Auf der ganzen Welt finden dieses Jahr Aufführungen und Inszenierungen zu William Shakespeares vierhundertstem Todestag statt. Auch die Schloss-Spiele Falkenstein nahmen sich der Aufgabe an, eines der bekanntesten Stücke des grossen Dramatikers auf die Bühne zu bringen: Die Geschichte von Romeo und seiner Julia. Die Premiere des eigens ins Schweizerdeutsch übersetzten Stücks am Donnerstagabend füllte die Zuschauerränge bis auf den letzten Platz.

Geladene Gäste aus den umliegenden Gemeinden und aus dem ganzen Kanton waren anwesend, unter anderem Solothurns Stadtpräsident Kurt Fluri. Nach dem Begrüssungsapéro in der Theaterbeiz ertönte schon bald der Gong aus dem abgetrennten Bühnenbereich, welcher die Zuschauer einlud, sich auf ihre Plätze zu begeben. Gegen Gänsehaut und schlotternde Knie bei den relativ frischen Temperaturen gabs schwere Militärdecken.

Zwei Häuser in Verona

Warm eingepackt wartete das Publikum nun gespannt auf die Vorstellung. Auf der Bühne war noch nichts auszumachen, der Schlosshof präsentierte sich ganz ohne Bühnenbild, mit Brunnen und Treppe, hinten abgegrenzt durch eine steile Wand. Los ging es schliesslich mit einer Stimme aus dem Off, welche den Zuschauer in Verona verortet, den Zwist zwischen den Montagues und den Capulets erklärt und den unheilvollen Verlauf der Geschichte ankündigt.

Nach und nach füllt sich der Hof, in Blau die Montagues, in Rot die Capulets. Der erste Streit, der erste Kampf der tödlich verfeindeten Familien. Nur Romeo ist nicht zum Kämpfen zumute, er ist verliebt, unglücklich, in die schöne, aber genauso kalte Rosalinde. Cousin Benvolio gibt sein bestes, ihn abzulenken, stösst aber auf taube Ohren.

Gleichzeitig befindet sich Lord Capulet in Verhandlungen mit Julias Verehrer Paris, welcher die junge Frau so schnell wie möglich heiraten will. Der Vater ist jedoch noch skeptisch und meint, Paris solle seine Tochter beim kommenden Maskenball erst einmal besser kennenlernen.

Genau dieser Maskenball erregt auch das Interesse der jungen Montagues, welche sich heimlich unter die Gäste schleichen wollen, um mit den schönen jungen Damen in Kontakt zu kommen. So geschieht es, dass Romeo Julia beim Tanzen erblickt, und er weiss: Zum ersten Mal liebt er wirklich. Gleichzeitig spürt er aber das nahende Unheil: «Was hier beginnt, ist der Anfang eines frühen Endes».

Ein perfektes Paar

Wie Recht er damit hat. Die tragische Liebesgeschichte nimmt also ihren Lauf, es folgen tausend Küsse, Liebesschwüre, und das Versprechen einer baldigen Hochzeit. Jamie Mahlstein als Julia und Lorenzo Pedrocchi als Romeo harmonieren perfekt zusammen, bringen die grossen Gefühle einer jungen Liebe auf die Bühne, von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt.

Gleichzeitig spart die Inszenierung nicht an Witz und Situationskomik. Scherze unter den jungen Männern, welche sehr nahe an der Gürtellinie liegen, sowie Einblicke in die Welt der Dienerschaft, wo alles nicht ganz so ernst genommen wird, vermögen es, die düstere Grundstimmung etwas aufzulockern.

Fast ohne Requisiten lebt das Stück von den Schauspielern, von Bewegung und Mimik. Die Aufgabe «Shakespeare» wurde von den Schlossspielen souverän gemeistert, begeisterter Applaus und Standing Ovations des Premierenpublikums beendeten eine absolut gelungene erste Vorstellung.

Schlossspiele Falkenstein Niedergösgen: Knochenbrechender Einsatz für Romeo und Julia

Bei der Hauptprobe: Knochenbrechender Einsatz für Romeo und Julia

Bei der Inszenierung des Klassikers im Freilichttheater auf dem Schloss Falkenstein legen sich die Darstellen ganz schön ins Zeug. Da kann auch mal eine Rippe brechen.