Gretzenbach
Erster Asylbewerber ist in der Zivilschutzanlage Täli eingezogen

Fünf Monate lang stand das kantonale Durchgangszentrum in Gretzenbach leer. Nun ist die Zivilschutzanlage Täli in Betrieb. Der erste Asylbewerber ist am Mittwoch eingezogen.

Philipp Felber
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Die Zivilschutzanlage Täli befindet sich im Mehrzweckgebäude Grube. Dort ist auch der Werkhof und die Feuerwehr untergebracht.
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Gemeindepräsident Daniel Cartier öffnete Anfang Februar die Tür zur Zivilschutzanlage Täli. Damals wurde publik, dass dort eine Asylunterkunft entsteht.
So sah es im Februar im Innern aus.
Seit dem 1. Mai 2016 läuft der Mietvertrag zwischen dem Kanton und der Gemeinde.
Einige Monate war die Anlage aber unbewohnt. Erst im Oktober zogen die ersten Asylbewerber ins kantonale Durchgangszentrum.
Zivilschutzanlage Täli in Gretzenbach

Die Zivilschutzanlage Täli befindet sich im Mehrzweckgebäude Grube. Dort ist auch der Werkhof und die Feuerwehr untergebracht.

Christian von Arx

Seit gestern wird die Belegung Tag für Tag aufgebaut, wie David Kummer vom Amt für soziale Sicherheit auf Anfrage mitteilt. Maximal werden 100 Asylbewerber im kantonalen Durchgangszentrum ein vorübergehendes Dach über dem Kopf erhalten.

Seit dem 1. Mai dieses Jahres läuft der Mietvertrag zwischen der Gemeinde Gretzenbach und dem Kanton. Gegen das Asylzentrum kam von verschiedenen Seiten her Opposition auf. So wurde etwa von zwei Gemeinderäten eine Beschwerde gegen den Entscheid des eigenen Gremiums vorgebracht, dann aber wieder zurückgezogen.

Im März wollten es sich über 30 Einwohner nicht nehmen lassen und waren als Zuschauer an der Gemeinderatssitzung zugegen, als ein Wiedererwägungsantrag von SVP-Gemeinderat Werner Ramel zur Debatte stand. An der Infoveranstaltung im April nahmen über 300 Einwohnerinnen und Einwohner teil. Und dort wurde klar: Ein grosser Teil der Anwesenden stellt sich klar gegen das kantonale Durchgangszentrum.

Nun steht dem Kanton die Anlage eigentlich nur noch bis Ende April 2017 zur Verfügung, nachdem sie nun 5 Monate nicht gebraucht wurde. Eine Verlängerung des Mietvertrages wäre eigentlich im Interesse der Gemeinde, denn Gretzenbach ist noch immer im Minus, was das Aufnahmesoll von Asylbewerbern anbelangt. Und dies trotz der Tatsache, dass der Niederämter Gemeinde unabhängig von der effektiven Belegung der Anlage 50 Asylbewerber angerechnet werden, davon 34 für das Jahr 2016 und 16 für das Jahr 2017. Wenn die Zivilschutzanlage als Durchgangszentrum Ende April 2017 geschlossen wird, wäre es möglich, dass sich das Minus im Aufnahmesoll rasch vergrössert.

Ob gar der Vertrag mit dem Kanton verlängert werden soll, um die Zivilschutzanlage über Mai 2017 hinaus zu betreiben und so weiterhin die Asylbewerber im kantonalen Durchgangszentrum angerechnet zu bekommen, steht noch in den Sternen. «Bis jetzt haben wir ja überhaupt keine Erfahrung und wissen nicht, ob es mit dem Zentrum Probleme gibt oder nicht», sagte Gemeindepräsident Cartier vor zwei Wochen zu dieser Zeitung. Deshalb soll die Situation erst geklärt werden, wenn der Betrieb eine Zeit lang läuft.

Es ist jedoch auch noch nicht ganz klar, ob der Kanton die Anlage überhaupt weiter betreiben will. Grundsätzlich habe der Kanton aber ein Interesse daran, die Zivilschutzanlage sicherlich als Reserveunterkunft aufrecht zu erhalten. Mit durchaus positiven Auswirkungen auf das Aufnahmesoll von Gretzenbach. Werden doch 10 Plätze angerechnet, auch wenn niemand in der Anlage wohnt. Gegen eine Verlängerung des Mietvertrages regt sich jedoch der Widerstand der SVP. Die Bevölkerung wird bei einer allfälligen Verlängerung des Mietvertrages jedoch wieder durch die Gemeindebehörden informiert.