Schönenwerd

Für die Region aus der Region: Alf-TV filmt seit 22 Jahren

Werner Baumann (links) und Ruedi Wiedmer sind passionierte Fernsehleute.

Werner Baumann (links) und Ruedi Wiedmer sind passionierte Fernsehleute.

Ein Besuch bei den Schönenwerder Fernsehleuten. Werner Baumann gründete vor 22 Jahren den Lokalfernseher Alf-TV.

Werner Baumann und Rudolf Widmer laden Kameras, Kabelrollen und Plastikkisten vom Lieferwagen auf die kleine Hebebühne vor dem Ballyhouse – dem ehemaligen Bally Kosthaus. Am gleichen Abend werden «Les Sauterelles» im Ballysaal auftreten. Gefilmt wird der Auftritt vom Alf-TV, dem Arolfinger Lokalsender, der sein Studio in Schönenwerd hat. Der Auftritt wird von drei Kameras aufgenommen und diese werden von sechs Personen bedient. «Hinter der Kamera zu stehen braucht viel Konzentration» erklärt der Gründer und Geschäftsleiter Werner Baumann. So wechselt er alle halbe Stunde seine Kameraleute aus.

Beim Aufstellen steht ihm heute Rudolf Widmer zur Seite. Widmer ist zuständig für die Technik und die Kamera. Eigentlich ist er Hausarzt in Muhen, doch seit 2011 arbeitet er in seiner Freizeit für Alf. «Bei uns arbeiten Mathematiker, Psychologen, Lehrer und Gemeindeschreiber», zählt Baumann auf. «Wir sind ein bunter Haufen.» Es sind insgesamt zehn Leute, die neben ihrem Beruf in ihrer Freizeit Regisseur, Kameramann und Journalist sind und regelmässig mit ihm arbeiten.

Das Konzert der Band, die in den 1960er-Jahren bekannt wurde, ist ein typischer Anlass, den auf Alf-TV zu sehen ist. Dieser Fernsehsender will aus der Region für die Region berichten. «Nicht Unglück und Verbrechen stehen im Vordergrund, sondern das Positive unserer Region», steht auf ihrer Website geschrieben.

Das Fernsehen ist mehr als ein Hobby

Diese positiven Anlässe werden seit neustem in HD, High Definition, ausgestrahlt. «Wir nehmen schon seit 2006 in HD-Qualität auf», erklärt Baumann. In HD gesendet wird aber erst seit Kurzem, da bis jetzt die Sendetechnik nicht auf dem letzten Stand war.

Baumann selber ist Geologe. Er hat früher für den Kanton im Bereich Umweltschutz gearbeitet. Dort erlebte er, wie das Schweizer Fernsehen einen Bericht produziert hat. «Das ging so lange und war so aufwendig», sagt er. Er war überzeugt, dass er das schneller und effizienter machen kann und gründete den Lokalfernseher Alf-TV. Das war 1997.

Heute, 22 Jahre später, ist er immer noch dabei. «Ich bin jetzt pensioniert und ich frage mich, wie ich früher 80 Prozent gearbeitet habe und daneben noch für den Sender tätig war», sagt er. Was ihn antreibt? «Spass und Weiterbildung. Oder nein anders herum: Weiterbildung und dann Spass», erklärt er. Denn bei jedem Interview würde er etwas dazu lernen. Das bestätigt auch Widmer: «Ich habe verrückte und interessante Leute kennen gelernt.» Es sei aber mehr als ein Hobby. So versucht Baumann, wenn er auf Reisen geht, einen Beitrag zu machen. «Egal wo ich auf Reise gehe, ich komme meistens mit einem Beitrag nach Hause», so der Geologe.

Keine Konzession, dafür Narrenfreiheit

Seit es den Sender gibt, hat sich einiges verändert: So haben sie seit zehn Jahren keine Konzession mehr. «Wir waren aber von Anfang an digital», meint Baumann. Dadurch hatten sie weniger Materialkosten, was die Arbeit vereinfachte. Ohne die Konzession müssen sie die Kabelnetzbetreiber anfragen, damit sie ausgestrahlt werden.

Die grössten Herausforderungen des Senders seien aber nicht technischer Art. Es fehlt an Personal und an Geld. «Wir haben keine grossen Sponsoren und Werbung senden wir auch nicht», erklärt Baumann. Und zudem haben sie immer weniger Leute, die mitmachen wollen. «Bei uns dürfen alle mitmachen und bei uns kann man die ersten Fernseherfahrungen sammeln», meint Baumann.

An grossen Anlässe, seien sie darauf angewiesen, dass viele Leute mithelfen. Am Schupfart Festival, ein Musikfestival im Fricktal, seien 15 Leute im Einsatz. «Wir übertragen das ganze Festival und das brauch Ausdauer», so Baumann. Das sei auch der Höhepunkt in seinem Fernsehjahr. «Es ist anstrengend, so lange zu filmen, aber es macht Spass», meint Widmer. An solchen Anlässen könnten sie auch Künstler interviewen. «Wir haben eine gewisse Narrenfreiheit und können fragen, was wir wollen», sagt Baumann. Und für die Zukunft? «Solange es Spass macht, mache ich weiter», sagt Baumann. Und schon verabschiedet er sich, denn bis alles für den Abend vorbereitet ist, gibt es noch viel zu tun.

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