#AllesAngers
Feiern ist Familiensache

Rahel Bühler aus Walterswil ist freie OT-Mitarbeiterin und absolviert derzeit ein Austauschsemester in Angers, Frankreich. In ihrer Kolumne #AllesAngers schildert sie ihre Erfahrungen und Beobachtungen. Heute: Die Festtage à la Angers.

Rahel Bühler
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Die Festtage sind vorbei, die Studenten bevölkern die Universitätsbibliotheken, die restliche Bevölkerung erfreut sich am postweihnächtlichen Ausverkauf. Auch die kleinen Lautsprecher, die während der Adventszeit Weihnachtslieder oder nach dem Tod von Johnny Hallyday Songs des französischen Kultrockers gespielt und damit die ganze Innenstadt beschallt haben, sind verschwunden.

Das Einzige, was noch ansatzweise an Weihnachten erinnert, ist die übertrieben kitschige Weihnachtsbeleuchtung in der Stadt. Man kombiniere goldene und silberne Lämpchen, packe sie in einen künstlichen Weihnachtsbaum und stelle ihn mitten in der wichtigsten und meistbefahrenen Strasse der Stadt auf.

Voilà, fertig ist sie, die Weihnachtsbeleuchtung à la Angers. Ansonsten feierten die Franzosen Weihnachten sehr stilvoll, zumindest, was ich mitbekommen habe: Es gibt Austern, Entenleber und Wein, natürlich französischen – so wie es sich gehört. Mit dem Silvester scheinen die Angeviner hingegen nicht viel am Hut zu haben: Die Stadt – mit ihren 150'000 Einwohnern so gross wie Bern – wirkte wie ausgestorben am 31. Dezember: Die meisten Restaurants und Bars waren geschlossen, Feuerwerk (nicht mal ein Privates) war nirgends zu erspähen, eine offizielle Feier gab es nicht, nur wenige Menschen haben sich auf dem Nachhauseweg gegenseitig ein «Bonne année» gewünscht.

Was war passiert? Diese Frage habe ich mir in den letzten Tagen immer wieder gestellt. Natürlich, in Walterswil gibt es auch kein offizielles Neujahrsfeuerwerk, nur ganz viele Raketen, Frauenfürze und Böller. Aber jede grössere Stadt in der Schweiz hat irgendwelche offiziellen Silvesterfeierlichkeiten.

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Eine logische Antwort wäre wahrscheinlich die folgende: Angers hat 150'000 Einwohner, 35'000 davon sind Studenten. Die fallen alle schon mal weg, weil sie zu Hause in der Normandie oder der Bretagne bei ihren Familien die Feiertage verbringen. Und der Rest? Auch der feiert lieber im vertrauten Heim mit der Familie, als draussen in der windigen Kälte irgendwelchen Fremden zuzuprosten. Franzosen sind Familienmenschen, durch und durch.

Was zurückbleibt von den Festtagen? Der hässlich-kitschige Weihnachtsbaum an der Hauptstrasse, ein paar verlassene Chalets, die seit dem Ende des Weihnachtsmarktes stets noch herumstehen, und neuerdings auch Nebel, ganz viel dicker Nebel. Es kommt mir schon fast wie zu Hause vor.

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