Für die Gemeinde Hauenstein-Ifenthal ist es eine gute Nachricht: Das Areal des seit Jahren geschlossenen, ehemaligen Erotik-Betriebs «Bolero» ist endlich verkauft. Neuer Eigentümer ist Benjamin Witztum, der beruflich als Kundenberater/Experte bei einer Bank in Zürich tätig ist. Die Grundstücke hat er als Privatmann gekauft, die Bank ist nicht involviert.

Welche Pläne hat der neue Besitzer mit dem «Bolero»-Areal? «Dafür ist es noch viel zu früh», antwortet Benjamin Witztum auf die Anfrage dieser Zeitung. «Aber eines kann ich mit Sicherheit sagen: Auf keinen Fall wird etwas gemacht, das irgendwie an den früheren Betrieb erinnert. Das wäre für mich auch aus moralischen Gründen nicht akzeptabel.» In der Vergangenheit hatte das «Bolero» als weitherum bekannter Saunaclub öfter negative Schlagzeilen gemacht.

Er kenne die Gegend aus seiner täglichen Geschäftstätigkeit gut, erklärte Witztum. Konkrete Beziehungen zum Ort Hauenstein habe er aber nicht, die Grundstücke seien für ihn einfach preislich interessant gewesen. «Das Ziel ist, dort etwas zu machen, was für die ganze Umgebung von Vorteil ist.» Er werde in nächster Zeit das Gespräch mit der Gemeinde suchen. «In zehn Monaten weiss ich vielleicht mehr», fügte er bei.

Den Verkauf öffentlich gemacht hatte Gemeindepräsident Jürg Ryffel am Neujahrsapéro der Gemeinde (wir berichteten). Auf Anfrage wird die Handänderung von Martin Schmalz, dem Leiter des Kantonalen Konkursamts in Oensingen, bestätigt: «Wir haben die entsprechenden Verfügungen Ende Dezember erlassen, der Eintrag im Grundbuch wird demnächst von der Amtschreiberei Olten-Gösgen publiziert.»

Gebäude sind abbruchreif

An Benjamin Witztum übergegangen sind drei Grundstücke mit total 8807 Quadratmetern. Sie wurden im Rahmen des Konkursverfahrens gegen die letzte Besitzerin, die HS Event-House AG, Hauenstein, freihändig verkauft, was das Einverständnis der Gläubiger voraussetzt. Auf diesen Grundstücken befinden sich die ehemaligen «Bolero»- Gebäude, laut Grundbuch ein Geschäftshaus mit Garage und Nebengebäude sowie ein weiteres Wohn- und Geschäftshaus. Nach Jahren des Zerfalls sind dies nur noch Abbruchobjekte.

Das ehemalige Gewerbegebiet beim «Bolero» war vom Gemeinderat zur dreigeschossigen Wohnzone umgezont worden; der Teilzonenplan «Wohnzone Passhöhe» ist seit Anfang 2014 rechtsgültig. «Zulässig sind Wohnbauten in lockerer und verdichteter Bauweise sowie nicht störende Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe, welche dem Zonencharakter der Wohnzone angepasst sind», heisst es in den Zonenvorschriften.

Wohnen über dem Nebel

Zu erwarten ist also eine Wohnüberbauung – mit wenig Nebel und Sicht in die Alpen. Das Areal befindet sich unmittelbar südlich der Passhöhe des Unteren Hauensteins (690 Meter über Meer). Ein viertes, benachbartes Grundstück, das jenseits der Kantonsgrenze auf Boden der Gemeinde Läufelfingen BL liegt, ging nach Auskunft von Konkursamt-Chef Martin Schmalz an einen anderen Erwerber.

Gegen die letzte Besitzerin des «Bolero», die HS Event-House AG, war 2013 der Konkurs eröffnet worden. Unter anderen machte auch die Einwohnergemeinde Hauenstein-Ifenthal unbezahlte Rechnungen geltend. Die Verwertung der Liegenschaften zog sich aber in die Länge: Ein erster Verkauf im Jahr 2015 wurde annulliert, weil sich nachträglich herausstellte, dass die damaligen Erwerber ausländisch beherrscht waren und der Verkauf somit gegen das Bundesgesetz über den Erwerb von Grundstücken durch Personen im Ausland verstiess. Nun kann das Konkursverfahren abgeschlossen werden.