Erlinsbach SO

Etwas Schönes darf etwas kosten – 1 Million Franken für Aufwertung des Dorfplatzes

Nicht nur umbauen, sondern abreissen und neu bauen: Erlinsbach SO will mit dem Gebäude Dorfplatz 2 (Mitte, beide Teile) sein geschütztes Dorfbild aufwerten.

Nicht nur umbauen, sondern abreissen und neu bauen: Erlinsbach SO will mit dem Gebäude Dorfplatz 2 (Mitte, beide Teile) sein geschütztes Dorfbild aufwerten.

Die Gemeindeversammlung von Erlinsbach SO bewilligt 1 Million Franken zusätzlich für einen Neubau am Dorfplatz 2.

Erlinsbach SO nimmt sein Ortsbild von nationaler Bedeutung ernst: Die Gemeindeversammlung ist dem Gemeinderat in der Absicht gefolgt, das kürzlich erworbene Gebäude Dorfplatz 2 nicht wie geplant nur teilweise umzubauen, sondern als ganzes komplett neu zu bauen. Es soll «etwas Schönes» entstehen, hiess es.

Im November hatte die «Gmeind» dem Kauf der Liegenschaft für 680 000 Franken zugestimmt. Im Februar wurde dann in einer Urnenabstimmung der Totalumbau (oder die Sanierung) des westlichen Gebäudeteils für 1,5 Mio. Franken bewilligt, mit Einbau einer Arztpraxis. Nach einer Expertenprüfung durch Petri Zimmermann (Zimmermann Architekten, Suhr) erweiterte der Gemeinderat aber nachträglich seinen Fokus auf das ganze Gebäude.

Aufwerten und attraktiver machen

Das Bauernhaus mit Ökonomieteil war 1967 zu einem Coop-Laden umgenutzt worden und verlor dabei seine ursprüngliche Identität. «Da mit dem Umbau in den 1960er-Jahren die Fassaden gar banal geworden sind und von der alten Bausubstanz nicht mehr viel vorhanden ist, würden wir es sehr begrüssen, wenn die Chance genutzt wird, mit einem qualitätvollen und sorgfältig in die Situation eingefügten Ersatzbau die nordseitige Platzfront gestalterisch aufzuwerten und so dem Dorfplatz wieder mehr Attraktivität zu geben», schrieb Markus Schmid von der Fachstelle Ortsbildschutz im Solothurner Amt für Raumplanung der Gemeinde.

Der Gemeinderat entschied sich deshalb für die Variante Gesamt-Neubau für 2,5 Mio. Franken, was einen Zusatzkredit von 1 Mio. Franken nötig machte. Mit der Arztpraxis und einem Gewerberaum im Erdgeschoss sowie neu 4 Wohnungen im Obergeschoss und im Dach rechnete der Antrag mit einer Bruttorendite von 5,67 Prozent.

Die Frage «Warum klärt man das erst jetzt ab?» lag auf der Hand. «Man darf ja klüger werden», entgegnete Gemeindevizepräsident Hans Jürg Müller. «Der Gemeinderat möchte eine gefreute Sache. Das kostet halt auch etwas.» Marcel Fehr, der seinerzeit schon das erste Projekt bekämpft hatte, zweifelte die Rendite an und vermisste eine «Finanzierungsvorlage mit Hand und Fuss». Die meisten Voten unterstützten aber das Neubauvorhaben.

Fehrs Nichteintretensantrag wurde mit grossem Mehr gegen 24 Stimmen abgelehnt. Danach stimmte die Versammlung mit 63 gegen 17 Stimmen dem Zusatzkredit von 1 Mio. Franken deutlich zu.

Auch noch Dorfplatz 4 kaufen?

Doch am ortsbildgeschützten Dorfplatz ist noch mehr in Bewegung. Unter «Verschiedenem» verblüffte Gemeindepräsident Markus von Arx die Anwesenden mit der Mitteilung, Ende März habe der Besitzer der ehemaligen Metzgerei Stierli am Dorfplatz 4 (jetzt Café und Kleidergeschäft) ein Verkaufsangebot an die Gemeinde gerichtet. «Das wäre eine weitere Chance», meinte von Arx und wollte mit einer Konsultativabstimmung die Verhandlungsbereitschaft des Souveräns testen. 45 Ja gegen 27 Nein bei 15 Enthaltungen wurden gezählt. «Der Gemeinderat wird mit dem Besitzer Verhandlungen aufnehmen», versprach der Gemeindepräsident, beruhigte aber: «Umbauen werden wir es nicht.»

Die Gemeinderechnung 2016, die mit einer «roten Null» schliesst (siehe Tabelle) gab zu keinen Fragen Anlass, erst recht nicht die Rechnung der Forstbetriebsgemeinschaft Gösgeramt, die Erlinsbach SO einen Gewinnanteil von rund 55 000 in die Kasse spülte. Viele Informationen des Gemeinderats, aber auch Fragen aus der Versammlung gab es unter Verschiedenem: So zur Bevölkerungsumfrage, zur Zukunft der Post, zum gefährlichen Schulweg der Primarschüler wegen des Umbaus des Schulhauses Mühlematt, zum schlechten Belag der Saalhofstrasse anschliessend an den neuen Bachdurchlass oder zu Vandalismus bei der Grillstelle Platte.

Dann war die Zeit gekommen, dass sich Markus von Arx an seiner letzten Gemeindeversammlung für das Vertrauen in seinen 12 Jahren als Gemeindepräsident bedankte. «Ein Zurückpfeifen durch die Gemeindeversammlung ist für mich gelebte Demokratie, das habe ich nie als Niederlage empfunden», sagte er unter Applaus. Dann gings zum Grill-Imbiss hinaus auf den Dorfplatz von nationaler Bedeutung.

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Autor

Christian von Arx

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