Gerichtsurteil
Beweis für Gewalt, Zwang oder Drohungen fehlte: Trimbacher wird vom Vorwurf der Förderung der Prostitution freigesprochen

Einem 45-jährigen Thailänder aus Trimbach war unter anderem die mehrfache Förderung der Prostitution vorgeworfen worden. Das Amtsgericht Olten-Gösgen spricht ihn aber im Hauptanklagepunkt frei.

Philip Kissling
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Spricht den Angeklagten im Hauptanklagepunkt - Förderung der Prostitution - frei: Das Amtsgericht Olten-Gösgen.

Spricht den Angeklagten im Hauptanklagepunkt - Förderung der Prostitution - frei: Das Amtsgericht Olten-Gösgen.

Bruno Kissling (Archiv)

Acht Monate Freiheitsstrafe und eine Geldstrafe von 268 Tagessätzen à 30 Franken, beides bedingt auf zwei Jahre, dazu die Hälfte der Verfahrenskosten von 33'391 Franken. Das alles bekommt ein Trimbacher für Vergehen aus dem Jahren 2013 bis 2015 aufgebrummt, für die er sich vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen zu verantworten hatte.

Der mittlerweile 42-jährige Thailander machte sich nach Ansicht des Gerichts schuldig der mehrfachen Förderung des rechtswidrigen Aufenthalts in Bereicherungsabsicht, der mehrfachen Beschäftigung von Ausländerinnen ohne Bewilligung, der mehrfachen Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie des Raufhandels.

Illegal in der Schweiz

Einen Freispruch gab es indes beim Hauptanklagepunkt, der mehrfachen Förderung der Prostitution. Die Staatsanwaltschaft hatte dem bald 42-jährigen Thailänder vorgeworfen, in seinem Sexstudio in Trimbach Sexarbeiterinnen zu seinen Gunsten ausgenutzt und ausgebeutet zu haben. Die Landsleute des Beschuldigten befanden sich illegal in der Schweiz, verfügten also weder über eine Aufenthalts- noch eine Arbeitsbewilligung.

Daraus habe sich zum Nachteil der Geschädigten sowohl eine soziale als auch eine wirtschaftliche Abhängigkeit ergeben. Beispielsweise hätten sich die Prostituierten täglich und rund um die Uhr für Freier zur Verfügung halten müssen. Die Hälfte der Einnahmen hätten sie dem Zuhälter abliefern müssen, dazu wöchentlich 100 Franken für Verpflegung sowie monatlich 200 Franken für Internetwerbung.

Schwerwiegend seien auch die Einschränkungen in der sexuellen Selbstbestimmung gewesen, zudem habe der Beschuldigte mehrere Prostituierte mit Drogen versorgt. Der Beschuldigte sagte vor Gericht, er habe keinen Druck auf die Prostituierten ausgeübt und nicht von ihnen profitieren, sondern ihnen einen sicheren Arbeitsort bieten wollen.

Kein Beweis für Gewalt oder Zwang

Interessanterweise hatte in dem Trimbacher Sexstudio kein Klima der Gewalt gegen die Prostituierten geherrscht, sondern der Druck existierte eher unterschwellig. Die Prostituierten gaben an, die Regeln – oft unausgesprochen – seien halt überall gleich, das wüssten alle. Aus Furcht, die Arbeit und somit das Einkommen zu verlieren, hätten sie sich nicht getraut, sich zu wehren.

Die Angst war offenbar so gross, dass sie es nicht einmal versuchten. Das Gericht gelangte zu der Ansicht, dass die Prostituierten zwar in einer schwierigen Situation gewesen seien und der Beschuldigte sich automatisch in einer Machtposition befunden habe. Einen Beweis für Gewalt, Zwang oder Drohungen gegenüber den Frauen konnte es aber nicht ausmachen.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von 32 Monaten (24 davon bedingt) gefordert. Ob sie das Urteil an das Obergericht weiterzieht, ist offen.