«Die Praxis bleibt ferienhalber geschlossen», heisst es momentan auf den Websites und in den Inseraten von Ärzten der Region. Zum Auftakt der Grippesaison verreisen viele Ärzte und lassen ihre Patienten teilweise ohne konkrete Anhaltspunkte zur Vertretung zurück.

Vier fehlende Ärzte im Gäu

Im Gäu/Untergäu handelt es sich um vier Arztpraxen, welche während der ersten zwei Oktoberwochen geschlossen sind: Praxis Lindehuus in Kappel (30. September bis 16. Oktober), Markus Stampfli in Kappel (2. bis 23. Oktober), Hans von Greyerz in Kestenholz (29. September bis 9. Oktober) sowie die Gruppenpraxis Michael Wyss, Stefanie Gissler und Mercedes Plattner in Neuendorf (30. September bis 16. Oktober).

In den Inseraten der jeweiligen Praxen wird als Stellvertretung auf «die Ärzte der Region», «die Kollegen im Gäu» oder «nach Möglichkeit die Ärzte der Umgebung» verwiesen. Bei den vielen geschlossenen Praxen dürfte es jedoch schwierig werden, in der Region überhaupt einen Arzt zu finden, welcher verfügbar ist.

Zwei der Praxen konnte diese Zeitung kontaktieren. Bei beiden wusste niemand davon, dass in der Region zur gleichen Zeit so viele Ärzte in den Ferien sind. Eine spezifische Vertretung wurde nicht organisiert.

Von beiden Praxen wird empfohlen, bei Konsultationen die Ärzte der Region zu kontaktieren. In dringenden Fällen schlagen sie einen Anruf bei der Notfallnummer vor, um zu erfahren, wer in der Region Dienst leistet. In schlimmen Notfällen oder bei Kindern wird auf das Kantonsspital Olten verwiesen.

In der Region Niederamt machen noch mehr Ärzte Ferien: Insgesamt sind sechs Praxen geschlossen. Während der ersten zwei Wochen des Oktobers sind dies die Praxen von Ronald Schrenk, Obergösgen (30. September bis 16. Oktober), Felix Lutz, Niedergösgen (3. bis 15. Oktober), Jean-Pierre Grob, Dulliken (1. bis 17. Oktober), und die Frauenarzt-Praxis René Riedo, Schönenwerd (30. September bis 14. Oktober).

Während der zweiten und dritten Oktoberwoche sind zusätzlich die Praxen von Reto Häfeli, Schönenwerd (7. bis 22. Oktober), und Friedrich und Judith Husi, Winznau (8. bis 24. Oktober), geschlossen.

Stellvertretung organisiert

Auch im Niederamt wurden einige der Arztpraxen von dieser Zeitung kontaktiert. Die Organisation gelang etwas besser als im Gäu, denn das Problem war den Ärzten bekannt. Wegen des Herbstferienbeginns sei es fast jedes Jahr der Fall, dass die Ärzte der Region gleichzeitig in die Ferien gehen.

Die Praxen von Schrenk und Lutz haben jedoch für eine Stellvertretung gesorgt: René Lacher in Niedergösgen wird, sofern möglich, für die Patienten der beiden Ärzte verfügbar sein. Ansonsten wird auch hier auf die Notfallnummer oder die Kantonsspitäler in Olten oder Aarau verwiesen.

Der Grund, wieso viele Praxen derzeit geschlossen sind, sind die Herbstferien, welche von heute Montag bis zum 21. Oktober dauern. Philipp Bläsi ist Hausarzt und ehemaliger Präsident des Vereins «Regionale Ärztegesellschaft Olten/Gösgen/Gäu», der im November 2015 aufgelöst wurde.

Er erklärt, weshalb dieses Problem jedes Jahr wieder vorkommt: «Viele der Angestellten sowie der jungen Ärzte haben Kinder, diese müssen halt während der Schulferien freinehmen.» Das sei jedoch schon immer so gewesen. Was in den letzten Jahren schwieriger wurde, sei lediglich, eine Vertretung zu finden.

«Es gibt immer weniger Hausärzte. Besonders der Nachwuchs fehlt. Die jungen Mediziner spezialisieren sich meist, nur wenige wollen Hausärzte werden», erklärt Bläsi. «Dies macht es schwer für die Zeit, in der man weg ist, eine Stellvertretung zu finden.» Das sei die Realität, und in einigen Jahren werde dieses Problem noch viel schlimmer werden», fügt der Hausarzt hinzu.