Während die Detailhändler längst verlängerte Öffnungszeiten eingeführt haben, gibt es in der Kinderbetreuung kaum Lösungen für Eltern, die nachts, an den Wochenenden oder bis spät abends arbeiten müssen. Ein Projekt will dies ändern. Und damit ein Leuchtturm im Niederamt werden. Deshalb heisst das Vorhaben auch: «Leuchtturm-Insel».

«Wir sehen noch Lücken in der Kinderbetreuung in der Region», erklärt Eva Wegmüller. Die Sozialpädagogin arbeitet auf der Fachstelle für Diakonie und soziale Arbeit im Pastoralraum Niederamt. Und sie ist Präsidentin des Vereins «Leuchtturm-Insel», der im Januar 2019 gegründet wurde.

«Bedürfnis im Niederamt ist gross»

In ihrer Tätigkeit auf der Fachstelle kommt Wegmüller nach eigenen Angaben immer wieder in Kontakt mit alleinerziehenden Müttern oder Familien, die Hilfe bei der Kinderbetreuung brauchen. «Das Bedürfnis nach einer Kinderbetreuung mit erweiterten Öffnungszeiten und günstigen Preisen ist im Niederamt definitiv gross», erklärt die Huttwilerin.

Gerade die Gemeinde Dulliken sei diesbezüglich «ein Brennpunkt». Die Statistik zeige einen recht hohen Anteil an eingeleiteten Kindesschutzmassnahmen wegen mehrfachbelasteten Familien und alleinerziehenden Elternteilen. Zudem weise Dulliken mit etwa 44 Prozent einen recht grossen Anteil an ausländischen Staatsbürgern auf.

Pfarrhaus in Dulliken wird Familienhaus

Der Verein «Leuchtturm-Insel» plant deshalb ein Familienhaus: Dort werden eine Kindertagesstätte (Kita), eine niederschwellige Beratungsstelle für Familien-, Kinder- und Jugendthemen, ein Job-Coaching für Jugendliche sowie begleitete Besuchstage für getrenntlebende Eltern angeboten. «Die Kita wird unser Kernangebot sein. Wir wollen während 24 Stunden pro Tag sowie auch an den Wochenenden die Betreuung von Kleinkindern ab drei Monaten und von Kindergarten- und Schulkindern ermöglichen», erklärt Wegmüller weiter. Ein solches Angebot gebe es schliesslich noch nicht, weder im Niederamt noch allgemein im Kanton Solothurn.

Als Standort werden die oberen Stockwerke des römisch-katholischen Pfarrhauses in Dulliken dienen. «Als wir hörten, dass dieses bald leer stehen wird, konnten wir unser Projekt konkretisieren», so Wegmüller.

«Wir werden sicher günstiger sein als andere Kitas»

Die Angebote im Familienhaus sollen denn auch für alle Familien erschwinglich sein. Wegmüller erklärt: «Wir werden sicher günstiger sein als andere Kitas. Denn wir wollen auch für Familien mit kleineren finanziellen Ressourcen zugänglich sein.»

Ausserdem will der Verein Arbeitsplätze schaffen: Im Familienhaus werde es Fachstellen, Praktikums- und Ausbildungsplätze geben. «Aber wir zählen auch auf freiwillige Mitarbeitende», so Wegmüller.

Im Sommer startet der erste Teil des Projekts

Noch befindet sich das Projekt «Leuchtturm-Insel» in einem Vorstadium: «Wir arbeiten nun seit vergangenem Herbst daran. Unser Ziel ist es, im Sommer mit einer schlanken Version unseres Vorhabens starten zu können», sagt die Sozialpädagogin. Bis Ende Jahr darf der Verein die Liegenschaft in Dulliken kostenlos nutzen.

In der Wohnung im oberen Stock des Pfarrhauses werde ab Sommer 2019 die Betreuung durch eine oder mehrere Tagesmütter für rund fünf Kinder pro Tag angeboten. Bis das Familienhaus als Ganzes starten kann, brauche es noch diverse Abklärungen: Die Finanzierung müsse noch geklärt werden, für die Eröffnung einer Kita müssen die kantonalen Bestimmungen erfüllt sein. Auch stehen die Baubewilligungen für kleinere Umbauten in den Räumlichkeiten und die Erstellung eines neuen Spielplatzes noch aus. Ausserdem ist der Verein derzeit im Gespräch mit den umliegenden Gemeinden. Wegmüller: «Im Januar 2020 wollen wir das Familienhaus eröffnen.»

Weitere Informationen zum Projekt «Leuchtturm-Insel» finden Sie unter diakonie-niederamtsued.ch.