Niedergösgen
Golfplatz-Raser regen Anwohner auf: «Tempo 30 gilt für alle – ob Mercedes oder Opel»

Auf der Strasse nach Stüsslingen werde Tempo 30 krass missachtet, lautet die Klage: «Wenn man so eine Zone macht, dann muss man sie auch einhalten und kontrollieren.» Auch Gemeindepräsident Kurt Henzmann teilt den Eindruck, dass die Tempo-30-Zonen eher wenig kontrolliert würden.

Christian von Arx
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Rainstrasse Niedergösgen: Anwohner sind der Meinung, dass sich auswärtige Autofahrer nicht an Tempo 30 halten. Bruno Kissling

Rainstrasse Niedergösgen: Anwohner sind der Meinung, dass sich auswärtige Autofahrer nicht an Tempo 30 halten. Bruno Kissling

BRUNO KISSLING

«Ich war ja damals nicht für Tempo 30», gab Hans Eng in seiner Wortmeldung unter «Verschiedenem» an der Niedergösger Gemeindeversammlung zu. Aber inzwischen finde er die Tempobeschränkung gut. «Nur: Wenn man so eine Zone macht, dann muss man sie auch einhalten und kontrollieren.»

Er habe das an seiner Strasse selber gemacht, fuhr der Anwohner der Rainstrasse fort, und zwar zu einem kritischen Zeitpunkt: Freitagabend und Samstag. Engs Befund: Zahlreiche leistungsstarke Autos («Mercedes, Jaguar») seien mit viel zu hoher Geschwindigkeit auf der Rainstrasse von oder nach Stüsslingen unterwegs gewesen. «Wahrscheinlich 50 Billette hätten da entzogen werden müssen», gab sich der Anwohner überzeugt. Und: Es seien nicht Niedergösger, sondern durchfahrende Auswärtige, die sich nicht an Tempo 30 hielten. Aus Engs Ausführungen wurde ziemlich klar, wen er meinte: Gäste des Golfplatzes Heidental in Stüsslingen.

«Tempo 30 gilt für alle – ob Mercedes oder Opel», stellte Gemeindepräsident Kurt Henzmann klar. Geschwindigkeitskontrollen dürfe aber nur die Polizei machen, nicht die Gemeinde. Er teile den Eindruck, dass die Tempo-30-Zonen eher wenig kontrolliert würden. Die Gemeinde habe dies denn auch schon mehrmals verlangt. Er unterstütze Engs Anliegen und werde es erneut bei der Polizei vorbringen, versprach Henzmann.

Andreas Meier, als Vizepräsident der Werkkommission für das Ressort Strassenbau zuständig, schlug vor, dass die Gemeinde zusätzlich mit der Leitung des Golfplatzes reden solle. Die Zufahrt zum Golfplatz sollte seiner Meinung nach über Erlinsbach–Stüsslingen und somit über Kantonsstrassen erfolgen, und nicht über eine Niedergösger Quartierstrasse. Da die Gemeinde Stüsslingen auf ihrer Seite den Ausbau der Strasse zum Golfplatz plane, könne Niedergösgen mit einer Entlastung rechnen.

Das Thema Tempo 30 brachte am Schluss doch noch etwas Pfeffer in eine unspektakuläre Rechnungsgemeindeversammlung. Nur 28 Stimmberechtigte waren anwesend; der Gemeindepräsident kommentierte dies trocken mit dem Hinweis: «Letztes Jahr waren es 27.» Die Beteiligung lag bei bescheidenen 1,2 Prozent, denn Niedergösgen zählt 2289 Stimmberechtigte.

Die neuen Gebühren für Anlassbewilligungen, vorgestellt von Andreas Hüppi, Präsident der Infrastrukturkommission, wurden einstimmig genehmigt. Sie werden nur von auswärtigen Veranstaltern verlangt, den Niedergösgern werden Anlässe gratis bewilligt. Zur Genehmigung der geänderten Satzungen des Planungsverbandes der Region Aarau (PRA) gab es eine Gegenstimme.

Rechnung besser als erwartet

Auch die Verwaltungsrechnung 2015 rief keine Emotionen hervor. «Es ist halt Geschichtsschreibung, ändern kann man nichts mehr», stellte Finanzverwalter Beat Fuchs fest, als er die Zahlen erläuterte. Die Rechnung ist besser ausgefallen als budgetiert und auch wesentlich besser als im Vorjahr (siehe Kasten rechts). Sparmassnahmen und die Erhöhung des Steuerfusses um 5 Prozentpunkte auf das Jahr 2015 trugen dazu bei. Unter dem Strich resultiert immer noch ein Defizit. Das Pro-Kopf-Vermögen der Gemeinde hat im letzten Jahr um 177 Franken abgenommen, beträgt aber immer noch gut 1000 Franken pro Einwohner.