Die ausserordentliche Gemeindeversammlung am Montagabend war der Behandlung von nur einem, dafür gewichtigen Geschäft vorbehalten. Traktandiert war die Verabschiedung des räumlichen Leitbilds. Dieses formuliert die strategischen Entwicklungsziele der Gemeinde und dient als Grundlage für die zukünftige Ortsplanrevision.

Mit der Annahme des Leitbilds wird deren erste Phase abgeschlossen. «Es ist der einzige Schritt, der von der Gemeindeversammlung gemacht werden muss», erklärte Gemeindepräsident Daniel Cartier in seinem Einführungsreferat. Die weiteren Etappen — das heisst die Konkretisierung im Zonenplan und im Erschliessungsplan — liegen in der alleinigen Kompetenz der Exekutive, also des Gemeinderats.

36 Eingaben zur Mitwirkung gingen ein

Im Vorfeld war ein Mitreden der Bevölkerung möglich und willkommen. In einem Workshop am 5. Mai 2018 konnten die Gretzenbacher ihre Anliegen einbringen. Eine von Baukommissionspräsident Hansjörg Merz präsidierte Planungskommission, die durch das Planungsbüro Metron aus Brugg, fachlich begleitet wurde, stellte am 22. Oktober 2018 einen ersten Entwurf des räumlichen Leitbildes vor. In der anschliessenden öffentlichen Mitwirkung reichten neun Personen insgesamt 36 Eingaben ein; zusätzlich nahm der Kanton Stellung zum Leitbildentwurf.

Die Eingaben beschäftigten sich vorwiegend mit drei Themen: Sie betrafen die Sorge um die Siedlungsqualität sowie die Reibungspunkte bei Autoparkplätzen auf öffentlichem und privatem Grund. Als dritten Punkt massen die Eingaben der Schaffung von Grün- und Begegnungsräumen grosse Bedeutung zu.

Aus der öffentlichen Mitwirkung ergaben sich allerdings keine direkten Anpassungen am Leitbild, da die meisten Eingaben Dinge betrafen, die erst in der Nutzungsplanung festgelegt oder — etwa die Verkehrssignalisation — gar nicht im Rahmen der Ortsplanung angegangen werden.

Moderates Wachstum geplant

An der von 43 Stimmberechtigten besuchten Gemeindeversammlung stellte Daniel Baeriswyl vom Brugger Büro Metron die definitive Fassung des räumlichen Leitbilds vor. Als wichtigste Ziele sieht dieses vor, dass die Einwohnerzahl von aktuell 2737 nur moderat auf rund 3000 bis ins Jahr 2035 und auf 3100 Einwohner bis 2045 wachsen soll.

Dies soll durch eine punktuelle, geringfügige Verdichtung geschehen, wobei Rücksicht genommen werden soll auf den dörflichen Charakter, das Ortsbild und die historisch bedeutsamen Siedlungsteile im Unterdorf, Oberdorf und beim Ensemble der Bally-Arbeiterhäuser. Das Dorfzentrum im Umfeld der Kirche soll zudem aufgewertet und in den Quartieren sollen Begegnungsräume für die Gretzenbacher geschaffen werden. Für das Gewerbe und die Industrie reichen die bestehenden Zonen aus; neue grössere Einzonungen für zusätzliche Arbeitsplätze sind nicht vorgesehen und werden allenfalls mit der Nachbargemeinde Däniken koordiniert.

Einwohner bemängelt, vertröstet zu werden

Nach der Präsentation eröffnete der Gemeindepräsident die Diskussion. Viele Fragen betrafen die Naherholungsgebiete, die Verkehrserschliessung, die Führung des Langsamverkehrs sowie die Entwicklung des Wohngebiets und der Landwirtschaft. Meistens mussten Cartier, Baeriswyl oder Kommissionspräsident Merz die Fragen offenlassen; diese würden später bei der Erarbeitung des Nutzungs- und Erschliessungsplans beantwortet.

Eine Person aus dem Plenum beispielsweise wollte wissen, wo genau die Strassenabschnitte liegen, die für eine bauliche Verdichtung vorgesehen sind. Sie bemängelt dabei, vertröstet zu werden. Schliesslich sei hier beim Leitbild der einzige Moment, wo sie mitentscheiden könnten. Wo es hingegen konkret werde, werde man auf den übergeordnete Ortsplan verwiesen.

Nachdem die Diskussion erschöpft war, wurde das Leitbild Punkt für Punkt durchgegangen und zu guter Letzt einstimmig von den anwesenden Stimmbürgern gutgeheissen.