Ueli Schenk geniesst die EM in Frankreich live vor Ort. Für nicht weniger als acht Spiele hat sich der Präsident des FC Dulliken Tickets besorgt. England – Russland, Portugal – Island, Spanien – Türkei, Island – Ungarn sowie Ukraine – Polen haben Schenk und seine Begleiter bereits gesehen. Heute Abend steht noch die Affiche Ungarn gegen Portugal an, und nächste Woche eine Achtelfinal- (27. Juni) sowie eine Viertelfinal-Partie (30. Juni).

Ueli Schenk, Sie sehen innert knapp drei Wochen acht EM-Spiele. Woher haben Sie die Tickets?

Alle Tickets sind vom offiziellen Ticket-Portal der UEFA. Das Suchen und das Planen haben unzählige Stunden gedauert.

Nach welchen Kriterien suchten Sie die Spiele aus? Wieso ist kein Match der Schweizer Nati dabei?

Da ich bereits vor zwei Jahren für diese drei Wochen das Ferienhaus in Südfrankreich gemietet hatte, wählte ich die Spiele aus, die in der Nähe stattfinden. Die Schweiz spielte in der Vorrunde zu weit im Norden. Falls die Nati in die Viertelfinals kommt, werde ich sie in Marseille sehen.

Welches war bis jetzt das beste Spiel, das Sie im Stadion miterlebt haben?

Das attraktivste Spiel war Island gegen Portugal. Beide Mannschaften gaben von der ersten Minute an Vollgas und die Stimmung im Stadion war während der gesamten neunzig Minuten genial. Die grösste Fandelegation stellten bisher die Ungarn.

Wo verfolgen Sie die übrigen EM-Spiele?

An den Spieltagen in Marseille sahen wir die Spiele vor oder nach unserem Live-Match jeweils in unserem Stammlokal direkt in der Stadt, die übrigen in unserem Ferienhaus. Dank eines Beamers schauen wir alle Spiele im Grossformat. Das Haus in Néoules in der Provence gehört meinem Freund Walter Müller, der ebenfalls mal Präsident des FC Dulliken war.

Wer begleitet Sie?

Heinz Sansonnens, der Kassier des FC Dulliken. Die ersten zehn Tage war Otto Mühle aus Härkingen mit dabei, und am Wochenende besuchte uns meine Tochter Rahel.

Wie ist die Stimmung in Frankreich?

In unserem Dorf ist wenig zu spüren von der EM. Vor und in den Stadien herrscht dafür eine tolle Atmosphäre. Fans verschiedener Länder singen und feiern gemeinsam.

Was haben Sie von den Ausschreitungen mitbekommen – vor allem ums Spiel England – Russland, das Sie im Stadion mitverfolgten?

Es geht mehrheitlich friedlich zu und her. Vor den Stadien habe ich bis jetzt zum Glück noch keine wüsten Szenen gesehen. Die Angriffe der russischen Fans erlebte ich live im Stadion mit. Das Ganze verlagerte sich aber schnell in die Stadiongänge. Diese Bereiche wurden von der Polizei sofort abgesperrt. Wegen dieses Zwischenfalls erreichten wir unser Auto zirka zwei Stunden zu spät. Nur durch Zufall gerieten wir danach nicht in die Ausschreitungen am alten Hafen von Marseille.

Ist die Terrorgefahr spürbar?

Eigentlich nicht. Mir ist zwar bewusst, dass jederzeit etwas passieren kann. Ich lasse mir meine Freude am Fussball und der EM aber nicht nehmen, indem ich die ganze Zeit an mögliche Anschläge denke. Bis jetzt genoss ich jeden Tag.

Zurück zum Sportlichen: Wer wird Europameister 2016?

Den besten Eindruck haben bis jetzt die Spanier hinterlassen. Sie sind eingespielt und technisch auf einem hohen Niveau. Mit Iniesta hat Spanien zudem einen genialen Regisseur in seinen Reihen.

Was liegt für die Schweizer Nati drin?

Nach den schwachen Vorbereitungsspielen haben mich die Schweizer in der Gruppenphase positiv überrascht. Wenn sie es schaffen, schneller und gezielter in den Abschluss zu kommen, liegt der Vorstoss in die Viertelfinals drin.

Am 30. Juni sehen Sie Ihr letztes Spiel vor Ort. Wissen Sie schon, wo Sie den Final mitverfolgen?

Daheim in Wangen in meinem Gartenhaus. Ich werde wieder mein EM-Stübli einrichten und Freunde einladen.