Starrkirch-Wil

Gemeinde setzt auf Solaranlagen: Bürger werden Stromproduzenten

Auf die Dächer des Schulhauses und der Dorfhalle Jurablick sollen Solarpanels montiert werden.

Der Gemeinderat will auf den Dächern des Schulhauses und der Dorfhalle Solarpanels montieren. Hausbesitzer werden animiert, eine eigene Solaranlage zu bauen, Mieter können sich bei der «Bürgersolaranlage» einkaufen und ihre Stromrechnung senken.

«Es schmeckt heute Abend nicht nach Solarenergie», stellte Gemeindepräsident Christian Bachofner mit Blick aus den Fenstern der Dorfhalle Jurablick fest. Schwere Regenwolken verdüsterten am vergangenen Dienstagabend den Himmel über Starrkirch-Wil. Dem Interesse der Einwohnerschaft am Thema tat dies keinen Abbruch: Rund 90 Einwohnerinnen und Einwohner folgten der Einladung des Gemeinderates zum Informationsabend «Photovoltaik jetzt».

Vizegemeindepräsident Jürgen Holm bekräftigte in seiner Rede, der Gemeinderat wolle die Energiestrategie 2050 umsetzen: «Wir können nicht bei der konventionellen Stromversorgung bleiben.» Zusammen mit Energie Schweiz, einer Plattform des Bundesamtes für Energie im Bereich erneuerbare Energien, und dem Stromversorger Primeo Energie hat der Gemeinderat zwei Projekte zur Solarenergie-Gewinnung ausgearbeitet und Angebote lanciert.

Anreize für private Liegenschaftsbesitzer

In erster Linie angesprochen werden die Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer, um sie zur Installation einer Solaranlage zu animieren. Dafür gibt es zwei Anreize: Eine Eignungsabklärung, ob das eigene Dach stark genug ist, wird zum Preis von 150 Franken angeboten, was gemäss dem Gemeinderat gut die Hälfte der üblichen Kosten darstellt. Versprochen wird auch, dass die Kosten für die Eignungsabklärung zurückerstattet erhält, wer innerhalb von zwei Jahren eine Photovoltaikanlage realisiert. Zudem sind Solarzellen auf den gemeindeeigenen Bauten vorgesehen.

Bereits an seiner Sitzung vom 26. August 2019 hatte der Gemeinderat den Grundsatzentscheid gefällt, die Dächer des Schulhauses und der Dorfhalle Jurablick für eine Photovoltaikanlage zur Verfügung zu stellen. Während das Dach der Dorfhalle Jurablick diese Last tragen kann, wird das Dach des Schulhauses noch auf seine Tragfestigkeit hin untersucht. Die Anlage auf dem Schulhaus soll durch die Gemeinde gebaut werden und vorwiegend der Versorgung des Schulhauses, des Kindergartens, der Gemeindeverwaltung, des Werkhofes, des Feuerwehrmagazins und der Zivilschutzhalle dienen. Der Gemeinderat rechnet mit einer Lebensdauer von 25 Jahren, wobei die Anlage nach 12 Jahren amortisiert sein werde.

Solarstrom auch ohne eigenes Dach

Die zweite Anlage ist auf der Dorfhalle Jurablick vorgesehen. Bei dieser sogenannten «Bürgersolaranlage» werden Solarpanels an Haushalte aus dem Dorf und der Umgebung verkauft, die Kunden von Primeo Energie sind. Wie Stephan Krähenbühl von Primeo Energie am Informationsabend erklärte, muss der eigene Hausanschluss am Jurasüdfuss liegen, entweder im Niederamt, im östlichen Gäu oder in Balsthal. Ein Panel kostet einmalig 599 Franken, als «Dividende» erhalten die Besitzer während 25 Jahren eine Gutschrift von jährlich 160 Kilowattstunden auf ihrer Stromrechnung. Das Projekt wird jedoch nur bei genügender Nachfrage realisiert: Wenn bis Ende Oktober mindestens 87 Panels verkauft sind, wird die Primeo Energie die Finanzierung und Erstellung übernehmen sowie die Anlage betreiben.

Urs Muntwyler, Professor an der Berner Fachhochschule, präsentierte eine unterhaltsame Zusammenfassung der neusten Solar-Erkenntnisse. David Weisskopf vom Ingenieurbüro Weisskopf Partner, das die Gemeinde berät, führte eine spontane Online-Umfrage durch, worin die Motivation der Anwesenden bestehe, Photovoltaik umzusetzen. Der Spitzenplatz belegte die Begründung, «zur Energiewende beitragen», gefolgt von «Autonomie/Unabhängigkeit». Geld ist offenbar für die Starrkirch-Wiler nicht zentral: «Rentabilität» rangierte mit deutlichem Abstand auf Platz drei, weit abgeschlagen erschien «Ästhetik». Schön findet Solarpanels offenbar fast niemand.

Meistgesehen

Artboard 1