Winznau
Freie Fahrt über das neue Stauwehr

Die Velofahrer scheiterten mit ihrer Einsprache, jedoch verspricht Alpiq, dass das neue Stauwehr in Winznau mit dem Velo befahrbar sein wird.

Christoph Zehnder
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So soll das Stauwehr Winznau nach der Sanierung aussehen. Der Oberbau kommt weg, eine neue Wehrbrücke steht auch Velofahrern offen.

So soll das Stauwehr Winznau nach der Sanierung aussehen. Der Oberbau kommt weg, eine neue Wehrbrücke steht auch Velofahrern offen.

Fotomontage: ZVG Alpiq

2027 läuft die Konzession für das Wasserkraftwerk Gösgen aus. Die Alpiq Hydro Aare AG hat den Kanton bereits 2010 um eine Erneuerung ersucht. Der Hauptgrund für das frühzeitige Verlängerungsgesuch steht rund fünf Kilometer weiter flussaufwärts: das Stauwehr Winznau. Dort stehen grössere Investitionen an: Das über 100-jährige Bauwerk soll dem aktuellen Stand der Technik angepasst werden. Ausserdem entspricht das Wehr mit seinem markanten Oberbau nicht mehr den heutigen Sicherheitsstandards.

Durch den hohen Schwerpunkt droht das Gebilde im Falle eines Erdbebens einzustürzen. Das Wehr wurde ursprünglich errichtet, um den Wasserdurchfluss für das Wasserkraftwerk zu regulieren. Heute liefert es selber auch Strom.

Alpiq beabsichtigt, das Wehr und die Umgebung für 60 Millionen Franken zu sanieren. Ohne Konzessionsverlängerung wäre eine solche Investitionen sinnlos. Der Regierungsrat hat vor kurzem grünes Licht gegeben, das letzte Wort hat der Kantonsrat (wir berichteten). Die Umwelt-, Bau- und Wirtschaftskommission des Kantonsrats (Umbawiko) hat sich für die Erneuerung ausgesprochen. Sie verlangt aber, dass auch der Veloverkehr über das Wehr gewährleistet ist. Ein entsprechender Antrag wurde von der Kommission angenommen. Der Kantonsrat wird wohl demnächst über die Konzessionserneuerung befinden.
Einsprache der Velofahrer

Das Anliegen der Umbawiko kommt nicht von ungefähr. 2012 hatte Pro Velo Region Olten (damals noch IG Velo) Einsprache gegen das Projekt erhoben und verlangt, dass die geplante Wehrbrücke mit dem Velo befahren werden darf. Auf dem Steg, der heute über das Wehr führt, gilt grundsätzlich ein Fahrverbot, an das sich im Alltag aber längstens nicht alle Velofahrer halten.

Viele Menschen fahren mit dem Velo über den Stauwehr. Stauwehr bei Olten / Winznau - Radweg - wie weiter

Viele Menschen fahren mit dem Velo über den Stauwehr. Stauwehr bei Olten / Winznau - Radweg - wie weiter

Bruno Kissling

«Die Verbindung über das Wehr ist ein wichtiger Veloweg», erklärt Rolf Bruckert, Präsident von Pro Velo Region Olten auf Anfrage. Der Weg werde von Pendlern, Schülern und Ausflüglern rege genutzt und sei im kantonalen Netzplan Velo aufgeführt. Dass der Kantonsrat den Velofahrern den Rücken stärkt, freut Bruckert. «Wir sind sehr froh, dass die vorberatende Kommission die Sache ernst nimmt.» Nach negativen Erfahrungen beim Kraftwerk Ruppoldingen – dort müssen die Velofahrer auch nach dem Neubau vom Sattel steigen – wollte der Verein beim Winznauer Wehr auf Nummer sicher gehen: «Wir wussten, das wir früh reagieren müssen», sagt Bruckert.

Entscheidend ist mitunter die Höhe des Brückengeländers. Führt ein Radweg über die Brücke, muss dieses höher sein als bei einer reinen Fussgängerbrücke. «Es geht letztlich darum, dass fahrende Velofahrer sicher aneinander vorbeikommen», erklärt Bruckert. Die geplante Wehrbrücke wäre mit einer Spurbreite von 3,8 Metern allemal breit genug dafür.
Der Regierungsrat ist auf die Einsprache von Pro Velo Region Olten nicht eingetreten, da es sich beim Verein nicht um eine kantonale Vereinigung handle und keine Legitimation zur Verbandsbeschwerde bestehe. Rolf Bruckert widerspricht. Den Entscheid des Regierungsrates anzufechten, sei aber nicht nötig, solange das Schlussresultat stimmt.

Bestätigung von Alpiq

Im Regierungsratsbeschluss von Ende Februar heisst es vielversprechend, Alpiq Hydro Aare AG habe sich bereit erklärt, das Anliegen der Velofahrer bei der Umgestaltung der Wehrbrücke «im Rahmen der Möglichkeiten» zu berücksichtigen. Auf konkretes Nachfragen bestätigt das Unternehmen: «Alpiq ist es ein Anliegen, beim Stauwehr Winznau mit der verbreiterten Wehrbrücke eine für die Region wichtige durchgängige Verbindung für Fussgänger und Velofahrer zu erstellen – ohne Fahrverbot», sagt Alpiq-Mediensprecher Guido Lichtensteiger. «Damit kann die Aare beim Stauwehr Winznau zu Fuss oder auf dem Velo bequem überquert werden.»

Neue Veloroute

Die Öffnung des Wehrs für Zweiräder könnte Auswirkungen auf das nationale Veloroutennetz haben. Heute wechseln Route 5 bzw. 8 (Mittelland- und Aareroute) kurz vor der Inselspitze die Kanalseite. Velofahrer auf dem Weg nach Olten werden über die Rankwog geführt. Die neue Verbindung soll dereinst Teil einer neuen, direkteren Streckenführung werden. Dazu braucht es aber noch weitere Anpassungen entlang der Route. Und selbst mit Blick auf eine baldige Konzessionserneuerung dauert es noch eine Weile, bis mit der Erneuerung des Winznauer Wehrs begonnen wird. Gemäss Alpiq dürfte dies nach heutigem Stand frühestens ab dem Jahr 2021 der Fall sein.