Hauenstein
«Es gibt sicher nicht mehr ein Puff!»

Benjamin Witztum, der neue Eigentümer des ehemaligen Erotik-Betriebs «Bolero», hat noch keine konkreten Pläne für die Grundstücke.

Christian von Arx
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Hier soll Neues entstehen: Die von Bäumen und Sträuchern eingewachsenen Gebäude des Ex-«Bolero» sind heute Abbruchobjekte (Zustand 2014).

Hier soll Neues entstehen: Die von Bäumen und Sträuchern eingewachsenen Gebäude des Ex-«Bolero» sind heute Abbruchobjekte (Zustand 2014).

Für die Gemeinde Hauenstein-Ifenthal ist es eine gute Nachricht: Das Areal des seit Jahren geschlossenen, ehemaligen Erotik-Betriebs «Bolero» ist endlich verkauft. Neuer Eigentümer ist Benjamin Witztum, der beruflich als Kundenberater/Experte bei einer Bank in Zürich tätig ist. Die Grundstücke hat er als Privatmann gekauft, die Bank ist nicht involviert.

Welche Pläne hat der neue Besitzer mit dem «Bolero»-Areal? «Dafür ist es noch viel zu früh», antwortet Benjamin Witztum auf die Anfrage dieser Zeitung. «Aber eines kann ich mit Sicherheit sagen: Auf keinen Fall wird etwas gemacht, das irgendwie an den früheren Betrieb erinnert. Das wäre für mich auch aus moralischen Gründen nicht akzeptabel.» In der Vergangenheit hatte das «Bolero» als weitherum bekannter Saunaclub öfter negative Schlagzeilen gemacht.

Er kenne die Gegend aus seiner täglichen Geschäftstätigkeit gut, erklärte Witztum. Konkrete Beziehungen zum Ort Hauenstein habe er aber nicht, die Grundstücke seien für ihn einfach preislich interessant gewesen. «Das Ziel ist, dort etwas zu machen, was für die ganze Umgebung von Vorteil ist.» Er werde in nächster Zeit das Gespräch mit der Gemeinde suchen. «In zehn Monaten weiss ich vielleicht mehr», fügte er bei.

Den Verkauf öffentlich gemacht hatte Gemeindepräsident Jürg Ryffel am Neujahrsapéro der Gemeinde (wir berichteten). Auf Anfrage wird die Handänderung von Martin Schmalz, dem Leiter des Kantonalen Konkursamts in Oensingen, bestätigt: «Wir haben die entsprechenden Verfügungen Ende Dezember erlassen, der Eintrag im Grundbuch wird demnächst von der Amtschreiberei Olten-Gösgen publiziert.»

Gebäude sind abbruchreif

An Benjamin Witztum übergegangen sind drei Grundstücke mit total 8807 Quadratmetern. Sie wurden im Rahmen des Konkursverfahrens gegen die letzte Besitzerin, die HS Event-House AG, Hauenstein, freihändig verkauft, was das Einverständnis der Gläubiger voraussetzt. Auf diesen Grundstücken befinden sich die ehemaligen «Bolero»- Gebäude, laut Grundbuch ein Geschäftshaus mit Garage und Nebengebäude sowie ein weiteres Wohn- und Geschäftshaus. Nach Jahren des Zerfalls sind dies nur noch Abbruchobjekte.

Das ehemalige Gewerbegebiet beim «Bolero» war vom Gemeinderat zur dreigeschossigen Wohnzone umgezont worden; der Teilzonenplan «Wohnzone Passhöhe» ist seit Anfang 2014 rechtsgültig. «Zulässig sind Wohnbauten in lockerer und verdichteter Bauweise sowie nicht störende Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe, welche dem Zonencharakter der Wohnzone angepasst sind», heisst es in den Zonenvorschriften.

