Lostorf

Flüssiges Gold aus Mahren: Auf dem Bauernhof wird tüchtig Süssmost produziert

Seit bald vierzig Jahren stellt Franz Scheuber in Mahren für die Kundschaft aus der Umgebung frischen Süssmost her.

Es riecht fein, wie nach Birchermüesli, wenn man sich dem Bauernhof von Franz Scheuber nähert. Der alte Wachhund, offensichtlich auf einem Auge blind, freut sich und wedelt mit dem Schwanz. Hier, in der Idylle nahe Lostorf, stehen noch etliche alte Hochstämmer und die haben dieses Jahr sehr viele Äpfel gegeben.

«Seit Ende August klingelt das Telefon mehrmals am Tag», sagt Scheuber, «ich habe sehr viel zu tun.» Eigentlich ist er schon seit zehn Jahren pensioniert und den Hof führt schon lange sein Sohn Stefan. «Mosten will ich noch so lange, wie ich Freude daran habe.» Vor kurzem hat er die über dreissig Jahre alte Mostpresse durch das neuste Modell aus Österreich ersetzt.

Maja und Richard Marrer fahren mit fünf Harassen vor, jede gefüllt mit je etwa 25 Kilogramm gewaschenen Äpfeln. Man sieht sofort, dass da ein eingespieltes Team zusammenarbeitet. Richard Marrer stemmt die Harassen aus dem Auto und kippt die Äpfel in den grossen Trichter über dem Schredder. Ab und zu wirft er noch eine Quitte dazu. Diese runden den Geschmack ab, meint Marrer.

Das Endprodukt wird pasteurisiert

Unten kommt die Maische raus  – die geraffelten Äpfel verbreiten den Duft nach Birchermüesli. Maja Marrer und Franz Scheuber verteilen die Maische in quadratische Holzrahmen, in denen grobe Tücher liegen. Der Saft läuft literweise in den bereitgestellten Kübel, schon bevor die Presse angeschaltet wird. Immer wenn der Stapel der Holzrahmen die richtige Höhe erreicht hat, kommt er unter die Presse. An Ende hat es in den Tüchern nur noch den ausgepressten Träsch. «Den bekommen die Kühe, die haben das sehr gern», sagt Scheuber, «Abfall gibt es bei mir keinen.»

Aus den rund 125 Kilogramm Äpfeln sind in einer halben Stunde rund 100 Liter Süssmost geworden. Dann geht es zur Degustation, und ja, dieser Most hat das Prädikat «süss» verdient. Nun wird der Apfelsaft noch pasteurisiert, also ganz kurz auf 78 bis 80 Grad erhitzt, wodurch Schimmel, Hefe und Bakterien abgetötet werden, die sonst den Zucker vergären würden. Der fertige Most wird in luftdichte Plastikhüllen mit 1,5 oder 5 Litern Inhalt abgefüllt und in schmucke Kartons verpackt. «So hält der ein ganzes Jahr», garantiert Franz Scheuber. Aber der Most ist so fein, den verkauft Maja Marrer, die auch Trockenfrüchte, Gemüse, Tee, Waldpilze, Sirup, Likör, Konfitüre, Backwaren aus eigener Produktion auf dem Markt verkauft, garantiert, bevor der erste Schnee fällt.

Die Kunden kommen von weit her, aber wie viele es sind, weiss Scheuber nicht. «Manche bringen nur einen Korb, andere ein paar Harassen. Ich bin froh, wenn es nicht zu viel auf einmal ist.» Der Kantonschemiker habe bei ihm noch nie eine Lebensmittelkontrolle durchgeführt.

«Der darf ruhig kommen. Bei mir ist alles sauber und ich halte alle Hygienevorschriften ein.» Die Kundschaft habe sich auch noch nie beschwert. «Für mich selber fülle ich den Most am liebsten nach dem Pasteurisieren noch heiss in bauchige Chiantiflaschen ab», sagt Franz Scheuber, «Zapfen drauf und fertig.»

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