Nach Grösse sortiert stehen sie im Niedergösger Schlosshof bereit für den Verkauf, der heute um 10 Uhr startet: 50 Rottannen und 20 Nordmanntannen. Wie seit Jahren führt der Bürgergemeinderat des Dorfs auch dieses Jahr einen Weihnachtsbaumverkauf durch. Dieser dauert zwar nur eine Stunde, aber: «Nach rund 30 Minuten sind schon fast alle Bäume weg», wie Bürgergemeindepräsident Patrick Friker aus Erfahrung weiss.

Früher wurden jedes Jahr noch rund 100 Bäume verkauft. Doch seit es auch beim Grosshändler Christbäume im Angebot gibt, sei die Nachfrage in Niedergösgen gesunken, seit einigen Jahren bestellt Friker daher nur noch 70 Tannen. Ebenfalls verlagert habe sich die Nachfrage nach verschiedenen Baumarten: Während es vor vier Jahren nur Rottannen gab, hat die Bürgergemeinde mittlerweile auch Nordmanntannen im Angebot.

Bäume aus dem Gäu importiert

Obwohl der Verkauf von der Bürgergemeinde organisiert wird, stammen die Bäume nicht aus Niedergösgen selber. Früher sei dies noch möglich gewesen, erinnert sich Bürgerrat Urs Gisi. «Das war aber noch während der 50er-Jahre», sagt er lachend. Mittlerweile habe die Bürgergemeinde nicht mehr genügend Bäume, um die Nachfrage zu decken, und bezieht sie deshalb aus Niederbuchsiten.

Ein weiterer Grund, weshalb die Bäume nun aus dem Gäu stammen: Die Qualität der Niederbuchsiter Bäume ist besser als diejenige der wenigen Niedergösger Tannen. «Sie sind viel dichter und werden besser gepflegt», so Friker. Von «Henzirohs Weihnachtsbäume» werden die Tannen jeweils am Tag zuvor frisch geschlagen und geliefert.

Kein Gewinn für Bürgergemeinde

Die Bäume, ob Rot- oder Nordmanntannen, sind nicht nur bei Niedergösger Bürgern beliebt. Auch Einwohner und sogar Auswärtige kommen in den Schlosshof, um sich einen der 70 Bäume zu ergattern. In Niedergösgen muss darunter auch das Portemonnaie nicht leiden: 15 Franken reichen, um eine kleine Rottanne nach Hause zu nehmen, für rund 27 Franken gibt es schon eine Grosse. Etwas tiefer in die Tasche greifen müssen die Käufer zwar bei den Nordmanntannen, wobei eine kleine Tanne rund 25 Franken kostet. «Aber die kaufen wir auch zu diesem Preis ein», erklärt Gisi. Gewinn schaut bei dieser Übung also keiner raus.

«Das ist auch nicht das Ziel», findet Friker. Die Bürgergemeinde lege für den Verkauf auch jedes Jahr Geld drauf. «Es ist viel mehr ein kultureller, sozialer Anlass. Er ist zur Tradition geworden», so der Bürgergemeindepräsident. Denn im Schlosshof gibt es nicht nur Bäume zu kaufen, sondern auch Glühwein und Punsch. Nach dem Einkaufen werde zusammen Punsch getrunken und die vorweihnachtliche Zeit genossen.

Jeder will den Schönsten

Für den Aufbau, den Verkauf und die Organisation wendet Friker rund vier bis fünf Stunden auf. Nach dem Aufstellen werden die Tore des Hofs geschlossen und bleiben zu, bis der Verkauf beginnt. «Auch, wenn Leute um 9 Uhr schon kommen und einen Baum kaufen wollen, warten wir mit dem Start bis um 10 Uhr», so Friker. Denn sonst könne es zu Streit führen. Die schönsten Tannen seien schliesslich die ersten, die verkauft werden. Um einen solchen Christbaum zu ergattern, sollte also der Wecker gestellt werden. Und wenn es für den schönsten Baum trotzdem nicht reicht, kann die Stimmung im Schlosshof mit einem Becher Glühwein genossen werden.