Olten
Gegen den Fluchtverkehr: Das Säliquartier wird dicht gemacht

Ab Anfang März rückt der Stadtrat von Olten dem Fluchtverkehr im Säliquartier in bislang unbekanntem Ausmass auf die Pelle.

Urs Huber
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In etwa so wird sich die Barriere an der Gartenstrasse präsentieren.

In etwa so wird sich die Barriere an der Gartenstrasse präsentieren.

Oltner Tagblatt

Zwei Barrieren an der Riggenbach- und der Gartenstrasse, eine Sperre beim Maria-Felchlin-Platz: ungewohnt konsequente Massnahmen des Oltner Stadtrates gegen den seit Jahren andauernden Fluchtverkehr durchs Säliquartier auf der rechten Stadtseite. Ein Jahr lang läuft der Versuchsbetrieb ab Anfang März. Ziel: «Ermöglichung der Zu- und Wegfahrt für den berechtigten Verkehr und möglichst wenig Beeinträchtigung für die Quartierbevölkerung mit insgesamt 3500 eingelösten Fahrzeugen», so der Stadtrat am Mittwoch in seiner Medienmitteilung.

Daneben aber soll das Quartier erschwert passierbar werden zu Ungunsten des nicht berechtigten Durchgangsverkehrs. Allenfalls verspricht sich der Stadtrat auch eine «Verlangsamung des Verkehrs und eine Verbesserung der Kontrollmöglichkeiten», wie er weiter festhält.

Warum wird auf eine Totalsperre verzichtet?

Was der Stadtrat nicht wollte: die totale Sperrung des Quartiers. Denn zum einen, so argumentiert die Exekutive, müsse der berechtigte Verkehr innerhalb des Quartiers zirkulieren können. Andererseits gelte es, den unberechtigten Verkehr möglichst zu verbannen. Deshalb werden Sperren und Barrieren von zusätzlichen Massnahmen begleitet.

Der Einbahnverkehr auf der Maienstrasse wird neu in Richtung Sälistrasse erlaubt sein; zudem werden die beiden Abschnitte des Krummackerweges in unterschiedlicher Richtung zur Einbahnstrasse. Auch der Abschnitt der Kreuzstrasse zwischen Engelbergstrasse und Wilerweg wird zur Einbahnstrasse.

Warum Schranken und nicht Tempolimit?

Nach Einschätzung des Stadtrates, gestützt auf die Analysen einer verwaltungsinternen Arbeitsgruppe, erreicht eine generelle Tempobeschränkung auf 20 km/h (Begegnungszone)nicht die gewünschte Wirkung. Deren Einführung führe nicht zu einer wesentlichen Verkehrsreduktion und sei «nicht dauernd kontrollierbar», wie der Stadtrat weiter schreibt. In den letzten Jahren hatten Betroffene immer wieder eine konsequente polizeiliche Kontrolle sowie eine ebensolche Ahndung der Verstösse gefordert.

Eine Aufgabe, die sich als äusserst zeit- und personalaufwendig erwiesen hat und bekanntlich zu keiner Entspannung beitragen konnte. Auch Kameraüberwachungen wurden gefordert: Bilanz: Solche sind nach Ansicht des Stadtrates – wenn überhaupt erwünscht – «nur auf kurzen, gut einsehbaren Strassenabschnitten möglich». Als nicht praktikabel erweisen sich diese erst recht bei Fahrverboten mit der Ergänzung Zubringerdienst.

Wo kommen Sperre und Barrieren hin?

Zwei mobile Schranken und eine Sperre sollen jetzt dem Quartier spürbare Entlastung bringen. Der Verkehr auf der Riggenbachstrasse wird mit einer Barriere verunmöglicht. Sie wird auf der Höhe des Kindergartens positioniert. Eine weitere Schranke kommt oberhalb des Vögeligartens zwischen Engelbergstrasse und Pfarrweg zu liegen. Während diese die Achse Sälistrasse-Gartenstrasse – Feldstrasse schliesst, behindert erste den Umfahrungsverkehr Postkreuzung Richtung Aarburg.

Die Durchfahrtssperre östlich des Maria-Felchlin-Platzes unterbricht den Verkehr auf der ganzen Länge der Reiserstrasse. Diese Totalsperre ist nur deshalb möglich, weil dort keine Busse verkehren. Die Barrieren können via Fernbedienung von Busbetrieb und Blaulichtorganisationen geöffnet werden. Für den Langsamverkehr sind Barrieren wie Sperre passierbar.

Was führte im Stadtrat letztlich zum Handeln?

Eine lange Reihe politischer Vorstösse haben den Stein schliesslich ins Rollen gebracht. Bereits im Dezember 2009 wollte die Motion Anita Huber und Felix Wettstein (GO) den Durchgangsverkehr im Säliquartier stoppen. Es gab im unmittelbaren Vorfeld auch eine Petition zum Fluchtverkehr (2018), erklärte das Gemeindeparlament im Juni letzten Jahres einen Volksauftrag für mehr Begegnung im Säliquartier erheblich.

Und die dringlich erklärte Motion von Ursula Rüegg (SVP) im November 2020 schliesslich brachte die Wende. Begünstigt wurde diese Entwicklung auch durch die aktuelle Baustelle Bahnhofquai. Sie bringt dem Säliquartier wider Erwarten 30 bis 40 Prozent mehr Verkehr.

Was ist nach dem Versuchsjahr?

Nach Ablauf des Versuches wird festgestellt, ob der Wille der Quartierbevölkerung, sich auf solche Massnahmen einzulassen, gegeben ist. Der Versuch ist von einem Monitorin begleitet. Die baulichen Massnahmen sowie das Monitoring kommen insgesamt auf rund 58'000 Franken zu stehen.