Schönenwerd
Für die Schwelliplatte hat das letzte Stündlein geschlagen

Seit März ist bekannt, dass die Schwelliplatte beim Ballypark in Schönenwerd abgerissen wird – diesen Monat wird mit den Arbeiten begonnen.

Kelly Spielmann
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Die Schwelliplatte weist einige Risse auf – für Personen, die sich darauf befinden, kann dies gefährlich sein.

Die Schwelliplatte weist einige Risse auf – für Personen, die sich darauf befinden, kann dies gefährlich sein.

Remo Fröhlicher

Das kantonale Amt für Umwelt informierte im März über bevorstehende Bauarbeiten zum Hochwasserschutz in Schönenwerd und Niedergösgen. Bei den Bauarbeiten soll eine 500 Meter lange Gerinneverbreitung entstehen, die der Aare mehr Platz gibt.

Doch damit nicht genug: Die Schwelliplatte, die den Schönenwerder Ballypark mit Niedergösger Boden verbindet, kommt im Lauf der Arbeiten ebenfalls weg. Sie wird im Rahmen eines separaten Projekts des Wasserkraftwerks Gösgen, welches zur Alpiq Hydro Aare AG gehört, zurückgebaut. Als Baubeginn wurde der August genannt.

Nun ist es soweit: «In zwei bis drei Wochen wird mit den Installationen begonnen», so Gabriel Zenklusen, Abteilungsleiter Wasserbau vom kantonalen Amt für Umwelt. Ab welchem Zeitpunkt die Schwelliplatte für immer Geschichte sein wird, ist noch nicht ganz klar. Der Rückbau beginnt laut Alpiq im November und wird über den Winter dauern. «Sie wird also nicht gleich diesen Monat entfernt, aber in einem Jahr wird nichts mehr übrig sein», sagt Zenklusen.

Dynamischer und natürlicher

Gründe für den Rückbau der Platte gibt es mehrere. Einerseits sei die Platte nicht fischgängig und es bilde sich ein Rückstau, wodurch der Wasserspiegel steige und die Strömungsdynamik fehle. Auch ist die Schwelliplatte ein Risikofaktor: Im Sommer tummeln sich täglich dutzende Badende auf der Platte, um sich zu sonnen und in der Aare nach einer erfrischenden Abkühlung zu suchen.

Die Platte ist im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel.

Die Platte ist im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel.

Bruno Kissling

Gabriel Zenklusen schätze die Unfallgefahr infolge plötzlichem erhöhtem Aareabfluss bei der Platte nicht wesentlich höher ein als bei Kiesbänken, aber: «Es kann heikel sein, wenn die Platte von niemandem unterhalten wird und das Bauwerk schlechter wird», sagt Zenklusen. Erst im Juni musste ein Mann aus dem Fluss gerettet werden, welcher bei der Schwelliplatte in eine Wasserwalze geraten war.

Der Rückbau der Platte führe somit also zu einem verminderten Unfallrisiko für Badende, einer natürlicheren Dynamik und durch die absinkende Sohle zu einem niedrigeren Wasserspiegel. Auch die Alpiq erklärt, dass durch das Projekt die Fischgängigkeit verbessert wird. Sie sieht aber auch andere Vorteile im Abriss der Schwelliplatte: «Durch den Rückbau wird das Landschaftsbild in diesem Flussabschnitt deutlich aufgewertet.»

Teil eines grösseren Projekts

Beim Bauprojekt der Alpiq Hydro Aare AG, in welchem die Schwelliplatte zurückgebaut wird, handelt es sich um eine Konzessionserneuerung, da die momentane Konzession 2027 endet. Sie beinhaltet sowohl die Sanierung des Stauwehrs in Winznau wie auch ökologische Massnahmen.

Zu den ökologischen Massnahmen des Projekts gehören unter anderem die Strukturierung des Aareufers und der ufernahen Wasserbereiche, eine Aufwertung der Auen durch die Schaffung von zwei zusätzlichen Weihern, eine Fischaufstiegshilfe beim Wasserkfraftwerk Gösgen und der Rückbau der Schwelliplatte. «Für Alpiq ist dies eine Massnahme im Projekt Hochwasserschutz des Kantons Solothurn, welche realisiert wird», erklärt Mediensprecherin Sabine Labonte. Da der Kanton an dieser Stelle Bauarbeiten durchführt, wurde der Abriss der Platte gleichzeitig geplant.

Die Schwelliplatte

Die Energie, die die Bally-Schuhfabrik Ende des 19. Jahrhunderts in Anspruch nahm, erforderte Eingriffe in den natürlichen Verlauf der Aare. Einer dieser Eingriffe war der Bau der Aareschwelle, heute als «Schwelliplatte» bekannt. Die damals «grosse Grundwuhr» genannte Schwelle wurde 1888 aus Bruchsteinen gebaut. Sie hatte die Funktion eines Stauwehrs: Der Wasserspiegel wurde erhöht und das Aarewasser floss in den Fabrikkanal. Im gleichen Jahr wurde auch der Fabrikkanal vergrössert, da die Bally mehr Energie benötigte, als zur Zeit des ersten Kanalbaus von 1869. Auch kam eine leistungsfähigere Turbine zum Einsatz, die die Herstellung elektrischer Energie ermöglichte – zu dieser Zeit eine Pioniertat. Doch das mit Kies gefüllte Wehr musste schon bald durch ein stabileres ersetzt werden. Die in ihrer heutigen Form bekannte Schwelliplatte aus Beton entstand 1906. Sowohl das Betonwehr als auch der Fabrikkanal wurden jedoch 1918 durch das neue Wasserkraftwerk Gösgen überflüssig. Der Kanal und die Schwelliplatte blieben aber als Teil des Ballyparks bestehen.