Sie, die Alt-Regierungsrätin, er, der Jungfreisinnige. Sie, chic gekleidet, fast ein bisschen streng wirkend, er, in verwaschenen Jeans und weissem T-Shirt. Sie, eine Viertelstunde vor Beginn schon bereit, er, in letzter Sekunde in den Saal rennend.

Am Montagabend trafen am Podium in der Bibliothek Meridian in Gretzenbach zwei Menschen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Mit Meinungen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Er, der Befürworter der No-Billag-Initiative, und sie, die Gegnerin.

Urs Huber, Redaktor dieser Zeitung, moderierte die Diskussion zwischen Esther Gassler und Mike Bader. Letzterer bekannte sich dazu, dass er nie fernsieht. Lediglich die Sendung «Southpark» schaue er sich regelmässig an, dies jedoch auf legale Weise im Internet.

Das Programm der SRG jedoch nutze er nicht. Anders sieht es aber bei Esther Gassler aus: Im Fernsehen sieht sie sich gerne die Nachrichten, «10 vor 10» oder Kultursendungen an, obwohl sie eigentlich eher Radiohörerin als TV-Konsumentin sei.

Die Alt-Regierungsrätin Esther Gassler (Kontra) und Mike Bader (Pro) kreuzten zum heiss diskutierten Thema die verbalen Klingen.

Die Alt-Regierungsrätin Esther Gassler (Kontra) und Mike Bader (Pro) kreuzten zum heiss diskutierten Thema die verbalen Klingen.

Nur zahlen, was man nutzt?

Auch wenn ihr nicht jedes Programm gefalle und sie nicht alles nutze, zahle sie gerne für das Gesamtpaket der SRG. Für Bader war aber klar: «Was ich nicht nutze, will ich nicht zahlen.»

Gassler jedoch sah den Punkt in diesem Argument nicht. «Meine Kinder gehen nicht mehr zur Schule, ich fühle mich gesund, und diese Strassen befahre ich auch nicht oft.» Trotzdem zahle sie via Steuern für Schulen, Spitäler und Strassen. Ähnlich sehe sie es mit der SRG.

Den Baum fällen?

Doch Bader sah darin, etwas zu zahlen, was er nicht nutzt, nicht das einzige Problem. «Die SRG ist wie ein riesengrosser Baum», verglich er. «Unter diesem Baum wächst nichts mehr. Es kommt kein Licht mehr durch, kein Wasser.» Würde der Baum gefällt, könnte Neues und Besseres entstehen und gedeihen. Und dafür wäre er gerne bereit, zu zahlen, sofern er seine Programme und Pakete selber auswählen kann und nicht unter Kaufzwang steht.

Mit Baders Plädoyer für Pay-TV konnte Gassler jedoch erneut nichts anfangen. Die Themen, welche ihrer Meinung nach mit Pay-TV funktionieren: «Filme, Sport und Pornos.» Für neutral berichtete Nachrichten, politische Sendungen oder Kulturprogramme sehe sie da jedoch keine Chance: «Das lohnt sich wirtschaftlich gesehen einfach nicht.»

Ausserdem erwähnte die Alt-Regierungsrätin einen Punkt, welcher in der Billag-Debatte oft unerwähnt bleibe: «Wir dürfen einfach nicht vergessen, dass wir mit einem Ja ein Unternehmen an die Wand fahren würden. Mit allen Konsequenzen.»

Die hitzige und teils auch emotionale Diskussion endete mit Fragen aus dem Publikum, die hauptsächlich dem Jungfreisinnigen galten, und den Schlussworten, in welchen die Kontrahenten ihre Meinung zusammenfassten.