Dulliken
Feuerwehr in rotes Licht gerückt

Die ehemalige Internetseite der Ortsfeuerwehr Dulliken wird von einem Unbekannten missbraucht.

Kelly Spielmann
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Screenshots der ehemaligen Feuerwehr Dulliken Website
7 Bilder
Anleitung wie wird man Feuerwehrmann, das Bild ist eine alte Aufnahme der Feuerwehr Dulliken
Anleitung Teil 2 - altes Bild der Feuerwehr Dulliken, einige Fahrzeuge haben sie nicht mehr.
Eintrag zur Zürcher Sexszene
Einträge zu alten Events der Feuerwehr, die Bilder gehören der Feuerwehr Dulliken
Einträge zu alten Events der Feuerwehr, die Bilder gehören der Feuerwehr Dulliken
Ein Tag im Leben eines Feuerwehrmanns, altes Bild der Feuerwehr Dulliken

Screenshots der ehemaligen Feuerwehr Dulliken Website

Screenshot Website www.feuerwehr-dulliken.ch

Internetnutzer, welche sich zurzeit über die Dulliker Feuerwehr informieren möchten, staunen wohl nicht schlecht, wenn sie die Website www.feuerwehr-dulliken.ch öffnen. Die Seite, welche bis vor zwei Tagen auf der Homepage der Gemeinde Dulliken als offizielle Adresse der Feuerwehr verlinkt war, zeigt sich nämlich als eher ungewöhnlich: Verwirrende, anzügliche Inhalte sowie eine fehlerhafte Sprache prägen die ganze Seite.

Unprofessionelle Einträge

Unter diesen findet sich beispielsweise das tragische Feuerwehrunglück in Gretzenbach, welches 2004 den Tod von sieben Feuerwehrmännern forderte. Im Eintrag werden weder das Datum noch der Ort des Unglücks spezifiziert, der Leser erhält somit den Eindruck, dass das Unglück erst kürzlich in Dulliken stattgefunden habe.

Weiter enthält die Seite beispielsweise eine konfuse Anleitung, wie man Feuerwehrmann werden kann: «Man muss sich sehr viel Mühe mit praktischen Arbeiten geben, und auf einer guten Uni landen. Dort muss man dann so viel Chemie und andere Wissenschaften und Kurse belegen die mit Feuer zu tun haben, wie es möglich ist.

Nie aufgeben, denn das tun sie nicht, und wenn doch, dann sind sie keine Helden mehr», wird der Weg zur Feuerwehr erklärt. Konkrete und hilfreiche Tipps für Interessierte lassen sich jedoch keine finden.

Auf dem Seitenkopf prangt der Slogan «Unsere Freizeit für ihre Sicherheit». Dem Thema Freizeit wird hier ein grosser Stellenwert zugesprochen, und so wird es auch weiter unten auf der Homepage wieder aufgenommen, und zwar beim Eintrag «Wie verbringen Feuerwehrmänner ihre Freizeit?» Dies dürfte wohl der verblüffendste der ganzen Website sein, denn die erwarteten Freizeitbeschäftigungen eines Feuerwehrmanns lassen sich hier definitiv nicht finden.

Stattdessen folgt unter dieser Frage ein ausführlicher Text über die «Sex Zürich Szene» und die rege Aktivität der Feuerwehrmänner in dieser. Von den Massagekünsten der «Sex Zürich Damen» bis zur Entspannung, die das Erlebnis bietet, ist jedes Detail peinlich genau erklärt. «Um sich aber das Sex Zürich Erlebniss zu holen, mussen die Feuerwehrmänner zuerst sehr streng arbeiten und sich die freien Tage verdienen.

Das lohnt sich aber, nicht nur weil sie Leben retten, sondern auch weil sie später dann die Gesellschaft der wunderbaren Sex Zürich Damen geniessen können. Diese Frauen lieben es wenn diese Männer dort kommen, weil sie so stark sind und weil sie unglaubliche Geschichten haben», steht beispielsweise auf der Website.

Weitere Abschnitte zur Zürcher Sexszene zeigen die mangelhafte Sprache gut auf: «Den Feuerwehrmänner ist dann dies besser als Tage verbracht am Meer, denn die Gesellschaft anderer und besonders so schöner Frauen ist das was einen erholt», heisst es im nächsten Abschnitt.

