Unter dem Traktandum «Verschiedenes» liess Niedergösgens Gemeindepräsident Kurt Henzmann am Freitagabend an der CVP-Generalversammlung die Bombe platzen: Er kündigte in wenigen Sätzen an, dass er per Ende September dieses Jahres als Gemeindepräsident zurücktritt. Seine Parteileute hat er nicht vorgängig informiert, nur die Angestellten auf der Gemeinde wussten von seinem Beschluss. Es seien praktisch alle wichtigen Exponenten an der Versammlung gewesen, sagte er im Nachgang auf die Frage, wieso er die Partei über seinen Entscheid bis dahin im Dunkeln liess.

Zudem verweist Henzmann, der in diesem Monat 60 Jahre alt wird, auf das Versprechen, welches er nach den Wahlen gegeben habe – dass er nämlich während der Legislatur als Gemeindepräsident zurücktreten werde. «Nun haben Interessierte genügend Zeit, um sich für meine Nachfolge zu bewerben.»

Bei den Gemeindepräsidentenwahlen im vergangenen Jahr verpasste Henzmann im ersten Wahlgang trotz alleiniger Kandidatur das notwendige absolute Mehr. Im zweiten Wahlgang trat er dann erneut an und war so in stiller Wahl gewählt, was in breiten Kreisen zu Kritik führte. Der CVP-Mann sass insgesamt während 25 Jahren im Niedergösger Gemeinderat, davon während 21 Jahren als Gemeindepräsident. Bereits Anfang Jahr trat er als Kantonsrat zurück.

In einer den Medien vor Beginn der CVP-Generalversammlung zugestellten Mitteilung führt Henzmann seinen vorzeitigen Rücktritt weiter aus. Einige wichtige Geschäfte seien abgeschlossen. Und die «kommenden würden teilweise seinen geplanten Zeitrahmen überspannen». Weiter hätte er die vier neuen Gemeinderäte – das neunköpfige Gremium besteht seit dieser Legislatur nur aus CVP-Mitgliedern – nun «umfassend in die Ratsgeschäfte» eingeführt.

Nicht zuletzt wagt Henzmann den Schritt in die Selbstständigkeit: Mit seiner Anfang dieses Jahres gegründeten Consulting-Firma will der abtretende Gemeindepräsident «Beratungsmandate für kleinere und mittlere Unternehmen und öffentliche Institutionen in allen Nachfolge- oder Personalsituationen» übernehmen, wie es in der Mitteilung weiter heisst.

An der Sitzung vom 23. April wird der Gemeinderat über den Terminplan befinden. Laut der Mitteilung soll die Gemeindepräsidentenwahl für den 23. September angesetzt werden, ein allfälliger zweiter Wahlgang für den 25. November. Falls im ersten Wahlgang keine Entscheidung fällt, wird der bisherige Vizepräsident Andreas Meier ab Oktober die Amtsgeschäfte vorübergehend übernehmen.