Wer am Samstagnachmittag das Schulgelände in Gretzenbach betrat, konnte die rhythmischen Trommelschläge des Perkussionsworkshops nicht überhören. Dieser fand neben verschiedenen Tanz- und Kochworkshops im Rahmen der Aktionswoche «So gegen Rassismus» statt.

Organisiert wurde er vom Meeting Point Gretzenbach, einem Treff, der entstanden war, um die Bewohner des mittlerweile geschlossenen Durchgangszentrums Täli mit den Gretzenbacher Einwohnern zusammenzubringen. An der Durchführung des Nachmittags halfen neben vielen ehemaligen Bewohnern des Durchgangszentrums auch weitere Menschen aus der Umgebung mit und ohne Migrationshintergrund mit, die Besucherzahl dürfte sich insgesamt auf rund 100 bis 200 Leute belaufen haben.

«Musik verbindet Menschen, die sonst nicht miteinander reden», stellte Domino Frank nach dem Perkussionsworkshop fest. Er musste es wissen: einst kam er selbst als Flüchtling in die Schweiz, mittlerweile arbeitet er bei einer Organisation, die Musiktherapie für Flüchtlinge in Dornach anbietet. «Beim Trommeln vergisst du alle Probleme.» Eine Erfahrung, die ihn wohl mit Kursleiter Hafiz Hamnawa verband, der aus Afghanistan stammt und in Gretzenbach wohnt.

Zusammen mit zwei anderen Kursleitern brachte er den Teilnehmern verschiedene Grundrhythmen und Figuren bei. Zu den Teilnehmern gehörte auch Trudie Ullmann aus Gretzenbach, die mit ihrer Tochter und ihren Enkelkindern an den Workshops teilnahm.

Musik verbindet Menschen

Musik verbindet Menschen

Mit Nuggi am Tanzkurs

In der Turnhalle konnten nacheinander westafrikanische Tänze, Zumba und kubanische Tänze ausprobiert werden. Im Afrodance fanden sich vor allem jüngere Teilnehmer. Ein kleines Mädchen mit Nuggi im Mund wippte an der Hand seiner älteren Begleiterin mit. Kursleiterin Judith Kläy Akpatsa aus Mühledorf legte Wert darauf, dass die Teilnehmer einen Eindruck von Musik und Tanz gewinnen konnten, ohne jeden Schritt perfekt beherrschen zu müssen.

In der Schulküche vermischten sich die Gerüche von Gerichten aus den vier Ländern Kolumbien, Schweiz, Eritrea und Japan. Die Gretzenbacherin Rita Steiner kochte Bündner Gerstensuppe. Dafür war viel Rüsten nötig: Sie zeigte die Blase, die sich vom Rüstmesser an ihrer Hand gebildet hatte.

An einer weiteren Kochinsel garte ein eritreisches Gericht. Yersalim Tesfaldit hatte sich für einen Eintopf aus Zwiebeln, Tomaten, Linsen und Fleisch entschieden. Angefragt wurde sie über ihren Bruder, der in Gretzenbach wohnt. «Es ist schön, dass ich hier Menschen aus anderen Ländern treffen und ihnen das eritreische Essen zeigen kann», freute sich die junge Frau.

Platz für Begegnungen

Auch draussen war einiges los: Ein Mann schob seinen Kinderwagen entlang des Platzes, auf dem Jungs Fussball spielten. Andere sassen in der Sonne und redeten. Man kannte sich. Immer wieder mit Besuchern ins Gespräch verwickelt war Barbara Capaul, die den Nachmittag gemeinsam mit Odette Bolliger organisiert hatte.

Das Ziel des Meeting Points Gretzenbach passt gut zur Idee der Aktionswoche gegen Rassismus: Platz für Begegnungen schaffen und gegenseitige Vorurteile abbauen, um Rassismus im öffentlichen Raum entgegen zu wirken. Deshalb entschieden sich die Organisatoren des Treffs, einen Workshopnachmittag anzubieten.

Gemeinsames Abendessen

Ein gemeinsames Abendessen mit Darbietungen aus Musik und Tanz rundete den Tag ab. «Uns ist wichtig, dass die Leute merken, dass wir alle einfach Menschen sind», stellte Capaul fest. Wer das Geschehen auf dem Schulgelände beobachtete, hatte am Ende des Tages den Eindruck, dass dies durchaus gelang.