Im von der Schliessung bedrohten Werk der Glas Trösch AG Automobile in Trimbach sind die 52 Mitarbeitenden am Mittwoch über das jetzt einsetzende Konsultationsverfahren informiert wurden. Die Mitarbeiter haben ihre Vertreter in die Arbeitsgruppe gewählt. Dazu wurden die Personalverbände Syna, Unia und Angestellte Schweiz beigezogen. Als Gewerkschaftsvertreter wirkt Zabedin Iseini, Regionalsekretär der Syna Olten-Solothurn, in der Arbeitsgruppe mit.

Beim Besuch dieser Zeitung im Werk im Trimbacher Industriegebiet ist bei Geschäftsführer Paul Hartmann die emotionale Belastung durch die Situation spürbar. «Natürlich ist das eine Niederlage», sagt er. «Aber es ist noch nicht abgepfiffen. Und es ist noch niemandem gekündigt worden.» In der Medienmitteilung zur Schliessungsabsicht hatte das Unternehmen festgehalten, dass es die laufenden Kundenlieferverträge erfüllen wird.

Objektiv sind die Hoffnungen, Stellen erhalten oder gar das Werk doch noch weiterführen zu können, aber wohl gering. Bruno Gygax, Mediensprecher der Glas Trösch Holding AG in Bützberg, erwähnt, dass die Unternehmensleitung in den letzten zwei Jahren alles versucht habe, um das auf Gläser für die Automobilbranche spezialisierte Werk in Trimbach zu retten, bis hin zu einem möglichen Verkauf. Ohne Erfolg.

Die Chancen, Trimbacher Mitarbeitern Stellen an anderen Standorten der Glas-Trösch-Gruppe anzubieten, stehen nicht gut. Denn der Glasverarbeitungskonzern hatte bereits im vergangenen August die Schliessung von vier kleineren Betrieben an vier verschiedenen Schweizer Standorten angekündigt. Davon waren insgesamt 140 Beschäftigte betroffen. Schon damals wurde versucht, für möglichst viele eine Stelle an einem anderen Standort zu finden.

Porsche-Scheiben aus Trimbach

Das Werk in Trimbach arbeitete in einem hoch spezialisierten Marktsegment, aus dem sich Glas Trösch nun zurückzuziehen gedenkt. So wurden Prototypen und Kleinserien von Aussenverglasungen für exklusive Automarken im Premium Sektor hergestellt: «Marken wie Rolls Royce, Lamborghini, Porsche oder Bugatti gehören zu unseren Kunden», berichtet Bruno Gygax.

Manchmal geht es um wenige Dutzend Stück. Attraktive Fotografien im Eingangsbereich des Firmengebäudes zeigen solche Liebhaberfahrzeuge: Lamborghinis mit Scheiben aus Trimbach. Ein anderes Segment waren Verglasungen für Spezialfahrzeuge wie etwa Feuerwehr- oder Industriefahrzeuge.

Spezifisches Know-how

Diese Kunden stellten höchste Qualitätsansprüche an die Fahrzeugscheiben. Dazu war viel Einsatz von Handarbeit nötig. Zwar sind etliche Trösch-Mitarbeiter in Trimbach Angelernte, die zum Teil aus anderen Berufen oder anderen Branchen kamen. Aber die Bedienung der spezifischen Maschinen wie etwa des ESG-Ofens – für die Biegung von Einscheiben-Sicherheitsglas, also gehärtetem Glas – konnte nur im Betrieb selbst erlernt werden. «Es braucht dazu Leute mit Qualitätsbewusstsein und speziellen Begabungen», betont Geschäftsführer Paul Hartmann. Für Grossserien von mehr als 5000 Stück ist das Werk in Trimbach dagegen nicht eingerichtet.

Doch auch in der Nische der Prototypen und Kleinserien bekam Glas Trösch seit der Finanzkrise von 2007 den Kostendruck zu spüren. Dazu kam die Währungssituation. «Gegen 95 Prozent unserer Produkte gehen in den Export», erklärt Paul Hartmann, «und das zum grössten Teil zu Euro-Preisen.» Der Geschäftsführer gibt nicht allein der Freigabe des Franken-Euro-Wechselkurses durch die Schweizerische Nationalbank im Januar 2015 die Schuld. Aber deren Folgen hätten die zuvor schon sehr schwierige Aufgabe noch schwieriger gemacht. Neue Lamborghinis mit Scheiben aus Trimbach wird es wahrscheinlich keine mehr geben.