Däniken
Gestärkt in die Zukunft: Munitionsfabrik Saltech gelingt der Befreiungsschlag

Die Saltech AG in Däniken schafft es dank einem Investor aus der mehrmals verlängerten Nachlassstundung und will neue Stellen schaffen. Der neue Investor will sich bei strategischen Fragen einbringen.

Noël Binetti
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Nach Nachlassstundung: Saltech AG plant «Bearbeitung von neuen Geschäftsfeldern im Munitionsbereich».

Nach Nachlassstundung: Saltech AG plant «Bearbeitung von neuen Geschäftsfeldern im Munitionsbereich».

Bruno Kissling

Erleichterung spricht aus der Medienmitteilung, die das Rüstungsunternehmen aus Däniken versandte. Diese ist übertitelt mit «Saltech AG: Gestärkt in die Zukunft». Zuletzt machte die Firma Schlagzeilen mit einer mehrmals verlängerten Nachlassstundung. Diese sei nun beendet und die Saltech AG «saniert». Angekündigt wird ein «Neustart im August». Wie Recherchen zeigen, hat der Amtsgerichtspräsident von Olten-Gösgen die «definitive Nachlassstundung zufolge Sanierung» aufgehoben. Das Urteil stammt vom 21. August und entbindet den eingesetzten Sachwalter Fritz Rothenbühler von seiner Aufsichtsfunktion. Zielgerichtet und mit Ausdauer habe das Unternehmen daran gearbeitet, sich aus dieser Situation zu befreien, heisst es in der Mitteilung weiter. Die Zukunft sehe vielversprechend aus.

Doch wie gelang dem 2018 in Schieflage geratenen Hersteller von Munition dieser Coup? Auf Anfrage sagt Andreas Stauffer, CEO der Saltech AG: Es gebe verschiedene Wege, in einer solchen Situation nach einem Investor zu suchen. Welcher hier zum Erfolg führte, spiele keine Rolle. Der Investor aus der Schweiz wolle gegenwärtig nicht öffentlich in Erscheinung treten. Er werde in den nächsten Wochen Sitz nehmen im Verwaltungsrat der Saltech AG. In dieser Funktion werde er keine operativen Entscheide fällen, sondern sich bei strategischen Fragen einbringen.

Bei der vom Investor eingesetzten Summe handle es sich um einen tiefen zweistelligen Millionenbetrag. Kleinere Lieferanten von Saltech kommen nun zu 100 Prozent zu ihren Forderungen. Mit Gross- und Finanzgläubigern wurde ein Teilverzicht vereinbart. Die Aufträge des Bundes hätten dabei keine Rolle gespielt. Auf die Frage, ob die Saltech vom Bund unterdessen neue Aufträge erhalten habe, sagt Stauffer: «Es gibt immer Aufträge. Wir haben sowohl vom Bund Aufträge als auch von anderen Kunden.» Auslöser für die finanzielle Schieflage war eine Firma aus Frankreich, die in Konkurs ging. Saltech bestellte dort Maschinen, die sie nie erhalten, aber teilweise bereits bezahlt hatte. Stauffer: «Dieses Geld haben wir verloren.»

Unternehmen wiederholt in der Kritik

In der Pressemitteilung wird die «Bearbeitung von neuen Geschäftsfeldern im Munitionsbereich» erwähnt. Um was es sich dabei handle, lässt Stauffer «aus Wettbewerbsgründen» offen. An den Standorten Däniken und Dulliken soll die Zahl der Mitarbeiter bis Mitte 2021 von heute 60 auf 80 ausgebaut werden. Stauffer sagt: «Es ist erfreulich, dass wir aus dem Nachlass raus sind. Es ist ein Rückgewinn der unternehmerischen Freiheiten.» Der Verkauf der Firma Saltech stehe «wenigstens im Moment» nicht zur Debatte.

Schon vor den Finanzproblemen zog die Saltech AG wiederholt Kritik auf sich. In Süddeutschland regte sich auf eine dort geplante Munitionsfabrik Widerstand. Bürger und lokale Politiker warfen der Firma vor, sich mit einem Standort in Deutschland erleichterten Zugang zum internationalen Waffenmarkt verschaffen zu wollen. Das Projekt sei im Moment auf Eis gelegt und vielleicht in der Zukunft ein Thema, sagt Stauffer.

Negative Äusserungen über den Führungsstil

Saltech hat Standorte in mehreren Ländern mit insgesamt rund 120 Mitarbeitenden. Vor kurzem äusserten sich Angestellte in einem anonymen Forum im Internet negativ über den Führungsstil, der an den Standorten in Däniken und Dulliken herrsche. Von einem «Klima der Angst» und einer «miesen» Arbeitsatmosphäre war die Rede. Ehemalige Mitarbeiter bestätigten gegenüber CH Media diese Vorwürfe. Stauffer entgegnet: «Solche anonymen Aussagen auf einer Internetplattform geben nicht zwingend die Meinung der Mitarbeiter wieder.»

Zu reden gab auch schon die Nähe Stauffers zum Bund. Insbesondere seine langjährige Tätigkeit bei der Armasuisse, Rüstungsbeschaffer der Armee. Diese erteilte 2017 Saltech den Zuschlag für einen 109,4 Millionen Franken schweren Auftrag. Liefern sollte Saltech dafür 12,7-mm-Maschinengewehrmunition. Stauffer ist mit dem heutigen Rüstungschef Martin Sonderegger befreundet. Dieser betonte in einem Artikel vom Oktober 2017 auf Anfrage: «Im Wissen darum, dass Herr Stauffer bei uns gearbeitet hatte und dass dies Fragen aufwerfen könnte, trafen wir besondere Anordnungen. So wurden die Offerten im Beisein eines Juristen alle gleichzeitig geöffnet, um Absprachen auszuschliessen.»

In der vorliegenden Medienmitteilung schliesst Saltech-CEO Stauffer mit den Worten: «Unsere Zukunft sieht vielversprechend aus. Das motiviert uns.» Der Hersteller und Verkäufer von Kriegsmaterial gibt sich optimistisch: «Es gibt viel zu tun und wir müssen fokussiert bleiben.»

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