das ist ein sehr harter Schlag.» Für die Region bedauert Blaser den Entscheid in dreierlei Hinsicht: «Verlust von Arbeitsplätzen; Verlust eines traditionellen Brands, einer für die Positionierung des Standorts wichtigen Marke; Verlust von Branchenkompetenz in der Lebensmitteltechnologie.» Immerhin sei der Entscheid Ausdruck einer weit in die Zukunft gerichteten strategischen Ausrichtung. Eine Aufgabe für die Wirtschaftsförderung sieht Blaser in der Suche nach einer guten Nachfolgelösung für das Areal.

Wernli-Fabrik in Trimbach
9 Bilder
In diesem Gebäude befindet sich die Produktion
Produkte, welche von der Wernli hergestellt werden.
Und mit solchen Lastern werden sie zu den Kunden gebracht
Die Capucine-Guetzli laufen übers Band
Hier werden die Guetzli abgepackt
Sie führen die Hug AG, deren Tochterunternehmen die Wernli AG ist: Die Gebrüder Werner und Andreas Hug

Wernli-Fabrik in Trimbach

Keystone

Auch Jonas Motschi, Chef des kantonalen Amts für Wirtschaft und Arbeit (AWA), hatte bis letzte Woche keine Anzeichen für einen Auszug von Wernli aus Trimbach. Dass Hug ihre zwei Produktionsstandorte zusammenführen will, sei grundsätzlich verständlich. Motschi erinnerte daran, dass es nach Glas Trösch und Velux in kurzer Zeit der dritte Verlust einer bekannten Firma sei – «das ist ein grosser Verlust für die Gemeinde und auch für den Kanton Solothurn».

Der Kanton werde mithelfen, dass Trimbach die Chance nutzen könne, nach dem Auszug von Wernli ein zentral gelegenes Gebiet im Ort zu entwickeln.