Eppenberg
Gespuckt wird nur für den Status: Mit Lamas unterwegs im Eppenberger Wald

Zum 24. Mal findet der Schönenwerder Ferienpass statt, bei dem sich 140 Kinder sich für insgesamt 50 Kurse angemeldet haben. In diesem Rahmen trafen neun Schulkinder und drei Lamas für ein Trekking aufeinander.

Kelly Spielmann
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Lama-Trekking in Eppenberg
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 Das Lama stammt ursprünglich aus den Anden.
 Drei Exemplare leben jedoch seit 2014 bei der Familie Huber in Wöschnau.
 Für den Ferienpass bietet die Familie jeweils in der letzten Herbstferienwoche ein Lama-Trekking an.
 Die Kinder müssen keine Angst vor den Tieren haben. Dass Lamas Menschen anspucken, ist ein Mythos.

Lama-Trekking in Eppenberg

Bruno Kissling

Das Lama – ursprünglich aus den südamerikanischen Anden stammend – hat vor rund 5000 Jahren seinen Weg in die domestizierte Haustierhaltung und Mitte der 80er-Jahre seinen Weg in die Schweiz gefunden. Vor drei Jahren erreichte das Tier schliesslich Eppenberg-Wöschnau. Drei männliche Exemplare sind seit 2014 dort bei der Familie Huber wohnhaft.

Und dort lebt es sich gut: Mehr Auslauf als gesetzlich vorgeschrieben und ein grösserer Stall als nötig stehen den drei Lamas zur Verfügung. Einmal jährlich erhalten Falco, Merlin und Solomon – so die Namen der Paarhufer – von neun Schulkindern Besuch. Für den Schönenwerder Ferienpass, der jeweils in der letzten Herbstferienwoche stattfindet, bietet die Familie ein Lama-Trekking an.

«Ich dachte, die seien viel kleiner», staunt ein Mädchen, als sie die Tiere sieht. Etwas ängstlich macht sie einige Schritte vom Gehege zurück. Doch schon bald merkt sie, dass die Tiere friedlich sind und sich sogar streicheln lassen – jedoch nur unter dem Kinn und am Hals, am Kopf werden die Paarhufer nicht gerne berührt.

Und es gibt Entwarnung: Die Kinder müssen keine Angst haben, von den Lamas bespuckt zu werden. Denn dass die Tiere Menschen anspucken, sei ein Mythos, erklärt Doris Huber. Zum Glück – denn Lamas spucken nicht etwa mit Speichel, sondern mit übel riechender Magensäure.

Klare Hierarchie unter Lamas

Diese setzen die drei jedoch nur untereinander ein, um ihre Stellung in der Gruppe zu markieren. Gegen Menschen verwenden sie diese Taktik nicht. «Wenn es frisches Heu gibt, wird zuerst gespuckt, um zu entscheiden, wer als Erster fressen darf», so Huber.

Erst, wenn die Hierarchie festgelegt wurde, darf losgefuttert werden. Im Eppenberger Lama-Clan ist Solomon der Boss. Das wird auch Aussenstehenden schnell klar: Sobald er sich in die Nähe der anderen beiden Lamas begibt, ziehen Falco und Merlin vor Angst die langen Ohren nach hinten.

Auch beim Spazieren macht das Alphamännchen seinen Rang in der Gruppe deutlich. «Lamas müssen immer in der gleichen Reihenfolge laufen, sonst fühlen sie sich unwohl», erklärt Doris Huber. Und diese ist in Eppenberg klar geregelt: Solomon geht vor Falco, der vor Merlin geht. An jeweils zwei Leinen pro Tier gehen die Kinder links neben den Lamas her und führen diese auf einem Feldweg in den goldfarbenen Eppenberger Wald.

Konzentration und Sorgfalt

«Es klappt immer wunderbar mit den Kindern, die Lamas sind seelenruhig», freut sich Doris Huber während des Spaziergangs. Schon zum dritten Mal bietet sie den Lamakurs an, jedes Mal ist er ausgebucht. Tatsächlich gehen die sieben Mädchen und zwei Jungen sehr sorgfältig und konzentriert mit den Tieren um. Anständig wechseln sie sich mit dem Halten der Leinen ab.

Nur leise unterhalten sich die Jungen über ihre Lieblingsfussballer und die Mädchen über die aufkommende Geburtstagsparty – oder, alle gemeinsam, über das, was nach dem Spaziergang folgt. Denn dann dürfen die Kinder die Lamas putzen, bürsten und füttern. Auch mit den anderen Tieren der Familie – unter anderem Gänse, Hühner und Hasen – dürfen sie dann Zeit verbringen und diese streicheln.

50 Kurse, 140 Kinder

Ebenfalls ein Top-Thema sind die bereits besuchten sowie die anstehenden Ferienpasskurse. «Gestern habe ich mein eigenes T-Shirt gemacht», erzählt ein Mädchen. «Morgen gehe ich Cupcakes backen», antwortet ein anderes voller Vorfreude. Schon zum 24. Mal findet der Schönenwerder Ferienpass statt. 140 Kinder haben sich für die insgesamt 50 Kurse angemeldet, die dieses Jahr im Angebot sind. Back- und Bastelkurse seien besonders beliebt, erklärt Sandra Lüscher, eine von sechs Mitgliedern des Organisationskomitees. Auch Tierkurse seien gut besucht.

Möglich sei dies nur, weil viele Leute aus der Gemeinde auf das Organisationskomitee zukommen und anbieten, Kurse zu leiten. So sei auch das Lama-Trekking vor zwei Jahren ins Programm aufgenommen worden. Ausserdem stelle die Gemeinde Räumlichkeiten wie die Mehrzweckhalle zur Verfügung. Auf den nächsten Schönenwerder Ferienpass können sich die Kinder jetzt schon freuen: «Wir feiern dann ein Jubiläum zum 25. Ferienpass», so Lüscher. «Dazu gibt es dann ein besonderes Spezialprogramm», verrät sie.