Wechselvolle «Bolero»-Geschichte: Motel – Dancing – Night-Club

Das Motel Hauenstein wäre dieser Tage 61 Jahre alt: «Die Eröffnung war am 26. Januar 1956», erinnert sich Rosa Rubitschung-Bitterli (82, Mümliswil), die im Hauensteiner «Löwen» aufgewachsen ist, auf Anfrage ohne das geringste Zögern. Warum ihr dieses Datum derart im Gedächtnis geblieben ist? «Das war ein Einschnitt für uns, denn das Motel war eine Konkurrenz für den ‹Löwen›», erklärt sie. Das neue Motel lag nur wenige hundert Meter weiter oben an der Passstrasse als der «Löwen», der noch von Rosa Bitterlis Vater im Nebenerwerb als Bauernhof und Wirtschaft geführt worden war.

Auch an den Grund, weshalb gerade auf dem Hauenstein ein modernes Motel geplant und gebaut wurde: «Damals war vorgesehen, dass die Autobahn über den Hauenstein führen sollte.» Tatsächlich war das Motel Hauenstein als Ausflugsrestaurant, Raststätte und Hotelbetrieb anfänglich ein Erfolg. «Am Sonntag gab es oft eine ganze Völkerwanderung, da kamen die Trimbacher zu Fuss auf den Hauenstein und kehrten im Motel ein», erinnert sich Rosa Rubitschung.

Die Hauptstrasse Basel–Luzern war Teil der Verbindung zwischen Deutschland und Italien über den Gotthard. Auf dem Motel-Parkplatz hielten oft Cars aus Deutschland oder andern Ländern. Auch Übernachtungsmöglichkeiten waren gefragt.

Bekanntlich wurde die A 2 dann nicht durch das Homburgertal und über den Unteren Hauenstein gebaut, sondern durch das Diegtertal, mit einem Durchstich zwischen Eptingen und Hägendorf. Mit der Eröffnung des Belchentunnels im Dezember 1970 brach der Passverkehr über den Hauenstein ein, im Motel auf der Passhöhe setzte der Niedergang ein.

Zwar wurden 1971 und 1974 noch neue Gebäude erstellt, das Motel lockte nun mit einem Dancing. Offenbar ohne durchschlagenden Erfolg, denn die Eigentümer wechselten, das Lokal war wiederholt geschlossen. Mehrere Betreiber waren in Konkursverfahren verwickelt. So auch der Unterhaltungsunternehmer Peter Curti, der im Motel den Night-Club «Bolero» führte, wo Prostituierte ihre Dienste anboten.

Der Sexklub auf dem Hauenstein machte mehrmals Schlagzeilen. So wurde im November 2001 um 6 Uhr morgens ein 40-jähriger Angestellter bei minus 3 Grad nackt und erfroren auf dem Trottoir vor dem Bolero gefunden. Seit dem 7. September 2012 ist das «Bolero» endgültig geschlossen. (cva)

Wohnen über dem Nebel

Zu erwarten ist also eine Wohnüberbauung – mit wenig Nebel und Sicht in die Alpen. Das Areal befindet sich unmittelbar südlich der Passhöhe des Unteren Hauensteins (690 Meter über Meer). Ein viertes, benachbartes Grundstück, das jenseits der Kantonsgrenze auf Boden der Gemeinde Läufelfingen BL liegt, ging nach Auskunft von Konkursamt-Chef Martin Schmalz an einen anderen Erwerber.

Gegen die letzte Besitzerin des «Bolero», die HS Event-House AG, war 2013 der Konkurs eröffnet worden. Unter anderen machte auch die Einwohnergemeinde Hauenstein-Ifenthal unbezahlte Rechnungen geltend. Die Verwertung der Liegenschaften zog sich aber in die Länge: Ein erster Verkauf im Jahr 2015 wurde annulliert, weil sich nachträglich herausstellte, dass die damaligen Erwerber ausländisch beherrscht waren und der Verkauf somit gegen das Bundesgesetz über den Erwerb von Grundstücken durch Personen im Ausland verstiess. Nun kann das Konkursverfahren abgeschlossen werden.