Niedergösgen

Gesundheitsamt mahnt zur Vorsicht bei Robert-Franz-Produkten

Gegen Robert Franz laufen in Österreich mehrere Verfahren – unter anderem wegen Betrugs.

Gegen Robert Franz laufen in Österreich mehrere Verfahren – unter anderem wegen Betrugs.

In Niedergösgen werden seit kurzem Produkte von «Gesundheitsguru» Robert Franz verkauft. Hinweise auf falsche Heilversprechen in einem konkreten Fall könnten rechtliche Schritte auslösen, teilt das Solothurner Gesundheitsamt mit. Doch worauf sollte der Kunde selbst achten?

Am vergangenen Wochenende wurde in Niedergösgen ein Laden eröffnet, der die Produkte von Robert Franz verkauft. Der gebürtige Rumäne nennt sich selbst Gesundheitsguru und hat sich mit dem Verkauf von Nahrungsergänzungsmitteln einen Namen gemacht. Mit seinen Produkten verdient der in Österreich lebende Automechaniker Millionen.

Gegen Franz laufen in Österreich mehrere Verfahren. Die Vorwürfe sind schwerwiegend: Verstösse gegen das Lebensmittelsicherheit- und Konsumentenschutzgesetz, Kurpfuscherei sowie Betrug werden dem 58-Jährigen vorgeworfen.

Arznei- oder Lebensmittel?

Der Niedergösger Robert-Franz-Shop wird von der Stüsslingerin Claudia Galliker betrieben. Auf die Vorwürfe angesprochen sagte sie: «Es gibt natürlich immer Neider.» Die würden aber nicht sehen, dass Franz den Leuten nur zeigen wolle, wie sie sich jeden Tag selbst helfen könnten.

Ein Blick ins Handelsregister zeigt: Der Laden an der Neufeldstrasse in Niedergösgen ist in der Branche «Handel (Lebensmittel und Getränke)» eingetragen. Sind die Produkte von Robert Franz nun aber Arznei- oder Lebensmittel? Heinrich Schwarz, Chef des Solothurner Gesundheitsamts, erklärt auf Anfrage: «Nahrungsergänzungsmittel wie etwa Vitamin-D-Präparate sind entweder reguläre Lebensmittel oder zählen bei hohen Konzentrationen zu den frei verkäuflichen Arzneimitteln.» Letztere können laut Schwarz ohne ärztliche Verschreibung von allen Personen abgegeben werden.

Heilversprechen sind verboten

Doch auch Nahrungsmittel müssen die Bestimmungen des Lebensmittelgesetzes erfüllen. «Es muss beachtet werden, dass Lebensmittel die menschliche Gesundheit nicht gefährden und keine falschen Versprechungen machen», teilt das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärvesen (BLV) auf Anfrage mit.

Im Klartext heisst das laut BLV: «Nahrungsergänzungsmittel dürfen auf keinen Fall Heilversprechen in der Deklaration und in der Werbung enthalten.» Die Kontrolle von Lebensmittelläden führt die Lebensmittelkontrolle durch.

Es gilt die Meinungsfreiheit

Robert Franz setzt bei seinen Empfehlungen vor allem auf Traubenkernextrakt. Oder wie er sagt: OPC für «oligomere Proanthocyanidine». Er schreibt in seinem Buch über das in Kapseln gepresste Nahrungsergänzungsmittel: «Würde die Einnahme von OPC überhaupt den Ausbruch von Krebs verhindern und das Ende dieser so tödlichen Krankheit besiegeln? Ich sage dazu: Ja.»

Unter anderem wegen solcher Aussagen und Versprechen wurden die österreichische Ärzte- und Apothekerkammer auf ihn aufmerksam. Könnte es nun auch in der Schweiz zu einem Verfahren gegen Robert Franz kommen? Schwarz vom Gesundheitsamt erklärt: «Solange Robert Franz sich nicht als Arzt ausgibt, keine medizinischen Behandlungen durchführt oder Heilversprechungen macht, kann rechtlich nicht gegen ihn vorgegangen werden.» Es gelte der Grundsatz der Meinungsfreiheit. Sollte man aber aufgrund eines Hinweises in einem konkreten Fall nachweisen können, dass eine Person systematisch falsche Heilversprechen gegenüber Kunden mache, könnten rechtliche Schritte eingeleitet werden.

Dem kantonalen Gesundheitsamt sind keine rechtskräftigen Urteile in anderen Ländern oder in anderen Teilen der Schweiz bekannt. Schwarz: «Dass in anderen Ländern offenbar verschiedene Verfahren gegen Robert Franz laufen, zeigt aber, dass hier Vorsicht geboten ist.» Bislang würden aber keine Hinweise auf unerlaubte Heiltätigkeit von Franz im Kanton Solothurn vorliegen.

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