Da kommt schnell die Frage auf: Handelt es sich hier wirklich um die offizielle Website der Dulliker Feuerwehr? Einige Aspekte sprechen auf den ersten Blick dafür: Der Name der Website, das offizielle Logo der Feuerwehr Dulliken, die zweimalige Nennung der Feuerwehr Dulliken im Seitenkopf sowie die Begrüssung «Herzlich willkommen auf der Homepage der Feuerwehr Dulliken».

Weiter sind reale Ereignisse, Personen und Bilder, die zur Feuerwehr gehören, auf der Seite zu finden und auf der Homepage der Gemeinde war diese Seite verlinkt. Deutlich gegen die Echtheit der Seite sprechen jedoch die mangelnde Qualität, Professionalität und vor allem die Inhalte der meisten Einträge.

Feuerwehr distanziert sich

Die Feuerwehr Dulliken weist jegliche Mitarbeit an der Website deutlich von sich: «Damit haben wir absolut nichts zu tun», erklärt Roger Fluri, Fourier und Administrator der Feuerwehr, auf Anfrage. Er selbst hat die Inhalte der Seite zum ersten Mal gesehen, als er von dieser Zeitung kontaktiert wurde.

«Selbstverständlich haben wir davon nichts gewusst, sonst hätten wir längst etwas dagegen unternommen», so Fluri weiter. Dass die Seite mit der Domain www.feuerwehr-dulliken.ch früher die offizielle Website der Dulliker Feuerwehr war, bestätigt er jedoch: «Wir haben aber bereits vor einiger Zeit an einer Kommissionssitzung beschlossen, die Seite aufzulösen und nur noch unsere Lodur-Seite zu verwenden. Weshalb die alte Seite noch online ist, kann ich mir nicht erklären.»

Nach einigen Abklärungen konnte Roger Fluri bestätigen, dass die Seite korrekt gekündet wurde und seit Mitte dieses Jahres nicht mehr der Feuerwehr Dulliken gehört. Eine zurzeit noch unbekannte Person hat die Domain zwischenzeitlich erworben.

Wie diese Person an die Bilder der Feuerwehr Dulliken gelangen konnte, sei ihm jedoch unklar: «Wir gehen aber von einem Fall von Internetkriminalität aus, also, dass wir gehackt wurden.» Die Feuerwehr habe sofort die Zusammenarbeit mit der Polizei eingeleitet, um die Sache aufzuklären.

Die Polizei konnte auf Anfrage aus Datenschutzgründen keine Angaben zum Fall machen. Auch mit der Gemeinde habe Fluri sogleich Kontakt aufgenommen. «Das ist ein grober Imageschaden. Für die Gemeinde Dulliken, für die Feuerwehr und für all ihre Mitglieder», so der Fourier enttäuscht. «Das wird definitiv ein Nachspiel haben», fügt er an.

Die Gemeinde Dulliken distanziert sich ebenfalls klar von den Inhalten der Homepage. So erklärt Walter Rhiner, Gemeindepräsident Dullikens, dass auch er von den Inhalten nichts gewusst habe: «Wir haben die Seite zum ersten Mal gesehen, als Roger Fluri uns deswegen kontaktiert hat, und sofort reagiert. Der Link wurde von unserer Website entfernt.»

Urheber unbekannt

Wer hinter den unprofessionellen, rufschädigenden Inhalten der Seite steckt, ist sowohl der Feuerwehr als auch der Gemeinde noch nicht bekannt. Von dieser Zeitung konnte der Name Eric Herz als Besitzer der Seite ausfindig gemacht werden, dabei handelt es sich jedoch mit grosser Wahrscheinlichkeit um einen Ðecknamen.

Der Urheber der Seite verwischt seine Spuren im Internet durch das Verwenden verschiedener Server und Standorte in diversen Ländern. Somit ist unklar, um wen es sich tatsächlich handelt.

Was jedoch feststeht: Jemand hat viel Zeit und Mühe investiert, um die Feuerwehr Dulliken in ein schlechtes Licht zu rücken. Die Verwendung der Bilder, welche der Feuerwehr gehören, die Informationen über Ausflüge und Events der Feuerwehr Dulliken sowie die Mühe, die investiert wurde, könnten darauf hinweisen, dass es sich um jemanden handelt, der selber Mitglied der Feuerwehr ist oder war. Ob dies tatsächlich der Fall ist und ob persönliche Gründe dahinter stecken, bleibt jedoch offen.