Lostorf

Ferienpässler backen grosse Spitzbuben

In der Bäckerei Bachmann in Lostorf sind 24 kleine Hände mehr am Werk. Der Bäcker, Marco Bachmann, öffnet seine Backstube für den Ferienpass.

Schon wenn man in die Bäckerei Bachmann und das «Kafi mit Härz» in Lostorf reinkommt, hört man leises Gekicher, das aus der Bachstube kommt. Marco Bachmann seine Backstube für Kinder, die sich für den Ferienpass angemeldet haben, geöffnet.

In der Backstube ist es trotz Regen heiss. Es duftet süsslich nach Hefeteig. Die Kinder sind dabei ihren eigenen Riesen-Spitzbub zu gestalten. «Einige sind richtig kreativ», sagt Bachmann sichtlich vergnügt. Zuerst haben die Kinder eine kleine Zopf-Figur gemacht — der Hefeteig ruht jetzt und verströmt den angenehmen Duft. Nun sind sie dabei, Augen und Münder aus dem Teig auszustechen. Manches ausgestochene Auge wandert sofort in die Münder der Jungbäcker.

Ferienplausch Profis im «Kafi mit Härz»

Bachmann weiss, was mit den Kindern funktioniert, denn er ist fast schon ein Ferienpass-Profi. «Ich mache das schon ungefähr seit 14 Jahre», meint der Bäcker. Er wurde damals angefragt und hatte Freude daran. Auch die Kinder gehen gerne in die Bäckerei. So konnten dieses Jahr nicht alle Kinder dabei sein, die mitmachen wollten. «Wir hatten bis zum Schluss Kinder auf der Warteliste», sagt Claudia Büchler von der Interessengemeinschaft Eltern und Erzieher Lostorf (IGEEL).

Das Konzept des Ferienpasses wurde erstmals 1978 von Pro Juventute ins Leben gerufen. Das Ziel war, dass die Kinder in den Ferien eine sinnvolle Beschäftigung hatten, die für alle Eltern erschwinglich ist. Noch heute müssen die Kinder in Lostorf, Stüsslingen und Rohr nur 30 Franken für den Pass bezahlen. Damit können sie in der letzten Sommerferienwoche so viele Angebote besuchen, wie sie wollen. Sie können sich jeden Mai bis im Juni für die gewünschten Aktivitäten anmelden. Die IGEEL nutzt die Buchungsplattform von Pro Juventute. «Viele Anbieter verlangen kein Geld oder nur die Deckung der Unkosten für die Ferienangebote», erklärt die Ferienpassverantwortliche Daniela Frey. So auch die Familie Bachmann, die einmal im Jahr ehrenamtlich die Türen für die Kinder öffnen.

Die ganze Familie hilft mit

Heute ist die ganze Familie Bachmann eingespannt, wenn die Ferienpläuschler kommen: Auch die Kinder Vivien (17) und Tim (14) helfen mit. Denn es gibt auch Zeiten, wenn die Kinder nichts zu tun haben und darauf warten, dass die Bleche aus dem Ofen kommen. Dann testen die Jugendlichen die Kinder, was sie an diesem Morgen gelernt haben. Dabei lauschen die Kinder aufmerksam und versuchen die richtigen Antworten zu geben.

«Früher haben wir auch beim Ferienpass mitgemacht, mussten uns halt einfach nicht anmelden», sagt Tim. Jetzt helfen sie gerne mit. «Es sind sowieso Ferien», meint Vivien, die ihren Freund Adrian auch gleich mitgenommen hat.

Drehende Maschinen, heisse Bleche und neugierige Kinder

«Wir haben klare Regeln hier in der Backstube, an die sich die kleinen Besucher halten müssen», erklärt Bachmann. Denn die heissen Bleche oder die Maschinen können für die Kinder gefährlich sein. Bei ihm sei aber noch nie etwas schlimmes passiert. Einzig würde es den Kleinen in der Backstube manchmal zu heiss werden oder ein Spitzbub ginge in Brüche, meint der Bäcker. Er will aber aus Sicherheitsgründen nicht mehr als zwölf Ferienpässler bei sich in der Backstube haben und hat deswegen eine Anzahlbeschränkung.

Die Kinder haben nun ihren Spizbub fertig entworfen und gehen zum Z’nüni in das «Kafi mit Härz». Jetzt schaut Myriam Bachmann, die Frau des Bäckers, dass alle Kinder ein Getränk und ein Schoggibrötli haben. Obwohl die meisten Mini-Bäcker den Bauch voller Spitzbuben-Teig haben, wird auch der Z’nüni verschlungen.

Wer hat den schönsten Spitzbub?

Wieder zurück in der Backstube geht es um die Kür des schönsten Spitzbuben. Die Jury — Tim und Adrian — bewerten die Kreationen. Schwer fällt es ihnen bei der harten Konkurrenzt, aber zum Schluss steht fest: Keitas Kreation hat den ersten Preis gewonnen. Sie erklärt: «Das ist ein lieber Teufel». Der grosse Spitzbub hat kleine Hörner und schaut den Betrachter mit Herzaugen an. Sein Grinsen zeigt zwei kleine Zähne.

Zum Schluss geht schon der erste Spitzbub in Brüche. Bachmann hilft dem Mädchen, ihn wieder zusammenzusetzen. «Essen kann man in trotzdem noch», meint er tröstend zum unbekümmerten Kind. Jetzt geht es darum zusammenzuräumen. «Ja, es ist schon ein Aufwand», bestätigt der Bäcker. Denn während den vier Stunden, in denen die Kinder bei ihm seien, könne er halt nicht produzieren. Aber Spass machte es allemal.

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Autorin

Judith Frei

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