#Allesangers
Französischer Abgang

Rahel Bühler aus Walterswil ist freie OT-Mitarbeiterin und absolviert derzeit ein Austauschsemester in Angers, Frankreich. In ihrer Kolumne #AllesAngers schildert sie ihre Erfahrungen und Beobachtungen. Heute: «Au revoir France, à bientôt!»

Rahel Bühler
Rahel Bühler
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Screenshot/Google

Wir wussten alle, dass der Tag kommen wird. Aber stets schien er meilenweit entfernt. Und nun liegt er schon hinter uns, der Tag des Abschieds. Oder eher die Tage des Abschieds. Meine kanadische Mitbewohnerin ist bereits vor Weihnachten dem Ruf der Heimat gefolgt, die Austauschstudenten kehren nach und nach in ihre Heimatländer zurück, die einheimischen Kommilitonen für einen kurzen Abstecher nach Hause.

Abschiede waren noch nie mein Spezialgebiet. Aus diesem Grund hätte ich einen französischen Abgang wortwörtlich bevorzugt. Verschwinden, ohne sich zu verabschieden. Aber, wer weiss, wann man die in den vergangenen Monaten kennengelernten Freunde wiedersieht? Also kein französischer Abgang, sondern zahlreiche letzte Umarmungen, letzte «Mach’s gut»-Ausrufe und ganz viele «Wir bleiben auch in Zukunft in Kontakt, oder?» – Beteuerungen. Und ja, auch die eine oder andere Träne wurde vergossen.

Mitgenommen aus meinem fünfmonatigen Auslandabenteuer habe ich die Erkenntnis, dass die Franzosen, zumindest jene aus dem Norden, sich gar nicht so stark von uns Schweizern unterscheiden: Zuerst sind sie auch zurückhaltend und distanziert, geht man aber erst einmal auf sie zu und lernt sie besser kennen, sind sie äusserst hilfsbereit, freundlich und sympathisch.

Frei von allen Vorurteilen kann ich nun auch sagen, ja, die Franzosen wissen, wie man ein schmackhaftes Essen zubereitet und was guter Wein ist. Ich blicke zurück auf viele wertvolle Bekanntschaften, erlebnisreiche Ausflüge, spannende Unterrichtsstunden und bereichernde Gespräche. Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft ich erklären musste, dass in der Schweiz vier Landessprachen existieren und dass durchaus Unterschiede zwischen Schweizer- und Hochdeutsch gibt.

Auch weiss ich nicht, wie oft ich mit meinen Französischen Mitstudenten über Käse diskutiert habe, wir sind uns auch nach fünf Monaten nicht einig, ob das Raclette und das Fondue aus Frankreich oder aus der Schweiz stammt.

Um mich kurzzufassen: Das Austauschsemester in Angers war ein Abenteuer, und zwar eines, das sich lohnt. Da ich mittlerweile bereits einige Tage Schweizer Boden unter den Füssen habe, bleibt mir nichts anderes zu sagen als: «Au revoir France, à bientôt!»

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