Manche Naturschätze liegen nur wenige Schritte von der eigenen Haustüre entfernt, und doch kennt man sie kaum. Die mitten im Landwirtschaftsland gelegene, stark vernässte Wiese in der Däniker Riedbrunnmatt kann gewiss zu den verkannten Kleinoden unserer Region gezählt werden.

 

Die knapp 1,7 Hektaren grosse Fläche am Fusse des Engelbergs ist für den Naturschutz besonders wertvoll. Sie beherbergt nämlich eine Population Gelbbauchunken (siehe links). Diese krötenähnliche Amphibienart gilt als stark gefährdet und steht unter strengem Schutz.

Im Kanton Solothurn gibt es neben Däniken nur noch zwei weitere Standorte, an denen die Gelbbauchunke vorkommt. Jene Population in der Riedbrunnmatt ist jedoch die grösste und bedeutendste im Kanton. Seit langem befindet sich hier deshalb ein kantonales Naturreservat. Im letzten November wurde die Fläche gar in das Bundesinventar der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung aufgenommen.

Kanton für Schutz verantwortlich

Rund 70 Prozent der einheimischen Amphibienarten stehen auf der Roten Liste. Die Hauptursache für die Gefährdung ist der Verlust an geeigneten Laichgewässern. Um dem weiteren Bestandesrückgang entgegenzuwirken, hat der Bund das Inventar der Amphibienlaichgebiete ins Leben gerufen. Das Inventar bezeichnet Gebiete, die für die Fortpflanzung von Amphibien wichtig sind und die deshalb besonderen Schutz bedürfen. Das Inventar umfasst insgesamt 929 Objekte, wovon sich 15 im Kanton Solothurn befinden.

Schutz und Unterhalt der Objekte obliegt den Kantonen. Je nach Gebiet und abhängig von den darin vorkommenden Amphibienarten fallen unterschiedliche Pflegemassnahmen an. Im Fall des Naturreservats Riedbrunnmatt werden regelmässig kleine Gräben ausgehoben, damit temporäre, sporadisch austrocknende Tümpel entstehen.

Die Gelbbauchunke ist für ihre Fortpflanzung auf solche Kleingewässer angewiesen, weil hier potenzielle Fressfeinde fehlen. Ausserdem erwärmen sich die Tümpel aufgrund der geringen Wassertiefe sehr rasch, was die Entwicklung der Kaulquappen begünstigt.

Die Pflegemassnahmen werden durch den Landwirten Pius Studinger durchgeführt. Er bewirtschaftet das Land in der Riedbrunnmatt. «Die Unterhaltsarbeiten sind nicht besonders aufwendig», erklärt er. Jeden Herbst würde er mit Jonas Lüthy, der beim Kanton für die Reservatspflege verantwortlich ist, eine Begehung durchführen. Gemeinsam würden sie festlegen, wo neue Tümpel angelegt werden sollen.

Mit dem Bagger grabe er dann jeweils 5 bis 10 neue Gräben aus. Des Weiteren kümmert er sich darum, dass die bewaldete Böschung, die ebenfalls zum Reservat gehört, regelmässig ausgelichtet wird. Besonders der Waldrand müsse in Schach gehalten werden, so Studinger. Diese Massnahme ist wichtig, da sich Gelbbauchunken für die Überwinterung gerne in strukturreiche Wälder zurückziehen.

Finanzielle Beteiligung des Bundes

Die Tatsache, dass das Laichgebiet in der Riedbrunnmatt Eingang in das Bundesinventar gefunden hat und nun sogar nationalen Schutz geniesst, hat keinen Einfluss auf den Unterhalt oder die Art der Pflegemassnahmen, wie Thomas Schwaller, Leiter Natur und Landschaft beim Kanton, auf Anfrage erklärt. Die einzige Auswirkung sei finanzieller Art: Der Bund verpflichtet sich, einen Teil der Unterhaltskosten zu übernehmen. Im Fall des Kantons Solothurn sind dies jeweils 65 Prozent der anfallenden Kosten.

Was das Amphibienlaichgebiet Riedbrunnmatt angehe, spiele die finanzielle Unterstützung allerdings eine eher untergeordnete Rolle, wie Schwaller betont. Denn der Baggereinsatz von Studinger sei eine äusserst günstige Angelegenheit, die jährlich nur einige hundert, selten wenige tausend Franken koste.

Trotzdem sei es für den Kanton ein Gewinn, dass das Laichgebiet ins Bundesinventar aufgenommen wurde – schon allein der Würdigung wegen.

Dass das Amphibienlaichgebiet Riedbrunnmatt in der Bevölkerung nicht sonderlich bekannt ist, stört Schwaller nicht. Dank dem geringen Bekanntheitsgard verirren sich nur wenige Menschen in das Reservat, sodass die gefährdeten Amphibien ungestört bleiben. Andererseits sei es trotzdem wichtig, dass die lokale Bevölkerung wisse, was für Kostbarkeiten die Natur vor der eigenen Haustüre berge.

Und wie es sich gehört, weist Schwaller zuletzt auf einige Verhaltensregeln hin: Da alle Amphibien in der Schweiz geschützt sind, sollten sich Besucher des Naturreservats auf das Beobachten und Fotografieren beschränken. Keinesfalls sollten Tiere mitgenommen werden. Nur dann bleibt das Kleinod auch für künftige Generationen erhalten.